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Diese Lebensphase verändert Gehirn und Psyche von Frauen

Die Wechseljahre bringen für Frauen tiefgreifende Veränderungen
Die Wechseljahre bringen für Frauen tiefgreifende Veränderungen Foto: Getty Images
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12. Februar 2026, 14:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Menopause ist ein natürlicher biologischer Prozess, der mit weitreichenden hormonellen Veränderungen einhergeht. Sie markiert den Endpunkt der Wechseljahre – einer Phase, die weit mehr als nur die Fruchtbarkeit betrifft. Neben körperlichen Symptomen rücken zunehmend auch psychische und kognitive Auswirkungen in den Fokus der Forschung. Eine aktuelle großangelegte Untersuchung mit fast 125.000 Frauen analysiert nun, wie sich die Wechseljahre auf die mentale Gesundheit, die Gedächtnisleistung und die Gehirnstruktur auswirken – und welchen Einfluss eine Hormonersatztherapie (HRT) dabei hat.

Forschungslage zum Einfluss der Wechseljahre auf Gehirn und Psyche

Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen sind die bekanntesten Begleiterscheinungen der Wechseljahre. Das geht aus einem wissenschaftlichen Übersichtsartikel von 2023 hervor.1 Doch die hormonelle Umstellung betrifft offenbar mehr als nur den Körper. Studien zeigen, dass sie auch die kognitive Leistungsfähigkeit und die Psyche beeinflussen kann.2 So berichten Untersuchungen von Einbußen bei der Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Sprache. Eine systematische Übersichtsarbeit fand darüber hinaus ein erhöhtes Risiko für depressive Symptome während der Perimenopause – also in der hormonellen Übergangsphase vor der letzten Monatsblutung.3 Zwischen Frauen vor und nach der Menopause zeigte sich jedoch kein signifikanter Unterschied. Das deutet darauf hin, dass vor allem die Phase der hormonellen Umstellung selbst mit psychischen Beschwerden verbunden ist, weniger jedoch der Zustand nach Abschluss der Menopause.

Ob und wie sich diese Veränderungen langfristig auf die mentale Gesundheit, kognitive Leistungsfähigkeit und die Struktur des Gehirns auswirken, war bislang nicht abschließend geklärt. Hier setzt die aktuelle großangelegte Untersuchung der Universität Cambridge an.4

Ziele und Methoden der neuen Studie

Die Forscher wollten den Einfluss der Menopause auf Gehirn und Psyche besser verstehen und prüfen, inwieweit eine Hormonersatztherapie (HRT) diese Effekte beeinflussen kann. Dazu nutzten sie Daten von fast 125.000 Frauen aus der britischen UK Biobank, einer der größten medizinischen Datenbanken der Welt.

Für die Analyse wurden die Teilnehmerinnen in drei Gruppen eingeteilt:

  • Frauen vor der Menopause
  • Frauen nach der Menopause ohne HRT
  • solche nach der Menopause mit HRT

Das durchschnittliche Alter, in dem die Wechseljahre eintraten, lag bei etwa 49,5 Jahren. Frauen, die HRT erhielten, begannen die Behandlung im Mittel mit 49 Jahren.

Erfasst wurden unter anderem Angaben per Fragebögen zu Stimmung, Angst, depressiven Symptomen, Schlafqualität und Müdigkeit. Außerdem absolvierten die Teilnehmerinnen kognitive Tests, etwa zur Reaktionsgeschwindigkeit und Gedächtnisleistung. Bei rund 11.000 Frauen lagen zusätzlich MRT-Daten vor, anhand derer die Struktur des Gehirns untersucht werden konnte. Bei der Auswertung berücksichtigten die Forschenden auch potenzielle Einflussfaktoren wie Bildungsstand, Einkommen, Körpergewicht und Tabakkonsum.

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Zentrale Ergebnisse

Die Analyse zeigte, dass Frauen nach der Menopause häufiger von Angstzuständen, Nervosität und depressiven Symptomen betroffen waren. Sie erzielten in entsprechenden Fragebögen höhere Werte, waren häufiger in ärztlicher Behandlung und erhielten häufiger Psychopharmaka.

Frauen, die HRT erhielten, berichteten im Vergleich zu den Nicht-HRT-Nutzerinnen von stärkeren Angst- und Depressionssymptomen. Eine genauere Auswertung ergab jedoch, dass diese Unterschiede bereits vor der Menopause bestanden. Die Forscher vermuten, dass einige Frauen die HRT verschrieben bekamen, weil ihre Ärzte erwarteten, dass die Wechseljahre ihre Beschwerden verschlimmern würden.

Darüber hinaus berichteten postmenopausale Frauen häufiger von Schlafproblemen, kürzerer Schlafdauer und erhöhter Müdigkeit. Besonders ausgeprägt waren Müdigkeit und Erschöpfung bei den HRT-Nutzerinnen. Allerdings unterschied sich ihre Schlafdauer nicht von der postmenopausaler Frauen ohne HRT.

Verändertes Hirnvolumen

Die Studie zeigte auch strukturelle Veränderungen im Gehirn. Das Volumen bestimmter Bereiche der grauen Hirnsubstanz war nach der Menopause verringert. Betroffen waren Regionen, die für das Gedächtnis, die emotionale Regulation und die kognitive Kontrolle entscheidend sind, darunter der Hippocampus, der entorhinale Cortex und der anterior cinguläre Cortex (ACC).

Interessanterweise waren diese Volumenunterschiede bei Frauen, die eine Hormonersatztherapie (HRT) erhielten, verglichen mit Frauen nach den Wechseljahren ohne HRT und Frauen vor den Wechseljahren am stärksten ausgeprägt. Die Ergebnisse deuten somit darauf hin, dass die Menopause selbst mit strukturellen Veränderungen im Gehirn verbunden ist, die in bisher vergleichbaren Studien mit dieser Stichprobengröße noch nicht nachgewiesen wurden.

Wichtig zu wissen: Obwohl die Forscher diese strukturellen Veränderungen im Gehirn sahen, gab es eine gute Nachricht: In den Gedächtnistests schnitten die Frauen nach der Menopause nicht schlechter ab als vorher. Das Gehirn scheint diese Volumenunterschiede also im Alltag gut ausgleichen zu können.

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Mögliche Bedeutung der Studie

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Menopause selbst mit einer Zunahme psychischer Beschwerden wie Angst, Depression und Schlafproblemen sowie mit Veränderungen der Gehirnstruktur einhergeht. Eine Hormonersatztherapie scheint diese Effekte nicht zuverlässig zu verhindern. Vielmehr weist die Analyse darauf hin, dass viele Frauen bereits vor Beginn der HRT unter psychischen Belastungen litten. Die könnte erklären, warum HRT-Nutzerinnen in der Studie stärker belastet erschienen.

Die Untersuchung liefert damit womöglich wertvolle Einblicke in die neurobiologischen und psychischen Auswirkungen der Wechseljahre. Sie unterstreicht, dass die Menopause ein relevanter Faktor für mentale Gesundheit, kognitive Leistungsfähigkeit und Schlafqualität ist. Gleichzeitig zeigt sie, dass HRT keine universelle Lösung zur Vorbeugung dieser Veränderungen darstellt – individuelle Vorgeschichte und bereits bestehende Symptome sind entscheidend.

Einschränkungen der Studie

Bei der Interpretation der Ergebnisse sind einige Punkte zu berücksichtigen. Die Daten zu Stimmung, Schlaf und HRT-Nutzung basieren überwiegend auf Selbstauskünften der Teilnehmerinnen. Somit sind Ungenauigkeiten möglich. Weiterhin war die HRT-Gruppe im Durchschnitt älter und von niedrigerem Bildungs- sowie Einkommensniveau als die Vergleichsgruppen. Auch lagen keine näheren Informationen zur konkreten Art der Hormonersatztherapie vor. Es sei auch erwähnt, dass die UK Biobank tendenziell gesündere und weniger diverse Teilnehmerinnen untersucht. Die Ergebnisse sind nicht uneingeschränkt auf die Gesamtbevölkerung übertragbar. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, können ohnehin keine Kausalzusammenhänge zwischen HRT, Menopause und psychischen oder neuronalen Veränderungen abgeleitet werden.

Quellen

  1. Crandall, C., Mehta, J., Manson, J. (2023). Management of Menopausal Symptoms: A Review. JAMA ↩︎
  2. Greendale, G., 1, Karlamangla, A., Maki, P. (2020). The Menopause Transition and Cognition. JAMA ↩︎
  3. Badawy, Y., Spector, A., Li, Z. et al. (2024). The risk of depression in the menopausal stages: A systematic review and meta-analysis. Journal of Affective Disorders ↩︎
  4. Zuhlsdorff, K., Langley, C., Bethlehem, R. et al. (2026). Emotional and cognitive effects of menopause and hormone replacement therapy. Psychological Medicine. ↩︎

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