28. Mai 2026, 10:12 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Sie erwarten jede Frau, die das Glück hat, alt genug zu werden: die Wechseljahre. Für manche sind sie eine Art Schreckgespenst, für andere interessantes Neuland. Was sie aber vor allem bedeuten, sind vielfältige Veränderungen, die leider auch oft die Form von Beschwerden annehmen und den Startschuss für beginnende Alterserkrankungen sein können. Viele Frauen wollen deshalb ganz bewusst in diese Lebensphase starten und sich nicht von ihr „überfallen“ lassen. Tipps, wie man sich auf die Wechseljahre vorbereiten kann, hat uns die zertifizierte Health & Life Coachin Adaeze Wolf im FITBOOK-Interview gegeben.
Eine gute Körperwahrnehmung ist hilfreich
FITBOOK: Frauen fragen sich mit Ende 30 oder Anfang 40 sicher oft, wie man erkennen kann, dass die Wechseljahre beginnen. Haben Sie eine Antwort?
Adaeze Wolf: „Eine Voraussetzung dafür ist eine gute Körperwahrnehmung. Wenn wir gelernt haben, unseren Körper gut wahrzunehmen, können wir auch erspüren, wenn sich etwas verändert. Dann würde ich zum Gang zur Ärztin oder zum Arzt raten, um einmal die Hormone abklären zu lassen. Auch ein Check der Vitalstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente sowie Amino- und Fettsäuren, A. d. R.) kann helfen. Hier kann sich mit der Perimenopause eine neue Dynamik einstellen, sprich: Sie sind schneller aufgebraucht. Das wären so ein paar Empfehlungen von mir.“
Sollten Frauen das präventiv so machen?
„Wenn eine Frau sich gut fühlt und keine Beschwerden hat, sehe ich keinen Grund, dass sie diese Checks prinzipiell ab einem bestimmten Alter macht. Es sei denn, man ist einfach neugierig und möchte mal so ein bisschen in sich hineinhorchen. Wenn man aber schon Beschwerden hat, sollte man auf jeden Fall nachschauen.“
„Der wichtigste Schritt ist, sich Wissen anzueignen“
Wie können Frauen sich auf die Wechseljahre vorbereiten, um gewissen Beschwerden wie dem „Menobauch“ vorzubeugen? Geht das überhaupt, und wenn ja, was könnten sinnvolle Schritte sein?
„Ich glaube, der wichtigste Schritt ist das Wissen, das man sich aneignet. Sich darüber informieren, was auf einen zukommen kann, welche Symptome es gibt. Damit man nicht erst in den Leidensdruck gehen muss, um dann auf die Suche nach Antworten zu gehen und zu lernen, was man vielleicht ändern muss. Hier komme ich wieder zu der Körperwahrnehmung, die hilft, Veränderungen aufzuspüren. Man möchte ja nicht erst jahrelang unter Schlafstörungen, Knochenschmerzen oder Gewichtszunahme leiden und sich hilflos fühlen. Tolle Bücher oder Podcasts helfen bei der Aufklärung, bevor es mit den Wechseljahren losgeht. Außerdem kann es gut sein, schon früh mit dem Frauenarzt das Gespräch zu suchen und da auch dran zu bleiben und sich nicht vertrösten zu lassen. Wenn man da einen guten Arzt gefunden hat, kann man früh bemerkte Veränderungen ansprechen und Check-ups machen.“
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„Wechseljahre können ein toller Neuanfang sein“
Die Wechseljahre wirken häufig wie ein großes Schreckgespenst. Wie schaffen Frauen es, der Lebensphase weniger ängstlich, sondern womöglich eher neugierig entgegenzublicken?
„Je mehr man weiß, desto entspannter kann man den Wechseljahren begegnen und desto eher kann man sie auch als neue Chance entdecken. Bei den Frauen, mit denen ich spreche und zusammenarbeite, merke ich, dass die Wechseljahre natürlich einschneidend sind und einiges abverlangen. Wir müssen uns teils neu kennenlernen und neue Mechanismen lernen, aber genau darüber entwickeln wir uns ja auch weiter. Vielleicht merkt man auch, dass man durch sein Alter und sein Wissen manchen Dingen nun auch einfach gelassener begegnen kann als in jungen Jahren. Die Wechseljahre sind kein dunkles Loch und nicht die Lebensphase, in der alles zu Ende geht. Sie können ein Neuanfang sein. Und wir sehen heute ja auch tolle Vorbilder. Wenn man sich die Frauen, die jetzt in den Wechseljahren oder schon darüber hinaus sind, ansieht, sieht man viele mit einer tollen Ausstrahlung und Lebensfreude. Sie sind noch voller Vitalität. Ich wünsche mir, dass die Frauen sich in dieser Zeit in den Fokus stellen. Die Kinder brauchen sie nicht mehr so sehr, viele Frauen haben viel Lebenserfahrung gesammelt. Jetzt kann das eigene Wohlbefinden mehr im Vordergrund stehen. Viele Frauen gehen auch beruflich in dieser Lebensphase neue Wege. Das finde ich ermutigend.“
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„Die Menopause hört nie auf“
Was ist, wenn wir die Wechseljahre geschafft haben? Wie wichtig ist es, dann die neuen Gewohnheiten in Ernährung, Bewegung usw. beizubehalten? Oder sind weitere Anpassungen notwendig?
„Unsere Menopause hört nie auf – auch wenn unsere Hormone entsprechend abgenommen und sich auf das neue Normal eingependelt haben. Das bedeutet zunächst, dass es nicht mehr diese verrückten Dysbalancen gibt, die zu dem Wechselbad an häufig unberechenbaren Symptomen führen. Aber hormonell kommen wir ja nicht auf den früheren Zustand zurück. Deshalb dürfen wir die neuen, gut für uns funktionierenden Gewohnheiten sehr gerne beibehalten. Sie sollten uns im Idealfall bis ins hohe Alter begleiten. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Protein bleibt wichtig für die Knochengesundheit. Wir wollen uns bewegen und Krafttraining machen, damit wir fit und vital bleiben. Wir wollen so den typischen Verletzungen – Stichwort: Oberschenkelhalsbruch – vorbeugen. Ein schlimmes Beispiel, das niemand erleiden möchte und das vor allem mit im Laufe der Jahre abgebauten Muskeln zusammenhängt. Deshalb rate ich, unbedingt die gesunden Gewohnheiten beizubehalten, damit wir all diesen typischen Alterskrankheiten und Verletzungen entgegenwirken können und lange Spaß am Leben haben können.“
Zur Person
Adaeze Wolf ist Expertin für ganzheitliche Frauengesundheit, Autorin, Podcasterin und Speakerin. Als holistische Ernährungsberaterin sowie zertifizierte Health & Life Coachin begleitet sie Frauen ab 40, die Hormonchaos, Erschöpfung und unerklärliche Gewichtszunahme hinter sich lassen wollen.