5. Oktober 2026, 14:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die meisten Menschen wünschen sich ein langes Leben bei guter Gesundheit. Tatsächlich ließen sich viele Volkskrankheiten durch die richtige Mischung aus Prävention, Früherkennung und einem gesunden Lebensstil zumindest teilweise verhindern oder deutlich hinauszögern. Umso wichtiger ist es, die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und individuelle Risiken frühzeitig im Blick zu behalten.
Diese Vorsorgeuntersuchungen übernehmen die Krankenkassen
Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen eine Reihe von Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen.1 Diese Angebote sollten Sie in den empfohlenen Abständen wahrnehmen:
- Gesundheits-Check-up: einmal zwischen 18 und 34 Jahren, danach alle drei Jahre ab 35 Jahren
- Hautkrebs-Screening: alle zwei Jahre ab 35 Jahren
- Zahnvorsorge: zwei Kontrolluntersuchungen pro Jahr (ab 18 Jahren)
Darmkrebs-Früherkennung
- Beratung: einmalig ab 50 Jahren
- Stuhltest (iFOBT): alle zwei Jahre ab 50 Jahren (wenn keine Darmspiegelung erfolgt)
- Darmspiegelung: ab 50 Jahren, Wiederholung nach zehn Jahren möglich
Für Männer
- Prostatakrebs-Früherkennung: jährlich ab 45 Jahren
- Genital- und Hautkrebs-Früherkennung: jährlich ab 45 Jahren
- Bauchaortenaneurysma-Screening: einmalig ab 65 Jahren
Für Frauen
Brustkrebs-Früherkennung
- Tastuntersuchung: jährlich ab 30 Jahren
- Mammografie-Screening: alle zwei Jahre von 50 bis 75 Jahren
Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung
- 20 bis 34 Jahre: jährlicher Pap-Test
- ab 35 Jahren: Pap-Test plus HPV-Test alle drei Jahre
Für bestimmte Risikogruppen
Lungenkrebs-Screening: für starke Raucherinnen und Raucher bestimmter Altersgruppen mittels niedrig dosierter CT unter festgelegten Voraussetzungen
Früherkennung wird immer individueller
Die Standardprogramme der Krankenkassen bilden die Basis. Experten sehen die Zukunft der Prävention jedoch zunehmend in einer individuelleren Herangehensweise. „Bei einigen Patienten, die eine familiäre Vorbelastung haben, lohnt sich etwa ein früherer Darmkrebs-Checkup, bei anderen könnte die Herz-Kreislauf-Vorsorge engmaschiger erfolgen“, sagt die Präventionsmedizinerin Dr. Anne Fleck.
Wer beispielsweise nahe Verwandte mit Darmkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes hat, sollte das Thema mit seinem Arzt besprechen. Gemeinsam lässt sich klären, ob Untersuchungen früher oder häufiger sinnvoll sind.
Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung, die gesetzliche Krankenkassen zahlen
Ärztliche Vorsorgeuntersuchung – wie oft, wann und weshalb?
Welche Selbstzahler-Leistungen sich lohnen können
Nicht alle Untersuchungen, die von Fachärzten empfohlen werden, werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Dennoch können sie sich für die Früherkennung lohnen. Dr. Fleck sagt: „Ob solche zusätzlichen Untersuchungen für Sie sinnvoll sind, hängt von Ihrem individuellen Risiko ab und sollte mit Ihrem Hausarzt besprochen werden.“
PSA-Wert zur Prostatakrebs-Früherkennung
Ein prominentes Beispiel ist die PSA-Blutwertbestimmung zur Früherkennung von Prostatakrebs.2 Die Untersuchung kostet meist ab etwa 30 Euro und wird bislang nicht regulär von den Krankenkassen übernommen. Urologe Dr. Tobias Jäger kritisiert: „Er ist deutlich aussagekräftiger als die Tastuntersuchung, die seit mehr als einem Jahr nicht mehr empfohlen wird.“
Ultraschalluntersuchungen
Auch bestimmte Ultraschalluntersuchungen der Gefäße, des Herzens oder der Bauchorgane können in Einzelfällen sinnvoll sein. Das gilt vor allem für Menschen mit familiären Vorbelastungen oder bekannten Risikofaktoren.
Lipoprotein(a) zur Herzinfarkt-Früherkennung
Kardiologen empfehlen zudem, den Lipoprotein(a)-Wert mindestens einmal im Leben bestimmen zu lassen. Bei Frauen lohnt sich eine erneute Bestimmung nach den Wechseljahren. Die Untersuchung kostet etwa zehn Euro. Der Wert ist genetisch bedingt und kann das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Verkalkung der Aortenklappe deutlich erhöhen.
Vorsorge beginnt, bevor Menschen zu Patienten werden
Viele schwere Erkrankungen entstehen nicht über Nacht, sondern entwickeln sich über Jahre hinweg. Deshalb gilt: Je früher Risiken erkannt werden, desto größer sind die Chancen, gegenzusteuern. Regelmäßige Untersuchungen sind ratsam – damit Krankheiten wie Diabetes, Demenz, Adipositas oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gar nicht entstehen oder frühzeitig erkannt werden.
Diese Themen stehen auch im Mittelpunkt des sechsten BILD-Vorsorgegipfels am 7. Oktober 2026 in Berlin. Experten aus Medizin, Forschung, Wirtschaft und Politik diskutieren dort über die Zukunft der Prävention. Im Fokus stehen unter anderem Impfungen, Neurodermitis, Adipositas, Alzheimer, Lebererkrankungen und die Frage, wie Menschen möglichst lange gesund altern können.