Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Herzgesundheit Alle Themen
Studie

Bestimmte Untersuchung Anfang 20 könnte spätere Gefäßschäden vorhersagen

Untersuchung Gefäßschäden
Schaden an den Blutgefäßen kann zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen Foto: Getty Images/Science Photo Libra
Artikel teilen
Friederike Ostermeyer
Freie Autorin

28. August 2026, 12:54 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Herzkrankheiten betreffen nur ältere Menschen? Eine neue Studie zeigt, dass diese Annahme falsch sein könnte. Die gute Nachricht: Eine bestimmte Untersuchung kann mögliche Warnzeichen für spätere Gefäßschäden bereits in jungen Jahren aufdecken.

In einer aktuellen US-Studie mit jungen Erwachsenen weisen rund 80 Prozent aller Teilnehmer Risikofaktoren für drohende Herzkrankheiten auf. Wie kommt es dazu und wie lässt sich das möglichst früh verhindern? Das kardiovaskulär-nieren-metabolische Syndrom, kurz CKM-Syndrom, ist ein relativ neues, aber umso wichtigeres Konzept. Es beschreibt das Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren für Herzerkrankungen. Dazu gehören etwa Übergewicht, schlechte Blutfett- und Blutzuckerwerte oder Bluthochdruck. Die American Heart Association hat darauf basierend ein Stufensystem von 0 bis 4 entwickelt: Je höher die Stufe, desto ausgeprägter sind die gesundheitlichen Belastungen. Lassen sich bei jungen Erwachsenen bereits Veränderungen an den Arterien feststellen, wenn sie eine höhere CKM-Stufe aufweisen? Eine kürzlich in der Fachzeitschrift „Circulation: Population Health and Outcomes“ veröffentlichte Studie hat untersucht, mit welcher Untersuchung sich drohende Gefäßschäden bereits Anfang 20 offenbaren.1

1283 junge Erwachsene aus den USA untersucht

Die Probanden waren im Durchschnitt 22,9 Jahre alt und befanden sich somit alle im frühen Erwachsenenalter. 54,4 Prozent waren Frauen. Bei den Teilnehmern handelt es sich um überdurchschnittlich viele junge Erwachsene aus sozial benachteiligten Familien und ethnischen Minderheiten in US‑Großstädten.

Zwischen 2021 und 2023 führten Forscher der Boston University und der Princeton University bei jedem Einzelnen verschiedene Untersuchungen wie Blutdruckmessung, Wiegen oder Tests zur Bestimmung des Cholesterinspiegels durch. Zudem wurden Blutzucker und Nierenfunktion untersucht. Außerdem wurde mittels Ultraschall die Dicke der Arterieninnenwand an der Halsschlagader, die sogenannte Intima-Media-Dicke (cIMT), ermittelt. Die cIMT ist eine etablierte Methode, um Arterienschäden frühzeitig zu erkennen, bevor Herz-Kreislauf-Erkrankungen klinisch manifest werden. Mittels Fragebögen wollten die Forscher zusätzlich herausfinden, wie es um die Ernährung, die Schlafgewohnheiten, die körperliche Aktivität und den Tabakkonsum bestellt ist. Die Besonderheit dieser Kohorte: Die Teilnehmer stammten aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

Zuteilung in einzelne CKM-Stufen

Anhand der unterschiedlichen Daten ordneten die Forscher jeden Probanden einer CKM-Stufe zu. Diese besagt, ob und in welchem Maße ein kardiovaskulär-nieren-metabolisches Syndrom vorliegt.

  • Stufe 0: keine erkennbaren CKM-Risikofaktoren
  • Stufe 1: überschüssiges Körperfett bzw. Adipositas
  • Stufe 2: zusätzliche Stoffwechselrisiken wie ungünstige Blutzucker- oder Blutfettwerte
  • Stufe 3: Hinweise auf eine noch beschwerdefreie Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine fortgeschrittene Nierenerkrankung.
  • Stufe 4: manifeste Herz-Kreislauf-Erkrankung

Schock-Ergebnis: Acht von zehn jungen Menschen weisen Risikofaktoren für Gefäßschäden auf

Potenzielle Teilnehmer der Stufe 4 wurden aus der Studie ausgeschlossen. 40,2 Prozent gehörten zu Stufe 1, 36,2 Prozent zu Stufe 2 und 2,8 Prozent zu Stufe 3.
Anders ausgedrückt war nur jeder fünfte junge Mensch Anfang 20 frei von Risikofaktoren für Gefäßschäden, Herzkrankheiten oder Nierenprobleme. Für die Forscher ist dies ein beunruhigendes Zeichen, das vor allem eine Botschaft enthält: Herz-Kreislauf-Prävention sollte nicht erst im Alter von 40, 50 oder 60 Jahren beginnen.

Auch interessant: 7 Lebensmittel für ein gesünderes Herz

Untersuchung der Halsschlagader besonders hilfreich bei

Bezüglich Früherkennung könnte sich die Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader als nützlich erweisen. Mit zunehmender CKM-Stufe war nämlich auch die Intima-Media-Dicke der Arterien höher. So zeigte die vergleichsweise simple Untersuchung erste Hinweise auf beginnende Gefäßschädigungen. Diese treten auf, lange bevor ein Herzinfarkt oder Schlaganfall droht oder Beschwerden verursacht. Könnte dieser schnelle Check womöglich die Herz-Kreislauf-Gesundheit der gesamten Bevölkerung verbessern?

Mehr zum Thema

Stärken und Schwächen der Studie

Die objektive Gefäßmessung, die vergleichsweise große Gruppe junger Personen und das neuartige CKM-Modell machten die frühen strukturellen Veränderungen tatsächlich messbar. Einschränkend bleibt, dass für konkrete Schlussfolgerungen Langzeitdaten aus möglichst vielen Bevölkerungsschichten notwendig sind. Da diese Studie gezielt mit vielen Menschen aus sozial benachteiligten Verhältnissen gearbeitet hat, lassen sich die Ergebnisse nicht auf alle jungen Erwachsenen übertragen.

Was die Ergebnisse für alle jungen Menschen bedeuten

Gültig bleibt als Fazit: Herz-Kreislauf-Risiken beginnen nicht erst im mittleren oder höheren Lebensalter. Bereits bei Menschen Anfang 20 sind sie sichtbar. Je früher erkannt, desto leichter lassen sich mögliche ernste Erkrankungen verhindern. Junge Erwachsene sollten daher ihre grundlegenden Gesundheitswerte kennen und frühzeitig daran arbeiten, die bereits bekannten Risikofaktoren wie Schlaf-, Bewegungsmangel oder ungesunde Ernährung zu reduzieren.

Quellen

  1. Krishnan, V., Ning, H., Notterman, D.A. et al. (2026). Association Between Cardiovascular-Kidney-Metabolic Health and Early Arterial Injury in Young Adults in the United States: The Future of Families–Cardiovascular Health Among Young Adults Study,Circulation: Population Health and Outcomes. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.