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Gesundheit

Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von unspezifischen Rückenschmerzen

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Lucie Andritzki, FITBOOK-Autorin
Lucie Andritzki

24. Oktober 2025, 21:13 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Mit Rückenschmerzen zum Arzt und ohne Diagnose nach Hause: Für 80 bis 90 Prozent der von Rückenschmerzen betroffenen Patienten ist das die Realität. Rückenschmerzen ohne identifizierbare Ursache und Diagnose werden als unspezifische Rückenschmerzen bezeichnet und stellen für viele Betroffene eine Quelle der Verunsicherung dar. Daher lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Wie können unspezifische Rückenschmerzen entstehen, geheilt und verhindert werden?

Rückenschmerzen sind mit die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Inanspruchnahme des Gesundheitssystems.1 Besonders quälend sind unspezifische Rückenschmerzen, weil für sie mithilfe herkömmlicher klinischer Methoden keine präzise Ursache gefunden werden kann. Ein Umstand, der natürlich auch die gezielte Behandlung erschwert. Unspezifische Rückenschmerzen sind jedoch nicht gleich unspezifische Rückenschmerzen. Das Leid der Betroffenen unterscheidet sich hinsichtlich der Ursache, und Dauer, des Verlaufs und des Schweregrads.

Unterscheidung chronischer vs. episodischer Schmerzen

Als chronisch gelten Rückenschmerzen, wenn sie länger als drei Monate anhalten.

Akut sind Rückenschmerzen, wenn sie erstmals oder nach sechs Monaten Schmerzfreiheit erneut auftreten und maximal sechs Wochen anhalten.
Als subakut gelten Rückenschmerzen, wenn sie länger als sechs Wochen anhalten, aber noch nicht die Kriterien für eine Chronifizierung erfüllen.

Auch interessant: Sollte man Schmerzen besser aushalten oder sofort eine Tablette nehmen?

Was können Ursachen für unspezifische Rückenschmerzen sein?

Gründe für das Auftreten von unspezifischen Rückenschmerzen sind oft divers. Sie lassen sich auf eine komplexe Mischung aus psychologischen, sozialen und biophysikalischen Faktoren zurückführen.

Eine Studie in Form einer Meta-Analyse analysierte die Ergebnisse von 54 Längsschnittstudien. Sie kam zu dem Ergebnis, dass arbeitsbezogene psychosoziale Faktoren wie Konflikte am Arbeitsplatz, unbefriedigende Arbeit oder starker Stress das Auftreten von Rückenschmerzen hervorrufen können. Rückenschmerzen werden also nicht nur von ergonomischen Fehlern beeinflusst, wie einseitiger Haltung, sondern treten auch durch psychosoziale Einflüsse wie geringe berufliche Anerkennung auf. Neben psychischem Stress als Risikofaktor können auch Langzeitsitzen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und falsche Ernährung Ursache und/oder Aufrechterhaltungsfaktoren sein.2

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Was tun bei unspezifischen Rückenschmerzen?

Da es bei unspezifischen Rückenschmerzen oft an einer präzisen Diagnose und entsprechenden Handlungsempfehlungen mangelt, sind Betroffene häufig überfordert. Sie stehen vor der entscheidenden Frage: Was nun?

Ein Großteil der Betroffenen neigt dazu, sich weniger zu bewegen und körperliche Aktivitäten zu vermeiden.3 Tatsächlich ist jedoch Gegenteiliges empfohlen. Leichte körperliche Aktivitäten wie Spaziergänge können dazu beitragen, die Rückenmuskulatur zu stärken und die Genesung zu fördern.4 Auch die Nationale Versorgungsleitlinie empfiehlt, bei nicht-spezifischen Rückenschmerzen körperliche Aktivitäten so weit wie möglich beizubehalten.5

Auf ärztliche Anweisung können auch rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen eingenommen werden, um akute Schmerzen zu lindern und eine Bewegungsreduktion zu verhindern. Auch der Besuch eines Physiotherapeuten kann sinnvoll sein, um individuelle Übungen und Techniken zur Schmerzlinderung und Stärkung der Muskulatur zu erhalten.

Darüber hinaus sollte der Arbeitsplatz möglichst ergonomisch gestaltet sein. Ein ergonomischer Stuhl und die richtige Bildschirmhöhe können den Rücken entlasten.
Auch die Anwendung von Wärme- oder Kältepacks kann zur Schmerzlinderung beitragen. Wärme lockert die Muskulatur, während Kälte Entzündungen reduzieren kann.


Da häufig Stress – durch psychische Belastungen, psychosoziale Konflikte oder auch berufliche Beanspruchung – unspezifischer Rückenschmerzen fördert, ist es empfehlenswert, auch psychosomatische Komponenten bei der Behandlung von Rückenschmerzen zu berücksichtigen.

Experte Dr. Hartmut Bork empfiehlt in seinem Buch „Nicht spezifischer Rückenschmerz“ daher bei chronischen Rückenschmerzen eine Kombination von sport- bzw. bewegungstherapeutischen Maßnahmen und Verhaltenstherapie. Verhaltenstherapie hilft dabei, Stressoren zu identifizieren und Strategien zur Reduzierung psychischer Belastungen zu entwickeln. Dies leistet wiederum einen nachweisbaren Beitrag zur Förderung der Genesung bei Rückenschmerzen.

Auperdem können Entspannungsübungen wie Yoga, Tai-Chi, Meditation und progressive Muskelentspannung dazu beitragen, Verspannungen zu lösen.

Rückenschmerzen verhindern

Die Prävalenz von chronischen Rückenschmerzen kann je nach Studie und Untersuchungsdesign variieren. Es kann jedoch angenommen werden, dass etwa 20 bis 30 Prozent der akuten Rückenschmerzen sich chronifizieren. Daher ist es ratsam, das Auftreten von Rückenschmerzen prophylaktisch zu verhindern.

In einer Studie aus dem Jahr 2017 kamen Forscher zu dem Ergebnis, dass die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten und anderen Freizeitaktivitäten das Risiko für häufig auftretende oder chronische untere Rückenschmerzen reduziere. Regelmäßige körperliche Bewegung stelle eine effektive Prophylaxe gegen Rückenschmerzen dar, da sie zur Stärkung der Rückenmuskulatur, zur Erhöhung der Flexibilität der Wirbelsäule, und zur Verbesserung der Durchblutung beitrage. Auch psychosozialen Risikofaktoren wie Stress könne durch Bewegung und die durch Sport erhöhte Ausschüttung von Endorphinen entgegengewirkt werden. Für die Ergebnisse der besagten Studie wurden 36 prospektive Kohortenstudien mit insgesamt 158.475 Teilnehmern in die Metaanalysen einbezogen.6

Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

Krafttraining und Yoga – mein Rezept gegen Rückenschmerzen

„Vor einigen Jahren hatte ich über Monate immer wieder mit starken Rückenschmerzen (Ischias) zu kämpfen. Der Weg zum Arzt brachte keine Hilfe, am Wochenende lag ich vor Schmerzen nicht mehr ein noch aus wissend regelrecht am Boden. Dabei bewegte ich mich doch viel, machte Sport. Aber gleichzeitig saß ich berufsbedingt auch viele Stunden pro Tag am Schreibtisch. Heute weiß ich, ich hatte noch nicht die richtige Kombination aus Training für meinen Rücken gefunden (damals machte ich v. a. Cardio). Heute mache ich durchschnittlich dreimal pro Woche Krafttraining, ergänzt um ein bis zwei Yoga-Einheiten. Seitdem habe ich meine Rückenschmerzen im Griff – zusätzlich auch dank ergonomischer Büromöbel. Komme ich doch mal weniger oft zum Sport und habe viel Stress, melden sich manchmal noch erste Anzeichen beginnender Rückenschmerzen. Wenn ich dann jedoch direkt mit einer leichten Kraft- und Yoga-Einheit entgegensteuere, schaffe ich es meistens, Schlimmeres abzuwenden.“

Quellen

  1. Von der Lippe, E., Krause, L., Porst, M. et al. (2021). Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen
    in Deutschland. Ergebnisse der KrankheitslastStudie BURDEN 2020
    . Journal of Health Monitoring. Robert Koch-Institut (aufgerufen am 24.10.2025 ↩︎
  2. Die Techniker. Ursa­chen von Rücken­schmerzen. (aufgerufen am 24.10.2025) ↩︎
  3. Bunzli S, Smith A, Schütze R, et al. (2015). Beliefs underlying pain-related fear and how they evolve: a qualitative investigation in people with chronic back pain and high pain-related fear. BMJ Open. ↩︎
  4. Bork, H. (2017). Nicht spezifischer Rückenschmerz. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date. Georg Thieme Verlag. ↩︎
  5. Nationale Versorgungsleitlinien. Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. (aufgerufen am 17.11.2023) ↩︎
  6. Shiri, R., & Falah-Hassani, K. (2017). Does leisure time physical activity protect against low back pain? Systematic review and meta-analysis of 36 prospective cohort studies. Journal of Orthopedic Research. ↩︎

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