12. März 2026, 18:13 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Rückenschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Manche haben das Problem dauerhaft, bei anderen treten die Beschwerden plötzlich auf. Ist Sport dann hilfreich oder kontraindiziert? Der Fitnessprofessor erklärt es genauer.
„Ich hab Rücken, darf ich trainieren?“
„Ich hab Rücken, darf ich trainieren?“ Diese Frage müssten Sie eigentlich Ihrem Arzt stellen! Wie man mittlerweile weiß, sind die Ursachen für Rückenschmerzen multifaktoriell. Hier werden vor allem Bewegungsmangel, falsche bzw. sehr einseitige Dauerbelastungen, Verschleiß und sogar Stress als häufige Schmerzursachen angeführt. Ob Sie bei Rückenschmerzen weitertrainieren sollten, hängt also auch von der Ursache ab.
Die Rolle von Bewegung und Training bei Rückenschmerzen
Die Rechnung scheint recht einfach zu sein: Sie bewegen sich nicht, also bekommen Sie Verspannungen im sogenannten myofaszialen Bereich („Myo-“ steht für „Muskel“ und „Faszie-“ für Bindegewebe). Ergo gilt: Bewegen Sie sich mehr, nehmen die Rückenschmerzen ab. Soweit, so gut, und sowohl persönliche Erfahrungen als auch die Studienlage bestätigen diese These.
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Tipp für Menschen, die sich beruflich viel bewegen
Aber was ist mit den Menschen, die sich zwar viel bewegen, aber trotzdem Rückenschmerzen bekommen? Diese würde ich in zwei verschiedene Personengruppen einteilen. Zum einen gibt es diejenigen, die sich beruflich viel bewegen „müssen“ (auch wenn ich persönlich eher von „dürfen“ sprechen würde), und diejenigen, die gerne Sport treiben. Bei der Gruppe der beruflich Belasteten wären zunächst eine gründliche Arbeitsplatzanalyse und Klärung der Missverhältnisse ratsam. Derartige Untersuchungen können sehr komplex sein und sollten auch vom Profi – etwa einem Arzt, Physiotherapeuten oder Beauftragten der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) – begleitet werden.
Weitertrainieren trotz „Rücken“?
Gehen wir doch mal auf die, die viel trainieren. Sie gehen regelmäßig ins Fitnessstudio, machen Krafttraining, manchmal sogar etwas Cardio, und fühlen sich rundum fit – und auf einmal, beim Training, schießt es Ihnen in den Rücken, dass Sie sich kaum noch bewegen können. Was tun – trotz Rückenschmerzen weitertrainieren?
Der Körper schreit zunächst vor Angst: „Um Gottes Willen, sofort stilllegen und keine Bewegung!“ Im ersten Moment sollte man diesem Impuls auch folgen. Aber was, wenn es nicht besser wird? Ein Besuch beim Arzt ist in jedem Fall ratsam. Aber kurzfristig können Sie auch erst einmal die Katze-Kuh-Übung ausprobieren.
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Katze-Kuh gegen akute Beschwerden
Versuchen Sie, sich in eine Vierfüßler-Position zu begeben. Dann machen Sie eine der ältesten Mobilisationsübungen der Gymnastikszene: Katze-Kuh! Gehen wir jetzt einmal von einem akuten Hexenschuss (Fachbegriff: Lumbago) aus, werden Sie wahrscheinlich kaum eine Bewegung machen können. Gehen Sie also nur ganz leicht in den Katzenbuckel und dann wieder in die „durchhängende“ Kuh-Position. Es ist wichtig, dass Sie den Schmerz hier nicht verstärken (falls es wieder reinschießt – bitte unbedingt den Arzt aufsuchen), sondern sich ganz behutsam an die Schmerz- und Bewegungsgrenze herantasten.
Übung kann Schmerz-Teufelskreis vermeiden
Sie sollten diese Übung dann sehr oft wiederholen, also gerne 50 bis 100 Bewegungen ausführen, und mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit werden sich die Bewegungsamplitude und auch Ihr Schmerz umgehend verändern. Im Optimalfall sollten der Bewegungsradius größer und der Schmerz kleiner werden. In vielen Fällen signalisiert man seiner extrem verspannten Muskulatur durch die Katze-Kuh-Übung, dass alles nicht so schlimm ist, und vermeidet dadurch die sogenannte „Katastrophisierung“, welche gerne in einem Schmerz-Teufelskreis endet.
Fazit
Die Antwort auf die Frage, ob man sich bei Rückenschmerzen weitertrainieren sollte, lautet also: Ja! Außer Ihr Arzt oder Therapeut hat einen triftigen Grund dagegen, aber das wollen wir mal nicht hoffen.