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Neue Studie

Teilchen von Hüftersatz im Gehirn von Verstorbenen gefunden

Künstliche Hüften und Knie können winzige Partikel freisetzen. US-Forscher untersuchen nun, ob diese bis ins Gehirn gelangen können
Künstliche Hüften und Knie können winzige Partikel freisetzen. US-Forscher untersuchen nun, ob diese bis ins Gehirn gelangen können Foto: Getty Images/Science Photo Libra

16. September 2026, 20:04 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Künstliche Hüften, Knie und Schultern gehören für Millionen Menschen zum medizinischen Alltag. Sie können Schmerzen lindern und Beweglichkeit zurückgeben. Doch eine neue Untersuchung von US-Forschern wirft eine bislang wenig beachtete Frage auf: Können winzige Partikel aus Gelenkprothesen bis ins Gehirn gelangen – und welche Folgen könnte das haben?

Metallspuren in Hunderten Gehirnen nachgewiesen

Forscher des Rush University Medical Center in Chicago untersuchten für die Studie Gehirngewebe von 701 verstorbenen Menschen. Bei 229 der Verstorbenen war zu Lebzeiten mindestens ein künstliches Gelenk eingesetzt worden. Im Mittelpunkt standen unter anderem Kobalt und Titan, da beide Metalle häufig in Implantaten zum Einsatz kommen.1

Dabei zeigten sich bei Menschen mit Hüftprothesen im Durchschnitt deutlich höhere Konzentrationen von Kobalt und Titan im Gehirngewebe. Mithilfe spezieller Elektronenmikroskope konnten die Wissenschaftler zudem einzelne Metallpartikel sichtbar machen. Ihre Zusammensetzung stimmte mit den Materialien der jeweiligen Implantate überein. Studienautor Robin Pourzal erklärte: „Wenn die gleiche Metall-Kombination im Gehirn auftaucht wie in der Prothese, wissen wir, dass sie nicht aus einer anderen Quelle stammen kann“. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Acta Biomaterialia“ veröffentlicht.

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Zusammenhang mit Alzheimer-Veränderungen?

Besonders relevant ist die Frage, ob die Metallablagerungen mit Veränderungen im Gehirn zusammenhängen. Die Untersuchung ergab, dass höhere Kobalt-Konzentrationen mit stärkeren Alzheimer-typischen Eiweißablagerungen in bestimmten Hirnregionen verbunden waren. Bei höheren Titanwerten zeigten sich dagegen schlechtere Ergebnisse bei Gedächtnis- und Denktests.

Allerdings lässt sich Titan nicht eindeutig den Gelenkimplantaten zuordnen. Das Metall kann auch aus anderen Quellen stammen, beispielsweise aus Lebensmitteln oder Medikamenten.

Entscheidend ist deshalb: Die Studie belegt keinen direkten Zusammenhang zwischen künstlichen Gelenken und Demenz. Bei Menschen mit Gelenkprothesen traten die für Alzheimer typischen Veränderungen im Gehirn nicht häufiger auf als bei den übrigen untersuchten Personen.

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Wie gelangen die Partikel ins Gehirn?

Auch der Weg der winzigen Metallteilchen ist bislang nicht geklärt. Eine mögliche Erklärung sehen die Forscher in Veränderungen der Blut-Hirn-Schranke. Alterungsprozesse oder chronische Entzündungen könnten diese natürliche Schutzbarriere durchlässiger machen. Zudem ziehen die Wissenschaftler einen Transport der Partikel durch Immunzellen in Betracht.

Damit bleibt eine zentrale Frage der Untersuchung offen: Ob die im Gehirn gefundenen Metallpartikel dort tatsächlich gesundheitliche Schäden verursachen, lässt sich anhand der bisherigen Ergebnisse nicht beantworten.

Forscher sehen keinen Grund zur Panik

Trotz des Nachweises von Metallpartikeln im Gehirn betonen die Wissenschaftler, dass Patienten nicht in Panik geraten sollten. Künstliche Gelenke gehören weiterhin zu den erfolgreichen medizinischen Eingriffen und können die Mobilität und soziale Aktivität deutlich verbessern. Beide Faktoren werden wiederum mit einem geringeren Demenz-Risiko in Verbindung gebracht.

Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob die Partikel langfristig Auswirkungen auf die Gesundheit des Gehirns haben. Bisher steht lediglich fest, dass Bestandteile von Gelenkprothesen das Gehirn erreichen können. Ob daraus tatsächlich Schäden entstehen, ist weiterhin offen.

Quellen

  1. Robin, Pourzal., Puja, Agarwal., Sue, E. et al. (2026). Cobalt and titanium levels in the brain are associated with Alzheimer’s disease pathology but not cognition: A study of older adults with and without total joint replacement. Acta Biomaterialia ↩︎

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