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Wie schnelles Gehen das Gehirn jung halten könnte

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Wer im hohen Alter noch schnell geht, hat laut einer Studie ein geringeres Risiko, eine Demenz zu entwickeln Foto: Getty Images/TravelCouples
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Isa Kabakci
Redakteur

14. Juli 2026, 16:34 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Wer auch mit über 80 Jahren noch ungewöhnlich schnell zu Fuß unterwegs ist, könnte sich in einem wichtigen Punkt von Gleichaltrigen unterscheiden. Eine neue Studie hat untersucht, ob hinter dieser außergewöhnlichen Mobilität mehr steckt als nur körperliche Fitness. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise darauf, welche Faktoren mit einer gesunden Alterung des Gehirns zusammenhängen könnten. FITBOOK hat zudem bei Studienautor Dr. Joe Verghese nachgefragt, was für ihn die überraschendste Erkenntnis der Analyse war.

Schneller gehen und fitter im Kopf sein

Die Forscher des Albert Einstein College of Medicine, Bronx, NY, fanden heraus, dass sogenannte „Super Movers“ ein rund 50 Prozent geringeres Risiko hatten, eine kognitive Beeinträchtigung zu entwickeln. Auch die Häufigkeit von diagnostizierten Alzheimer-Erkrankungen oder anderen Demenzformen war deutlich geringer.

Darüber hinaus bauten Gedächtnis und andere geistige Fähigkeiten bei ihnen langsamer ab. Bildgebende Untersuchungen zeigten außerdem, dass bestimmte Bereiche des Hippocampus besser erhalten waren. Das ist eine Hirnregion, die für Lernen und Gedächtnis wichtig ist.

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So wurde die Studie durchgeführt

Für die Studie werteten die Wissenschaftler Daten aus mehreren bereits bestehenden Studien mit Erwachsenen ab 80 Jahren aus, die zu Beginn weder an Alzheimer noch an einer Demenz litten.1

Als „Super Movers“ galten Personen, deren Gehgeschwindigkeit deutlich über dem Durchschnitt ihrer Alters- und Geschlechtsgruppe lag – ungefähr auf dem Niveau von Menschen, die rund 30 Jahre jünger sind. Die größte Analyse umfasste 3989 Teilnehmer, darunter 358 „Super Movers“. Über einen Zeitraum von etwa drei bis fünfeinhalb Jahren untersuchten die Forscher, wie häufig eine kognitive Beeinträchtigung oder Demenz auftrat.

Ergänzend analysierten die Wissenschaftler Daten aus einer weiteren Studie mit 197 Teilnehmern. Dabei untersuchten die Forschenden, wie sich das Gedächtnis und andere geistige Fähigkeiten im Laufe der Zeit entwickelten. Außerdem analysierten sie, ob sich Unterschiede in der Gehirnstruktur zeigten. Zusätzlich werteten sie Daten einer dritten Kohorte mit 692 Personen aus. Bei diesen Teilnehmenden wurde nach dem Tod das Gehirngewebe auf typische Veränderungen untersucht, die mit Alzheimer und anderen Demenzformen in Verbindung stehen.

Überraschende geistige Leistungsfähigkeit bei „Super Movers“

Im Vergleich zu gleichaltrigen Menschen mit normaler Gehgeschwindigkeit entwickelten „Super Movers“ während der Nachbeobachtungszeit rund halb so häufig eine kognitive Beeinträchtigung. Auch das Risiko für eine selbst berichtete Alzheimer-Erkrankung oder andere Demenzformen war deutlich geringer. Zudem ließ ihre geistige Leistungsfähigkeit langsamer nach. Das betraf sowohl das Gedächtnis als auch andere kognitive Fähigkeiten.

Bei Untersuchungen des Gehirngewebes nach dem Tod zeigte sich allerdings kein Unterschied bei den für Alzheimer und andere Demenzformen typischen krankhaften Veränderungen. Trotzdem waren „Super Movers“ bis ins hohe Alter geistig leistungsfähiger und erreichten im Durchschnitt ein höheres Lebensalter als die Vergleichsgruppe.

Besonders überraschend war für die Forscher, dass sich die bessere geistige Leistungsfähigkeit trotz vergleichbarer krankhafter Veränderungen im Gehirn zeigte. „Einer der faszinierendsten Befunde war, dass die ‚Super-Mover‘ eine bessere kognitive Funktion hatten als ihre gleichaltrigen Personen ab 80 Jahren, obwohl sie ein ähnliches Ausmaß an demenzbedingter Hirnpathologie aufwiesen. Das deutet darauf hin, dass sie über Resilienzmechanismen verfügen könnten, die helfen, die kognitive Funktion trotz altersbedingter Veränderungen im Gehirn zu erhalten. Das Verständnis dieser Schutzfaktoren könnte neue Wege eröffnen, um gesundes Altern des Gehirns zu fördern“, sagt Studienautor Dr. Joe Verghese gegenüber FITBOOK.

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Was das konkret bedeutet

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine (vergleichsweise) außergewöhnlich hohe Gehgeschwindigkeit im hohen Alter ein Hinweis auf ein besonders gesundes Altern des Gehirns sein könnte. Nach Ansicht der Autoren spiegelt schnelles Gehen das Zusammenspiel mehrerer Körpersysteme wider – darunter Gehirn, Herz-Kreislauf-System, Muskulatur und Nervensystem.

Einordnung der Studie

Zu den Stärken der Studie zählt, dass die Forscher mehrere unabhängige Studien mit hochbetagten Teilnehmern auswerteten und dabei sowohl die geistige Leistungsfähigkeit als auch Veränderungen im Gehirn untersuchten.

Allerdings handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann daher nicht zeigen, dass eine hohe Gehgeschwindigkeit die Ursache für die bessere Gehirngesundheit ist. Möglich ist auch, dass ein gesünderes Gehirn zu schnellerem Gehen beiträgt oder beide Merkmale auf dieselben biologischen Faktoren zurückgehen. Zudem waren einige Teilgruppen, etwa für die MRT- und Gewebeuntersuchungen, relativ klein, sodass einzelne Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten.

Unabhängig davon sehen die Wissenschaftler eine klare Botschaft für ältere Menschen. „Die wichtigste Botschaft ist, körperlich, geistig und sozial aktiv zu bleiben. Regelmäßiges Gehen, Kraft- und Gleichgewichtsübungen, guter Schlaf, die Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes sowie soziale Teilhabe können alle gesundes Altern unterstützen“, so Studienautor Dr. Verghese.

Quellen

  1. Jayakody O, Verghese J. et al. (2026). Cognitive aging and brain health: A comparison of super movers vs nonsuper movers. Neurology. ↩︎

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