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Laut Studie

Regelmäßiger Teekonsum kann Gefäßgesundheit unterstützen – wenn man etwas Wichtiges beachtet

Für die gesundheitliche Wirkung von Tee ist die Trinktemperatur entscheidend
Abwarten vor dem Teetrinken – so könnte man eine der Erkenntnisse einer neuen Studie übersetzen Foto: Getty Images

22. Oktober 2026, 16:51 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

FITBOOK berichtete schon häufiger über wissenschaftliche Untersuchungen, die nahelegen, dass der regelmäßige Konsum von Tee unter anderem die Herz- und Gefäßgesundheit unterstützen kann. Doch offenbar kommt es dabei auch auf das Wie an. Eine neue chinesische Studie untersuchte den möglichen Einfluss unter anderem der gewählten Teesorte, der Teestärke, der zu sich genommenen Menge und der Trinktemperatur. Dabei stellten die Forscher interessante Unterschiede fest.

Tee und übrigens auch Kaffee gelten als gesunde Heißgetränke. Beide liefern verschiedene bioaktive Pflanzenstoffe, darunter wertvolle Antioxidantien – etwa Polyphenole –, die Entzündungsprozesse mildern und die Blutgefäße schützen sollen. Doch „Heiß“-Getränk sollte man nicht zu wörtlich nehmen. Eine große britische Studie kam erst kürzlich zu dem Ergebnis, dass Menschen, die ihre Getränke bevorzugt sehr heiß (bei min. 60 Grad Celsius) tranken, ein deutlich höheres Risiko für eine bestimmte Form von Speiseröhrenkrebs hatten.1

In der vorliegenden chinesischen Untersuchung stand ebenfalls die Trinktemperatur im Fokus, neben weiteren Themen.2 Doch hier ging es den Autoren um den Zusammenhang zwischen verschiedenen Teetrinkgewohnheiten und Gefäßerkrankungen, auch unter Einfluss weiterer Lebensstilfaktoren. Sie wollten etwa herausfinden, ob sich ein etwaiger Zusammenhang je nach Rauchverhalten und körperlicher Aktivität unterscheidet.

Details zur Untersuchung

Die Forscher nutzten für ihre Analyse Daten von 485.934 Teilnehmern der China Kadoorie Biobank (CKB), einer großen chinesischen Gesundheitsstudie.3 Die Teilnehmer wurden im Schnitt 9,05 Jahre lang beobachtet.

Zur Auswertung verwendeten die Autoren statistische Modelle (multivariable Cox-Modelle), die unter Berücksichtigung mehrerer Einflussfaktoren die Wahrscheinlichkeit schätzen, im Beobachtungszeitraum zu erkranken. Die Ergebnisse sind als Hazard Ratios (HR) mit 95-Prozent-Konfidenzintervallen angegeben. Eine HR unter 1 steht für einen senkenden, ein Wert über 1 für einen erhöhenden Effekt auf das relative Erkrankungsrisiko im untersuchten Vergleich.

Die Autoren untersuchten einerseits das Gesamtrisiko für Gefäßerkrankungen und zusätzlich zwölf Untergruppen dieser Erkrankungen. Außerdem führten sie Dosis-Wirkungs-Analysen durch. Sie ermittelten also, ob ein Zusammenhang mit der Trinkmenge linear verlief. Weiterhin prüfte das Team gemeinsame Zusammenhänge von Teekonsum, Rauchen und dem Maß an körperlicher Aktivität.

Wichtig: Aus den vorliegenden Informationen zur Studie geht nicht konkret hervor, wie die Forscher den Teekonsum der Teilnehmer erfasst haben. Gleiches gilt für das Rauchverhalten und die Frage nach der körperlichen Aktivität. Denkbar sind an dieser Stelle Selbstauskünfte.

Ergebnisse: Häufiger Teekonsum senkt Krankheitsrisiko

Bei 14.863 Teilnehmern traten während der mittleren Nachbeobachtungszeit neue Fälle von Gefäßerkrankungen auf. Dabei zeigten die Daten: Menschen, die regelmäßig Tee tranken, hatten ein geringeres Risiko als Probanden, die dies nicht taten. Insgesamt lag die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei ihnen statistisch um 11,2 Prozent niedriger (Hazard Ratio von 0,888). Ähnliche Zusammenhänge fanden die Forscher bei mehreren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn.

Doch Tee ist nicht gleich Tee – die gewählte Teesorte spielte eine wesentliche Rolle. Bei schwarzem Tee fanden die Autoren häufiger einen Zusammenhang mit einem geringeren Erkrankungsrisiko als bei grünem. Und auch Tee mittlerer Stärke stach positiv hervor. Man muss allerdings anmerken, dass aus der Dokumentation nicht hervorgeht, wie die Autoren die Teestärke definiert haben.

Zu hohe Trinktemperatur von Tee kehrte Zusammenhang um

Interessant: Tee verlor seine günstige Wirkung, wenn er zu heiß getrunken wurde. In diesem Fall stieg das Risiko für Gefäßerkrankungen sogar an und lag statistisch um 16,0 Prozent höher als bei der Vergleichsgruppe.

Das geringste geschätzte Risiko für Gefäßerkrankungen zeigte sich bei Personen, die mindestens einmal pro Woche Tee tranken, und hier bei einem Konsum von etwa sechs bis acht Tassen pro Tag. Das klingt nach ziemlich viel. Die Autoren mahnen, dies nicht so zu deuten, dass ein höherer Teekonsum automatisch mit einem weiter sinkenden Risiko verbunden war. Zumal es sich um eine Beobachtungsstudie handelte. Aus der Beobachtung lässt sich nicht ableiten, dass sechs bis acht Tassen Tee die optimale Trinkmenge darstellen bzw. dass diese das Erkrankungsrisiko definitiv senken kann.

Interessantes kam auch bei der Betrachtung weiterer Lebensgewohnheiten heraus. Teilnehmer, die regelmäßig Tee tranken, nicht rauchten und körperlich sehr aktiv waren, hatten ein deutlich geringeres Risiko für Gefäßerkrankungen. Es lag um beachtliche 45,2 Prozent niedriger als bei Nicht-Teetrinkern. Außerdem stellten die Forscher fest, dass Teetrinken und regelmäßige Bewegung gemeinsam mit einem geringeren Erkrankungsrisiko verbunden waren.

Man hätte anhand der einzelnen Effekte vielleicht einen ausgeprägteren gemeinsamen Zusammenhang erwarten können. Aber: Die beiden Zusammenhänge verstärkten einander nicht einfach gegenseitig. Die Autoren beobachteten somit einen Wechselwirkungseffekt.

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Mögliche Bedeutung der Ergebnisse

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Teetrinken allein für gesundheitliche Effekte nicht ausreicht. Auch die Sorte und Stärke sind entscheidend. Und vor allem: die Trinktemperatur.

Besonders bemerkenswert finden die Autoren, dass Tee mittlerer Stärke mit einem geringeren Risiko verbunden war, während sich bei extrem heißem Tee ein gegenteiliger Zusammenhang zeigte. Es scheint daher sinnvoll zu sein, Tee nach dem Aufgießen etwas abkühlen zu lassen, bevor man ihn trinkt.

Auch hervorzuheben ist, dass schwarzer Tee in der Untersuchung häufiger mit einem geringeren Erkrankungsrisiko verbunden war als grüner Tee. Letzterer genießt immerhin einen besonders guten Ruf. Und tatsächlich sollte man aus den Ergebnissen nicht schließen, dass schwarzer Tee grundsätzlich der gesündere ist. Generell liefert die Untersuchung keinen Beweis dafür, dass Tee allgemein oder eine bestimmte Sorte vor Gefäßerkrankungen schützen kann.

Auch interessant: Der große Tee-Guide – welche Sorte bei welchen Beschwerden hilft

Einschränkungen

Wie bereits betont, zeigen die beschriebenen Ergebnisse Zusammenhänge, sie liefern aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Und trotz der statistischen Berücksichtigung mehrerer möglicher Einflussfaktoren können noch weitere Unterschiede zwischen den Teilnehmern eine Rolle für die Ergebnisse gespielt haben. Die Angaben im verfügbaren Studientext beschreiben zudem nicht im Detail, wie der Teekonsum erhoben wurde, wie häufig die Trinkgewohnheiten im Beobachtungszeitraum überprüft wurden oder welche einzelnen Einflussfaktoren in den statistischen Modellen berücksichtigt waren.

Der Zusammenhang mit extrem heißem Tee belegt nicht, welcher konkrete Mechanismus dafür verantwortlich ist. Es fehlen auch Informationen dazu, wann die Trinktemperatur zu hoch war. Die Autoren formulieren es so: „Brennend heiß“ getrunkener Tee war mit einem höheren Risiko für Gefäßerkrankungen verbunden. Doch das ist sicherlich eine subjektive Frage.

Die Beobachtungen zum Lebensstil waren zwar interessant – also dass das Ergebnis bei Teilnehmern, die regelmäßig Tee tranken, nicht rauchten und sich viel bewegten, besonders günstig ausfiel. Allerdings ist es eine weitere Einschränkung der Studie, dass sich anhand der vorliegenden Angaben nicht genau sagen lässt, welchen Anteil die einzelnen Faktoren an diesem Ergebnis hatten.

Es bleiben verschiedene Fragen offen. Nicht zuletzt, ob sich die beobachteten Zusammenhänge auf andere Bevölkerungsgruppen (mit anderen Ernährungs- und Trinkgewohnheiten) übertragen lassen.

Quellen

  1. Papier, Keren., Gaitskell, Kezia. et al. (2026). Hot Drinks and Oesophageal Cancer: Prospective Analyses in Around 1 Million UK Adults. International Journal of Cancer. ↩︎
  2. Ye, Zichen., Wang, Yawen. et al. (2026). Habitual Tea Consumption Is Associated With Lower Cardiovascular Disease Risk. Journal of Internal Medicine. ↩︎
  3. University of Oxford: China Kadoorie Biobank (aufgerufen am 22.10.2026) ↩︎

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