9. Oktober 2026, 20:31 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ob zum Frühstück, im Büro oder am Nachmittag: Kaffee und Tee sind für viele Menschen tägliche Begleiter. Dabei liefern beide weit mehr als Koffein. Beide Getränke enthalten zahlreiche bioaktive Pflanzenstoffe und werden seit Jahren intensiv erforscht. Große Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass sowohl regelmäßiger Kaffee- als auch Teekonsum mit einer besseren Herzgesundheit, einem geringeren Risiko für bestimmte chronische Erkrankungen und möglicherweise auch mit Vorteilen für die Gehirngesundheit verbunden sein könnte.
Kaffee und Tee gelten beide als gesundheitsfördernd
Kaffee zählt zu den wichtigsten Quellen für Antioxidantien in der westlichen Ernährung. Insbesondere Polyphenole wie Chlorogensäuren könnten dazu beitragen, Entzündungsprozesse zu beeinflussen und Blutgefäße zu schützen. Eine umfangreiche Übersichtsarbeit im Fachjournal BMJ kam bereits 2017 zu dem Ergebnis, dass moderater Kaffeekonsum mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen verbunden sein kann.1
Auch Tee liefert gesundheitsrelevante Inhaltsstoffe. Vor allem schwarzer und grüner Tee enthalten größere Mengen an Flavonoiden, denen antioxidative und gefäßschützende Eigenschaften zugeschrieben werden. Wissenschaftler vermuten, dass diese Pflanzenstoffe eine wichtige Rolle für die positiven Effekte von Tee auf Herz und Kreislauf spielen könnten.
Beim Herzschutz spricht einiges für Tee
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weiterhin zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Laut einer großen Analyse aus dem Jahr 2024 mit Daten von fast zwei Millionen Menschen hatten Personen mit dem höchsten Konsum von schwarzem Tee ein um 14 Prozent geringeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Die größten Vorteile wurden bei etwa eineinhalb bis drei Tassen täglich beobachtet.2
Als mögliche Erklärung gelten die im Tee enthaltenen Flavonoide. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 kam zu dem Schluss, dass diese Stoffe die Funktion der Blutgefäße unterstützen und damit zum Herzschutz beitragen könnten. „Studien haben eine geringfügige Senkung des Blutdrucks durch regelmäßigen Schwarzteekonsum festgestellt“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Nichola Ludlam-Raine gegenüber der britischen „Daily Mail“.3
Doch auch Kaffee schneidet in Untersuchungen zur Herzgesundheit grundsätzlich positiv ab. „Kaffee enthält Polyphenole, insbesondere sogenannte Chlorogensäuren, die nachweislich dazu beitragen, die Auskleidung der Blutgefäße vor Schäden zu schützen“, sagt Ro Huntriss, Diätassistentin und Chief Nutrition Officer einer Abnehmplattform. Dadurch könne die Durchblutung verbessert und die Entstehung von Ablagerungen in den Arterien begünstigt beziehungsweise verlangsamt werden.
Beim Abnehmen hat Kaffee Vorteile
Geht es um die Figur, scheint Kaffee die besseren Karten zu haben. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Koffein den Energieverbrauch kurzfristig erhöhen und das Hungergefühl zeitweise verringern könnte und er deshalb beim Abnehmen hilft. Zudem enthält schwarzer Kaffee praktisch keine Kalorien. Eine finnische Beobachtungsstudie zeigte außerdem, dass Menschen mit höherem Kaffeekonsum tendenziell weniger Körperfett und Bauchfett sowie zugleich mehr Muskelmasse aufwiesen. Entscheidend ist allerdings die Zubereitung.4
„Das Problem entsteht, wenn Sirup, Zucker, Sahne oder große Mengen Milch hinzukommen“, sagt Ernährungs-Expertin Ludlam-Raine. Dann könnte aus einem ursprünglich nahezu kalorienfreien Getränk schnell eine sehr energiereiche Mahlzeit werden. Für schwarzen Tee sind die Hinweise auf einen direkten Einfluss auf das Körpergewicht deutlich schwächer.
Ist Milch im Kaffee gut oder schlecht für die Gesundheit?
Grüner Tee und Kaffee – Kombi soll Lebenserwartung bei Diabetes Typ 2 erhöhen
Möglicher Schutz vor Demenz bei beiden Getränken
Beim Thema Gehirngesundheit liegen Kaffee und Tee nahezu gleichauf. Darauf deutet eine Studie hin. Das geringste Risiko für eine Demenzerkrankung wurde bei Menschen beobachtet, die täglich zwei bis drei Tassen Kaffee oder ein bis zwei Tassen Tee konsumierten.5
Wie genau die möglichen Effekte zustande kommen, ist bislang nicht geklärt. „Tee enthält zahlreiche Polyphenole, darunter Flavonoide mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften, die möglicherweise die Gesundheit von Gehirn und Blutgefäßen unterstützen“, sagt Ludlam-Raine.
Fest steht allerdings, dass einzelne Getränke allein keine Demenz verhindern können. Als besonders wichtig für die Gehirngesundheit gelten regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf das Rauchen sowie geistige und soziale Aktivität.
Auch interessant: Wie sich die Kombination von Kaffee und Tee in Maßen auf das Sterberisiko auswirkt
Fazit
Ein klarer Sieger lässt sich nicht küren. Für die Herzgesundheit spricht die Studienlage etwas stärker für Tee, während Kaffee beim Gewichtsmanagement Vorteile haben könnte. Beim möglichen Schutz vor Demenz schneiden beide Getränke ähnlich gut ab. Wer Kaffee oder Tee gerne trinkt, kann sie daher durchaus als Teil eines gesunden Lebensstils betrachten – vorausgesetzt, Zucker und kalorienreiche Zusätze bleiben die Ausnahme.