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Mehr Licht, geringeres Demenzrisiko? Studie liefert Hinweise

alte frau sonne
Eine neue Studie liefert Hinweise darauf, dass Sonnenlicht das Demenzrisiko positiv beeinflussen könnte Foto: Getty Images/Justin Paget
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Isa Kabakci
Redakteur

26. Juni 2026, 13:17 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Mehr Tageslicht könnte nicht nur Schlaf und Wohlbefinden fördern, sondern auch mit einem geringeren Demenzrisiko zusammenhängen. Eine große Studie liefert dazu interessante Hinweise.

Höhere Tageslichtexposition in Studie mit bis zu 18 Prozent geringerem Demenzrisiko verbunden

Störungen dieses Tag-Nacht-Rhythmus werden häufig bei Menschen mit Demenz beobachtet und gelten auch bei gesunden Menschen als möglicher Risikofaktor. Forscher der Guangzhou Medical University in China wollten deshalb herausfinden, ob die tägliche Lichtexposition – also wie viel helles Tageslicht und wie viel Licht in der Nacht ein Mensch abbekommt – das Risiko beeinflusst, später an Demenz zu erkranken. Sie fanden heraus: Eine höhere Tageslichtexposition (über 1000 Lux im Durchschnitt oder gezielte Zeiträume in hellem Licht) war signifikant mit einem um 16 bis 18 Prozent geringeren Demenzrisiko verbunden.1

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So gingen die Forscher vor

Die Forscher werteten Daten von 87.577 demenzfreien Erwachsenen aus der britischen UK Biobank aus. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 62 Jahre alt und trugen eine Woche lang im Alltag ein Armband mit integriertem Aktivitäts- und Lichtsensor, das rund um die Uhr die Helligkeit der Umgebung aufzeichnete. Dabei erfassten die Wissenschaftler sowohl die Lichtbelastung am Tag als auch in der Nacht sowie die tägliche Dauer besonders heller Lichteinstrahlung. Der Nachbeobachtungszeitraum betrug rund acht Jahre.

Neue Demenzdiagnosen wurden anhand von Daten aus Hausarztpraxen, Krankenhäusern und Sterberegistern erfasst. Bei der Auswertung berücksichtigten die Forscher zahlreiche weitere Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Bewegung, Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum, soziale Isolation sowie bekannte Demenz-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Adipositas. Mithilfe moderner statistischer Verfahren prüften sie, ob die Lichtexposition unabhängig von diesen Faktoren mit dem späteren Auftreten einer Demenz zusammenhing.

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Die wichtigsten Studienergebnisse im Detail

Während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit erkrankten 741 der 87.577 Teilnehmer an einer Demenz. Menschen, die tagsüber mehr hellem Licht ausgesetzt waren, hatten ein geringeres Demenzrisiko. Bereits eine durchschnittliche Tageslichtexposition (13 Stunden) von mehr als 1000 Lux war mit einem um 16 Prozent niedrigeren Risiko verbunden. Das entspricht einer Helligkeit, die man entweder direkt am Fenster oder im Freien an einem trüben Tag erreicht.

Bei 7000 Lux reichten schon 27 Minuten täglich aus

Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Menschen, die sich regelmäßig im Freien oder in sehr heller Umgebung aufhielten. Schon etwa 85 Minuten täglich bei mindestens 3000 Lux, 42 Minuten bei mindestens 5000 Lux oder nur 27 Minuten bei 7000 Lux (entspricht dem Licht an einem hellen Sonnentag) gingen mit einem um 17 bis 18 Prozent geringeren Demenzrisiko einher.

Für die Lichtbelastung in der Nacht fanden die Forscher dagegen keinen Zusammenhang mit dem späteren Demenzrisiko.

Bei wem der schützende Tageslichteffekt besonders ausgeprägt war

Der schützende Effekt des Tageslichts war besonders ausgeprägt bei Personen mit einem erhöhten Demenzrisiko, etwa Trägern der genetischen Risikovariante „APOE ε4“ oder Menschen mit einem ausgeprägten Abendtyp. In diesen Gruppen war das Demenzrisiko je nach Analyse um bis zu 41 Prozent niedriger.

Zusätzliche Analysen zeigten außerdem, dass eine kurze tägliche Aufenthaltsdauer in hellem Tageslicht ein stärkerer Hinweis auf ein späteres Demenzrisiko war als mehrere bekannte Risikofaktoren. Weitere Auswertungen deuten darauf hin, dass der Zusammenhang teilweise über die Stabilisierung der inneren Uhr und Veränderungen bestimmter Hirnregionen erklärt werden könnte.

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Was die Ergebnisse konkret bedeuten

Die Autoren vermuten, dass der beobachtete Zusammenhang vor allem durch eine Stabilisierung der inneren Uhr und Veränderungen bestimmter Hirnstrukturen erklärt werden könnte. Diese möglichen biologischen Mechanismen wurden jedoch nur explorativ untersucht und müssen in weiteren Studien bestätigt werden.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich aus den Ergebnissen kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Es ist daher weiterhin unklar, ob eine gezielte Erhöhung der Tageslichtexposition das Demenzrisiko tatsächlich senken kann. Dies muss erst in randomisierten Interventionsstudien untersucht werden. Sollte sich der Zusammenhang bestätigen, könnten gezielte Lichtinterventionen künftig eine einfache und gut umsetzbare Maßnahme zur Demenzprävention darstellen.

Einordnung und mögliche Einschränkungen der Studie

Die Studie profitiert von der großen Teilnehmerzahl, der objektiven Messung der Lichtexposition im Alltag und der langen Nachbeobachtungszeit. Zudem wurden zahlreiche mögliche Einflussfaktoren statistisch berücksichtigt.

Einschränkend ist jedoch, dass die Teilnehmer der UK Biobank im Durchschnitt gesünder und sozial besser gestellt sind als die Allgemeinbevölkerung. Daher lassen sich die Ergebnisse – insbesondere die ermittelten Schwellenwerte für die tägliche Lichtexposition – nicht uneingeschränkt auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen.

Außerdem wurde die Lichtbelastung am Handgelenk und nicht direkt am Auge gemessen. Die verwendeten Sensoren konnten zudem weder die Lichtfarbe noch den Anteil von blauem LED-Licht erfassen. Schließlich handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, sodass sich aus den Ergebnissen keine Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten lässt.

Quellen

  1. Zheng N, Wang W, Li B, Mei X, Liu Y, Du J, et al. (2026). Associations between wearable-device-measured daytime and nighttime light exposures and dementia risk: A prospective cohort study. General Psychiatry. 2026;39:e70039. ↩︎

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