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Studie zeigt

Dieser nächtliche Faktor erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Was macht Licht bei Nacht mit dem Herzen? Beobachtungsstudie deckt neue Zusammenhänge zur Herzgesundheit auf.
Was macht Licht bei Nacht mit dem Herzen? Beobachtungsstudie deckt neue Zusammenhänge zur Herzgesundheit auf. Foto: Getty Images
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3. November 2025, 20:02 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Licht in der Nacht gehört für viele Menschen zum Alltag – sei es durch Straßenbeleuchtung, Innenraumquellen oder Bildschirme. Dies kann nicht nur beim Einschlafen stören, sondern auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Eine aktuelle Beobachtungsstudie hat den Zusammenhang zwischen nächtlicher Lichtexposition und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht – und kommt zu Ergebnissen, die für die Prävention eine bislang wenig beachtete Rolle ins Spiel bringen könnten.

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Was Licht mit Herz und Kreislauf zu tun hat

Der Körper folgt einem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus – dem sogenannten zirkadianen Rhythmus. Dieser steuert viele Körperfunktionen: Schlaf, Blutdruck, Hormonproduktion, Stoffwechsel und Herzfrequenz.

Nachts regt Dunkelheit die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin an. Es wirkt beruhigend, entzündungshemmend und regulierend. Wird dieser Prozess durch Licht unterbrochen, kann bereits geringe Helligkeit die innere Uhr aus dem Takt bringen – mit möglichen Auswirkungen auf den gesamten Organismus: etwa veränderte Stresshormonspiegel, Blutdruckschwankungen und entzündliche Reaktionen.

Ob solche biologischen Veränderungen langfristig Auswirkungen auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, war bislang nicht ausreichend erforscht. Eine umfangreiche Studie hat diesen Zusammenhang nun untersucht – und dabei differenziert die Stärke der Lichtbelastung und ihren Effekt betrachtet. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die nachts mehr Licht ausgesetzt waren, im Laufe der Zeit häufiger an Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche erkrankten.

Studie mit fast 89.000 Teilnehmern

Die Ergebnisse stammen aus der UK Biobank, einer der größten Langzeit-Gesundheitsstudien Europas. Für diese Untersuchung wurden 88.905 Erwachsene im Alter von über 40 Jahren ausgewählt.1 Alle Teilnehmer trugen eine Woche lang einen Sensor am Handgelenk, der im Alltag kontinuierlich die Lichtstärke in Lux erfasste – sowohl tagsüber als auch nachts.

Insgesamt wurden so über 13 Millionen Stunden Lichtdaten aufgezeichnet. Aus diesen Werten berechneten die Forscher individuelle Tages- und Nachtprofile: Die Zeit zwischen 0:30 Uhr und 6:00 Uhr wurde dabei als Nacht definiert, der Zeitraum von 7:30 Uhr bis 20:30 Uhr als Tag. Die Daten wurden in 48 Halbstunden-Intervalle unterteilt, geglättet und auf Datenqualität geprüft.

Auf Basis der durchschnittlichen Lichtwerte in der Nacht wurden alle Teilnehmer in vier Gruppen eingeteilt – sogenannte Perzentilgruppen. Dabei wurde geschaut, wie hell es nachts bei jeder Person war, und dann wurden alle Messwerte der Reihe nach sortiert – vom dunkelsten bis zum hellsten.

Die Teilnehmer mit den dunkelsten Nächten (also der Hälfte mit den niedrigsten Werten) bildeten die Vergleichsgruppe – das sogenannte 0. bis 50. Perzentil. Wer zur 91. bis 100. Perzentilgruppe gehörte, hatte hellere Nächte als 90 Prozent aller anderen Teilnehmenden – also besonders hohe Lichtwerte im Schlaf.

Durch diese Einteilung konnten die Forschenden vergleichen, wie sich das Erkrankungsrisiko zwischen Menschen mit unterschiedlich heller Schlafumgebung unterscheidet.

Auch interessant: Warum wir oft zwischen 2 und 4 Uhr aufwachen – und was man dann tun kann

Was bedeutet Lux?

Die Einheit Lux beschreibt, wie viel Licht auf eine bestimmte Fläche trifft – also wie stark ein Ort beleuchtet ist. Für den Körper ist vor allem relevant, wie viel Licht die Augen im Schlaf aufnehmen, selbst durch geschlossene Lider. In der Schlafforschung wird Lux deshalb oft genutzt, um die nächtliche Lichtbelastung objektiv zu messen.2 Einige Vergleichswerte:

  • 0,3 Lux – klarer Vollmond
  • 5 bis 10 Lux – Straßenlaterne durchs Fenster
  • 100 Lux – Wohnzimmerlicht
  • 150 bis 300 Lux – Smartphone in kurzer Distanz
  • über 10.000 Lux – Tageslicht draußen
  • über 100.000 Lux – direktes Sonnenlicht

In der Studie lag die durchschnittliche Lichtintensität der dunkelsten Nächte unter 1 Lux. Die hellste Gruppe lag im Schnitt bei über 100 Lux, was etwa einem dauerhaft beleuchteten Innenraum entspricht. Einzelne Messwerte lagen sogar bei über 6000 Lux – vergleichbar mit Tageslichtbedingungen, etwa durch geöffnete Fenster bei Sonnenaufgang oder durch helle Raumbeleuchtung.

Welche Erkrankungen wurden erfasst?

Nach der einwöchigen Lichtmessung wurden die Teilnehmer über 9,5 Jahre nachbeobachtet. Dabei wurde geprüft, ob im weiteren Verlauf eine der folgenden fünf kardiovaskulären Erkrankungen neu auftrat:

  • Herzinfarkt
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Schlaganfall
  • Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörung)
  • Koronare Herzkrankheit (z. B. verengte Herzkranzgefäße)

Diese Diagnosen wurden nicht selbst angegeben, sondern über medizinische Registerdaten, Krankenhausaufenthalte, Todesursachenstatistiken und nationale Gesundheitsdatenbanken ermittelt.

Wie wurde das Risiko berechnet?

Die Forscher nutzten sogenannte Cox-Regressionen – ein statistisches Verfahren, mit dem sich das Risiko für eine Erkrankung in Abhängigkeit von bestimmten Einflussfaktoren berechnen lässt.

Hierbei erfolgte die Analyse in mehreren Stufen. Zuerst wurde nur nach Alter, Geschlecht und Jahreszeit korrigiert. Später wurden schrittweise weitere Risikofaktoren einbezogen:

  • Bildungsstand
  • Einkommen,
  • körperliche Aktivität,
  • Rauchen,
  • Alkoholkonsum,
  • Ernährung,
  • Schlafdauer,
  • chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck, sowie genetische Risikoprofile für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

So konnte untersucht werden, ob nächtliche Lichtbelastung auch unabhängig von bekannten Risikofaktoren mit Erkrankungen in Verbindung stand – was tatsächlich der Fall war.

Ergebnisse: Höheres Risiko bei heller Nacht

Studienteilnehmer, die nachts dauerhaft stärkerem Licht ausgesetzt waren, hatten ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders auffällig war das in der Gruppe mit den hellsten Nächten (91.–100. Perzentil) – verglichen mit der dunkelsten Gruppe (0.–50. Perzentil) waren die folgenden Erkrankungen deutlich häufiger:

  • Herzinfarkt: Risiko war um 42 Prozent erhöht
  • Herzschwäche: Risiko war um 45 Prozent erhöht
  • Schlaganfall: Risiko war um 28 Prozent erhöht
  • Vorhofflimmern: Risiko war um 28 Prozent erhöht
  • Koronare Herzkrankheit: Risiko war um 23 Prozent erhöht

Was bedeuten diese Zahlen?

Die Angaben beziehen sich auf das relative Risiko. Es bedeutet beispielsweise nicht, dass 42 Prozent aller Menschen mit heller Nacht einen Herzinfarkt bekommen – sondern, dass ihre Wahrscheinlichkeit im Vergleich zur dunkelsten Gruppe um 42 Prozent höher liegt.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das: Bekommen in der dunklen Gruppe 10 von 1.000 Menschen einen Herzinfarkt, sind es in der hellsten Gruppe etwa 14 von 1.000.
Für den Einzelnen scheint der Unterschied gering, auf Bevölkerungsebene fällt er jedoch erheblich ins Gewicht, weil viele Menschen von Lichtverschmutzung betroffen sind.

Dazu blieb der Zusammenhang bestehen, selbst nachdem die Forscher weitere Einflussfaktoren wie Bewegung, Schlafdauer, Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum, sozioökonomischen Status und genetische Veranlagung statistisch berücksichtigt hatten.

Frauen und Jüngere besonders betroffen

Einzelne Gruppen waren laut Studie besonders anfällig für die negativen Effekte nächtlicher Lichtexposition:

  • Frauen zeigten ein stärker erhöhtes Risiko für Herzschwäche und koronare Herzkrankheit.
  • Jüngere Menschen unter 60 Jahren waren sensibler für Vorhofflimmern und Herzschwäche bei heller Nacht.

Wissenschaftler vermuten, dass biologische Unterschiede in der Lichtverarbeitung eine Rolle spielen – etwa eine höhere Lichtempfindlichkeit im zirkadianen System bei Frauen.

Was man im Alltag tun kann

Nächtliche Lichtexposition ist ein Faktor, den man relativ leicht beeinflussen kann. Schon einfache Maßnahmen helfen, das persönliche Risiko zu senken:

  • Elektronische Geräte wie Fernseher oder Handy vor dem Schlafen ausschalten
  • Kein grelles Licht im Schlafzimmer verwenden
  • Rollos oder lichtdichte Vorhänge anbringen
  • Kleine Lichtquellen (z. B. Standby-Leuchten) abdecken
  • Bei nächtlichem Aufstehen: nur gedimmtes, warmes Licht nutzen
  • Wenn notwendig: Schlafmaske verwenden

Vollständige Dunkelheit ist nicht zwingend notwendig – aber weniger Licht kann helfen, den natürlichen Schlafrhythmus zu unterstützen und mögliche Belastungen für das Herz zu reduzieren.

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Die Studie zeigt einen Zusammenhang – aber keine Ursache

Die Studie zeigt, dass Menschen, die in einer helleren Umgebung schlafen, häufiger an Herz-Kreislauf-Leiden wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche erkranken. Ob das nächtliche Licht aber wirklich die Ursache dafür ist, lässt sich daraus nicht eindeutig schließen. Denn die Untersuchung war eine sogenannte Beobachtungsstudie. Bedeutet: Sie kann Zusammenhänge feststellen, aber keinen Beweis liefern, dass das Licht tatsächlich der Auslöser ist. Es ist also ebenfalls möglich, dass auch andere, bisher nicht berücksichtigte Faktoren das Ergebnis beeinflusst haben.

Mehrere Schwächen in der Studie

Zudem gibt es einige Schwächen, die bei der Auswertung der Ergebnisse eine Rolle spielen. Die Helligkeit in der Nacht wurde nur für eine Woche gemessen. Das sagt nichts darüber aus, wie dauerhaft oder regelmäßig die Lichtbelastung war. Auch ist unklar, woher das Licht kam – ob es zum Beispiel von Straßenlaternen, Bildschirmen oder Lampen im Haus stammte.

Hinzu kommt: Die Teilnehmer der Studie waren nicht unbedingt typisch für die Allgemeinbevölkerung. Die meisten waren weiß, gut ausgebildet und gesundheitlich eher stabil. Deshalb lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf alle Menschen übertragen. Auch individuelle Unterschiede wurden nicht berücksichtigt – etwa, wie empfindlich jemand generell auf Licht in der Nacht reagiert.

Zudem untersuchten die Forscher nicht, ob das Licht den Schlaf der Probanden auch tatsächlich gestört hat bzw. wie stark. Es wäre also möglich, dass nicht das Licht selbst, sondern die dadurch verursachten Schlafprobleme das eigentliche Risiko darstellen.

Kein Beweis – aber ein klarer Hinweis

Trotz dieser offenen Fragen gelten die Ergebnisse aus wissenschaftlicher Sicht als plausibel. Sie stehen im Einklang mit früheren Erkenntnissen, die zeigen: Ein dauerhaft gestörter Tag-Nacht-Rhythmus kann das Herz-Kreislauf-System belasten.3 Ob nächtliches Licht dabei eine direkte Ursache ist oder lediglich indirekt über den Schlaf wirkt, bleibt offen – und muss durch weitere Forschung geklärt werden.

Weitere Infos zum Thema „Schlafen“, finden Sie bei unseren Kollegen von BILD.

Besser möglichst dunkel schlafen

Nächtliches Licht scheint ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sein – selbst bei gesunden Menschen. Besonders Frauen und Jüngere reagierten in der Studie empfindlich auf nächtliche Helligkeit.

Licht in der Nacht ist nicht nur ein Störfaktor für den Schlaf, sondern möglicherweise auch ein schleichender Belastungsfaktor für das Herz. Wer seine Schlafumgebung abdunkelt, reduziert ein Risiko, das sich mit wenig Aufwand vermeiden lässt – und trägt möglicherweise zur langfristigen Gesundheit bei.

Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

Licht ist ein äußerer Zeitgeber für den Schlaf

„Äußere Zeitgeber bewirken, dass sich unsere innere Uhr äußeren Gebebenheiten anpasst. So gelingt etwa die Umstellung nach einem Zeitzonenwechsel. Neben Ernährungszeiten oder körperlicher Aktivität ist auch die Lichteinwirkung ein solcher äußerer Zeitgeber. Blaues Licht blockiert die Wirkung des Schlafhormons Melatonin und fördert die Ausschüttung von Serotonin, das die Stimmung aufhellt und sich positiv auf Antrieb und Wachverhalten auswirkt. Wärmeres rot-gelbes Licht fördert die Bildung von Melatonin. So macht uns das natürliche Sonnenlicht am Morgen wach und fit, während das Licht des Sonnenuntergangs unseren Körper dazu anregt, sich für den Schlaf bereitzumachen. Übrigens funktioniert dieser Rhythmus nicht direkt von Geburt an. Es dauert etwa sechs Monate, bis das Licht Einfluss auf die innere Uhr nimmt und sich der zirkadiane Rhythmus einstellt. Der wichtigste äußere Zeitgeber für Babys sind die Still- bzw. Ernährungszeiten.“

Quellen

  1. Windred, DP., Burns, AC., Rutter, MK. et al. (2025). Light Exposure at Night and Cardiovascular Disease Incidence. JAMA Netw Open. ↩︎
  2. Tralert. Was bedeutet lux? (aufgerufen am 03.11.2025) ↩︎
  3. Morris, CJ., Purvis, TE, Hu, K. et al. (2016). Circadian misalignment increases cardiovascular disease risk factors in humans. Proc Natl Acad Sci U S A. ↩︎

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