6. März 2026, 4:18 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Lange bleibt er unbemerkt, oft wird er zufällig entdeckt – und doch betrifft er jedes Jahr Tausende Menschen in Deutschland: Nierenkrebs verursacht im Frühstadium meist keine Beschwerden. Wird der Tumor jedoch spät erkannt, verschlechtern sich die Heilungsaussichten deutlich. Welche Symptome Warnsignale sind, wer besonders gefährdet ist und wie die Therapie heute aussieht.
Nierenkrebs zählt im Vergleich zu Lungen-, Darm-, Brust- oder Prostatakrebs zu den selteneren Tumorerkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 14.000 bis 16.000 Menschen neu an Nierenkrebs, darunter rund 8864 Männer und 5165 Frauen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
In den meisten Fällen handelt es sich um ein sogenanntes Nierenzellkarzinom. Dieses macht rund 95 Prozent aller bösartigen Nierentumoren aus. Andere Tumorformen der Niere sind deutlich seltener und werden teilweise anders behandelt.1
Typische Symptome – häufig ein Zufallsbefund
Im Frühstadium verursacht Nierenkrebs meist keine spezifischen Beschwerden. Mehr als die Hälfte der Tumoren werden zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt, die aus einem anderen Grund durchgeführt wird. Eine allgemeine Früherkennungsuntersuchung für gesunde Menschen gibt es derzeit nicht, da die Erkrankung vergleichsweise selten ist.
Erst bei fortgeschrittener Erkrankung treten Symptome auf. Dazu gehören:
- Blut im Urin (Hämaturie), häufig schmerzlos
- Schmerzen in der Flanke oder im seitlichen Rückenbereich
- tastbare Verhärtung oder Schwellung im Bauchraum
- ungewollter Gewichtsverlust
- Müdigkeit und Leistungsknick
- anhaltendes Fieber oder nächtliches Schwitzen
- Blutarmut (Anämie)
- erhöhter Blutdruck
Männer sind insgesamt häufiger betroffen als Frauen, die Symptome selbst sind jedoch geschlechtsunabhängig.2
Bei Kindern tritt Nierenkrebs deutlich seltener auf. In diesen Fällen handelt es sich meist um einen Wilms-Tumor (Nephroblastom), der biologisch eine andere Erkrankung darstellt und anders behandelt wird – wie FITBOOK bereits berichtete.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei vielen Betroffenen lässt sich im Nachhinein nicht eindeutig klären, warum sich ein Nierenzellkarzinom entwickelt hat. Dennoch sind einige Faktoren bekannt, die das Risiko statistisch erhöhen. Dazu gehören vor allem Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck. Auch eine chronische Niereninsuffizienz steigert das Erkrankungsrisiko. Zudem kann der berufliche Kontakt mit bestimmten chemischen Substanzen wie Trichlorethen (Trichlorethylen) eine Rolle spielen. Darüber hinaus gibt es seltene genetische Erkrankungen, etwa das Von-Hippel-Lindau-Syndrom, die mit einem erhöhten Risiko für Nierenkrebs verbunden sind.3
Nach einer Nierentransplantation besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko, ein Nierenzellkarzinom zu entwickeln. Körperliche Aktivität scheint das Erkrankungsrisiko hingegen zu senken. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen bestimmten Ernährungsweisen und Nierenkrebs ist nach aktuellem Stand nicht gesichert.
Diagnose: Bildgebung entscheidend
Besteht der Verdacht auf ein Nierenzellkarzinom, erfolgen zunächst eine ausführliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung. Ergänzend werden Blut- und Urinproben analysiert, um die Funktion von Niere und Leber zu beurteilen. Für die eigentliche Tumordiagnostik sind bildgebende Verfahren entscheidend. In der Regel kommt zunächst der Ultraschall zum Einsatz. Zur genaueren Beurteilung von Größe, Lage und möglicher Ausbreitung folgen häufig eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie.
Eine Gewebeprobe ist nicht in jedem Fall erforderlich. Wenn der Tumor eindeutig operativ entfernt werden soll, kann auf eine Biopsie verzichtet werden. Wichtig wird sie jedoch dann, wenn Unsicherheit über die Tumorart besteht oder eine systemische medikamentöse Therapie geplant ist.4
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Therapie: Operation bleibt zentral
Ist der Tumor auf die Niere begrenzt, steht die operative Entfernung im Mittelpunkt der Behandlung. Ziel ist es, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen und dabei möglichst viel gesundes Nierengewebe zu erhalten. Je nach Lage und Größe des Tumors kommen offene oder minimal-invasive Verfahren infrage. Auch roboterassistierte Eingriffe werden eingesetzt. Die verschiedenen Operationsmethoden erzielen vergleichbare Ergebnisse, entscheidend sind die individuelle Situation sowie die Erfahrung des operierenden Teams.
Bei sehr kleinen Tumoren kann unter bestimmten Voraussetzungen eine sogenannte aktive Überwachung sinnvoll sein. Dabei wird das Tumorwachstum regelmäßig kontrolliert, ohne sofort zu operieren. Alternativ können bei ausgewählten Patientinnen und Patienten Verfahren wie Kryotherapie oder Radiofrequenzablation eingesetzt werden, wenn eine Operation nicht möglich ist. Diese Methoden gelten jedoch nicht als gleichwertiger Ersatz für eine operative Entfernung.5
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Metastasierter Nierenkrebs: Systemische Therapie als Standard
Hat sich der Krebs bereits auf andere Organe ausgebreitet, erfolgt in der Regel eine medikamentöse, sogenannte systemische Therapie. Sie wirkt im gesamten Körper und basiert heute vor allem auf zielgerichteten Medikamenten und Immuntherapien mit Immun-Checkpoint-Hemmern. In vielen Fällen wird eine Kombinationstherapie als Erstbehandlung empfohlen.6
Eine klassische Chemotherapie, wie sie bei vielen anderen Krebsarten eingesetzt wird, zeigt beim Nierenzellkarzinom keinen relevanten Nutzen. Eine Strahlentherapie kann bei Metastasen, beispielsweise im Knochen oder Gehirn, zur Linderung von Beschwerden beitragen, hat jedoch keinen heilenden Ansatz.
Trotz moderner Therapien ist eine vollständige Heilung bei metastasierter Erkrankung in der Regel nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, Symptome zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Prognose, Nachsorge und Rehabilitation
Wird Nierenkrebs in einem frühen Stadium diagnostiziert, sind die Heilungschancen in vielen Fällen gut. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt insgesamt bei etwa 77 Prozent. Entscheidend für die Prognose ist vor allem das Stadium der Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose.
Nach Abschluss der Therapie sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig. Sie dienen dazu, ein mögliches Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu erkennen und die Funktion der verbleibenden Niere zu kontrollieren. Je nach individueller Situation können körperliche Untersuchungen, Blut- und Urintests sowie bildgebende Verfahren erforderlich sein.
Viele Patienten profitieren im Anschluss an die Behandlung von einer medizinischen Rehabilitation. Diese kann stationär oder ambulant erfolgen und unterstützt bei der körperlichen Erholung, beim Umgang mit möglichen Langzeitfolgen sowie bei der Rückkehr in Alltag und Beruf. Bei komplexen Krankheitsverläufen oder metastasierter Erkrankung empfiehlt sich die Behandlung in spezialisierten, zertifizierten Zentren mit entsprechender Erfahrung in der Therapie des Nierenzellkarzinoms.7