15. August 2026, 18:02 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Was lauert eigentlich alles unter unserer Decke? Eine Mikrobiologin erklärt, welche Bakterien, Viren, Tierchen und Pilze sich womöglich in unseren Betten tummeln, was man dagegen tun kann und wie oft man die Bettwäsche wechseln muss.
Wir alle lieben es doch, abends unter die Bettdecke zu kriechen, uns in die Kissen zu mummeln und sanft in den Schlaf zu gleiten. So herrlich es sich auch anfühlt, was man nicht sieht, kann alles andere als herrlich sein, denn „tatsächlich kommt das Bett einer Petrischale gleich“, erklärt die Londoner Mikrobiologin Dr. Manal Mohammed. Die Expertin veröffentlichte bei „The Conversation“ einen Fachartikel zu dem Thema.1 FITBOOK hat bei Mohammed noch einmal nachgehakt, was denn ihre konkreten Tipps für saubere Betten seien. Damit unsere allabendliche Reise ins Land der Träume nicht zum Albtraum wird.
Welche Bakterien mit uns schlafen
Niemand schläft allein. Da wären zunächst eine Vielzahl von Bakterien, darunter auch Staphylococcus- Bakterien. „Diese Bakterien sind zwar eher auf Krankenhausbettwäsche zu finden und sind normalerweise harmlos, können aber schwere Krankheiten verursachen, wenn sie durch eine offene Wunde in den Körper gelangen“, warnt Dr. Mohammed. Hierzu zählen Akne, Hautinfektionen oder Lungenentzündung. Einige Stämme sind sogar antibiotikaresistent. Tatsächlich trägt etwa ein Drittel der Menschen Staphylococcus aureus im Körper. Was bedeutet, dass sie recht einfach ins heimische Bett wandern können. Auch durchfallerzeugende E. coli‑Stämme können sich zwischen den Kissen breitmachen. „Aus diesem Grund ist es wichtig, sich auch nach jedem nächtlichen Toilettengang die Hände richtig zu waschen“, so die Expertin.
Milben ernähren sich von Hautzellen
Dies sei aber nur die Spitze des Eisbergs. Rund 500 Millionen Hautzellen verliert jeder Mensch am Tag – die Leibspeise der Milben, die ebenfalls wohl oder übel in unseren Betten hausen. Die Hinterlassenschaften der winzig kleinen Tierchen gehen dementsprechend ins Bettzeug über, was Allergien und sogar Asthma auslösen könne. „Auch Bettwanzen sind eine Gefahr. Obwohl diese winzigen, fünf Millimeter großen Käfer keine Krankheiten übertragen, können sie juckende rote Bissspuren und somit Angstzustände und Schlaflosigkeit verursachen.“ Das Fiese: Sie klammern sich an Kleidung oder Rucksäcke und können daher auch von Übernachtungsgästen oder Partnern eingeschleppt werden.
Ein unordentlicher Haushalt führt zu einem schmutzigen Bett
Mikroben, Viren und Keime haben die unangenehme Angewohnheit, sich ebenfalls regelrecht an Stoffe zu krallen. Baumwolle oder Fell finden sie besonders gemütlich. „Sie verbergen sich auf Handtüchern, Küchentüchern, überleben dort bis zu zwei Wochen und können auch durch Haustiere ins Bett getragen werden“, warnt die Mikrobiologin. Bestimmte Pilzarten, die zum Beispiel eine unangenehme genitale Infektion hervorrufen können, halten sich auf Frottee oder anderen Stoffen bis zu einem Monat über Wasser. Das ist längst nicht alles: „Einige andere Arten von Viren, wie das Vaccinia–Virus (gehört zu den Pockenviren), können bis zu 14 Wochen auf Wolle und Baumwolle haften.“
Hier lauern im Hotelzimmer die größten Gesundheitsrisiken
Wie beeinflusst der Pyjama die Schlafqualität?
Wie oft sollte man nun laut der Expertin die Bettwäsche wechseln?
Wirklich einladend klingt das alles nicht. Aber damit Ihnen diese ekligen Fakten nicht den Schlaf rauben: Hier der wirksamste Gegner von Keimen und Milben – das ist und bleibt die Waschmaschine. Wie oft sollte man also die Bettwäsche wechseln bzw. waschen? Mohammeds Antwort: „Mindestens alle zwei Wochen und zwar bei 60 Grad. Das tötet Keime wie Milben wirksam ab.“ Wer viel schwitzt, sollte die Maschine einmal die Woche anschmeißen und Kissenbezüge dürfen sogar alle drei Tage gewechselt werden. „Stellen Sie sicher, dass die Bettwäsche vor der Verwendung vollständig getrocknet ist.“
Auch interessant: Training bei 35 Grad – kann ich da überhaupt effektiv Muskeln aufbauen?
Weitere Profi-Tipps zur Bett-Hygiene
Beachten Sie Ihr Bett als eine Art Heiligtum, für das es strenge Regeln gibt. Laut Mikrobiologin Dr. Manal Mohammed sind das:
- Keine Haustiere im Bett
- Direkt vor dem Schlafengehen duschen
- Keine Kleidung vom Tag im Bett liegen lassen
- Pyjama tragen oder nackt bleiben
- Socken vom Tag nicht anlassen, bei Bedarf frische Socken anziehen
- Keine Handtücher ins Bett tragen
- Make-up vollständig entfernen, keine Cremes und Lotionen vor dem Schlafengehen auftragen
- Bettdecke täglich lüften/ausschütteln
- Matratze einmal im Monat absaugen
- Alle zehn Jahre in eine neue Matratze investieren
Wer diese Regeln beherzigt, schafft gute Voraussetzungen für eine hygienische Schlafumgebung. Dabei geht es nicht um übertriebene Sauberkeit, sondern um Gewohnheiten, die sich unkompliziert in den Alltag integrieren lassen. Entscheidend ist vor allem, sie konsequent beizubehalten.