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Erste Anzeichen werden oft übersehen

Auch bei Menschen, die sich gesund fühlen, leidet dieses Organ oft leise

Schäden der Leber bleiben oft zunächst unbemerkt
Schäden der Leber bleiben oft zunächst unbemerkt Foto: Getty Images

29. Oktober 2026, 14:14 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Kaum ein Organ leistet mehr und beschwert sich weniger. Die Leber arbeitet rund um die Uhr, filtert Schadstoffe aus dem Blut, speichert Energie und kann sich sogar selbst regenerieren. Gerade weil die Leber so leistungsfähig ist, werden Probleme häufig erst erkannt, wenn bereits Schäden entstanden sind. Sie leidet leise. Experten warnen deshalb davor, unspezifische Beschwerden auf die leichte Schulter zu nehmen.

„Die Leber verzeiht sehr viel“, sagt Prof. Frank Tacke, Direktor der Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie an der Charité Berlin. Er zählt international zu den renommiertesten deutschen Leberexperten. Doch kann das Organ genauso unbemerkt schon Schaden genommen haben – und sich zu einer sogenannten Fettleber entwickelt haben.

Erste Warnsignale werden oft übersehen

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers. Überschüssige Energie aus Zucker, Süßigkeiten, Softdrinks oder Snacks speichert sie in Form von Fett. Dieser Prozess kann über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte ablaufen.

Das Tückische: Die ersten Anzeichen einer Fettleber sind meist wenig eindeutig. Betroffene fühlen sich häufig müde, abgeschlagen oder weniger leistungsfähig. Manchmal kommt ein Druck- oder Ziehgefühl im Oberbauch hinzu.1 Weil diese Symptome viele Ursachen haben können, bleibt die Erkrankung oft unentdeckt. Dabei ist die Fettleber längst eine Volkskrankheit. Schätzungen zufolge haben 25 bis 30 Prozent der Deutschen eine Fettleber, ohne davon zu wissen.

Warum Fett in der Leber gefährlich werden kann

Nicht jede Fetteinlagerung führt sofort zu schweren Folgen. Problematisch wird es, wenn sich aus dem gespeicherten Fett schädliche Fettsäuren entwickeln. Prof. Tacke erklärt: „Dadurch gibt es schädliche Komponenten dieser Fetteinlagerung.“ Die Folgen betreffen den gesamten Stoffwechsel der Leber.

Als Reaktion kann sich eine Entzündung entwickeln, die sogenannte Fettleberhepatitis (MASH). Um die Entzündung zu begrenzen, lagert der Körper Bindegewebe ein. Dadurch entsteht eine Vernarbung der Leber, die sogenannte Fibrose. Mit der Zeit sterben Leberzellen ab, „und die Leber verliert an Funktionsfähigkeit“, so Prof. Tacke.

Schreitet die Erkrankung weiter fort, kann sich eine Leberzirrhose entwickeln. Das Organ ist dann großflächig vernarbt. Gleichzeitig steigt das Risiko für Leberkrebs, zudem droht im schlimmsten Fall ein Organversagen.

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Bewegung hilft der Leber beim Fettabbau

Die gute Nachricht: Eine Fettleber kann sich erholen. Das Organ verfügt über verschiedene Mechanismen, um eingelagertes Fett wieder loszuwerden. Zum einen kann die Leber Fett direkt in ihren Zellen verbrennen. Zum anderen verpackt sie Fettpartikel in kleine Transporteinheiten und gibt sie ins Blut ab. Dort können sie von den Muskeln als Energiequelle genutzt werden.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Körper die Energie tatsächlich benötigt. Regelmäßige Bewegung, aktive Muskulatur und eine geringere Kalorienzufuhr fördern diesen Prozess.

Anders als Fettpolster am Bauch verschwindet Leberfett häufig sogar vergleichsweise schnell wieder. Die Leber ist nicht darauf ausgelegt, dauerhaft als Fettdepot zu dienen. Wird der ständige Energieüberschuss gestoppt, kann sich das Organ oft bemerkenswert gut regenerieren.

Was der Leber wirklich guttut

Wer seine Leber schützen möchte, sollte vor allem auf drei Faktoren achten:

  • Gewicht reduzieren,
  • körperlich aktiv sein und
  • Alkohol möglichst vermeiden.

Schon eine Gewichtsabnahme von etwa zehn Prozent kann helfen, den Fettgehalt der Leber deutlich zu senken. Empfehlenswert ist zudem eine eiweißreiche Ernährung mit möglichst wenig Zucker. Fachleute raten außerdem zu mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche, beispielsweise durch zügiges Gehen oder Radfahren.

Alkohol belastet die Leber zusätzlich. Er fördert die Fetteinlagerung und liefert zugleich viele Kalorien. Besonders wichtig: Wird eine Fettleber früh erkannt, bestehen gute Chancen auf eine vollständige Erholung des Organs. Genau deshalb lohnt es sich, auf unscheinbare Warnsignale zu achten und die Lebergesundheit regelmäßig überprüfen zu lassen.

Quellen

  1. Fettleber in Deutschland. Fettleber in Deutschland: Zahlen, Fakten und Dunkelziffer (aufgerufen am 27.10. 2026) ↩︎

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