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Laut Studie

Kinder, die in diesem Alter ein Handy haben, entwickeln häufiger gesundheitliche Probleme

Früher Smartphone-Besitz kann gesundheitliche Folgen haben.
Früher Smartphone-Besitz kann gesundheitliche Folgen haben. Foto: Getty Images
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4. Dezember 2025, 19:25 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Handys sind zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Auch für Jugendliche sind sie nicht mehr wegzudenken. Viele erhalten ihr erstes Smartphone schon in der Grundschule – oft als Geschenk, als Belohnung oder „weil alle anderen auch eins haben“. Doch was bedeutet es für die körperliche und psychische Gesundheit, wenn Kinder besonders früh Zugang zu einem eigenen Smartphone bekommen? Eine neue Studie aus den USA liefert darauf nun erste belastbare Antworten – mit Ergebnissen, die aufhorchen lassen.

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Früher Handykontakt – was macht das mit der Gesundheit?

Digitale Medien gehören längst zur Lebensrealität junger Menschen. Gleichzeitig wächst die Sorge, wie sich der frühe Umgang mit Bildschirmen auf Körper und Psyche auswirkt. Die neue Studie untersuchte, ob der Besitz eines eigenen Handys im Alter von zwölf Jahren mit bestimmten Gesundheitsproblemen in Verbindung steht. Im Fokus standen depressive Symptome, Übergewicht (Adipositas) und Schlafmangel – drei Faktoren, die sowohl verbreitet als auch gesundheitlich bedeutsam sind.1 Die Ergebnisse überraschen: Bei Kindern, die bereits mit zwölf ein eigenes Handy besaßen, traten häufiger Schlafprobleme auf, sie waren öfter übergewichtig und zeigten mehr Anzeichen von depressiven Symptomen als Gleichaltrige ohne Gerät.

Handy mit 12? Das passierte bei über 10.000 Kindern

Für die Studie werteten die Forscher die Daten von genau 10.588 Kindern aus, die im Alter von zwölf Jahren an der Untersuchung teilgenommen hatten. Die Daten stammten aus der ABCD-Studie – einer großangelegten Langzeituntersuchung aus den USA, bei der Kinder ab dem Grundschulalter über Jahre hinweg begleitet werden.2 Für diesen Teil der Auswertung griffen die Forscher auf Erhebungen aus den Jahren 2018 bis 2023 zurück. Zusätzlich betrachteten sie auch Jugendliche, die erst mit 13 Jahren ein eigenes Handy bekamen, um vergleichen zu können, ob der Zeitpunkt des ersten Kontakts mit dem Gerät einen Unterschied macht.

Jugendliche mit eigenem Handy hatten ein rund 30 Prozent höheres Risiko, Anzeichen von Depressionen zu zeigen – verglichen mit Gleichaltrigen ohne Gerät. Beim Gewicht zeigte sich ein ähnliches Bild: Kinder mit Handy waren etwa 40 Prozent häufiger übergewichtig. Am deutlichsten aber wirkte sich der Handykontakt auf den Schlaf aus. Wer ein eigenes Gerät besaß, schlief spürbar schlechter – das Risiko für Schlafmangel war fast doppelt so hoch.

Alter beim ersten Handykontakt spielt eine entscheidende Rolle

Je früher ein Kind ein eigenes Gerät bekam, desto größer fiel das Risiko aus. Mit jedem Jahr, das der Handykauf nach vorn rückte, stieg die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht und Schlafprobleme messbar an. Auch Kinder, die ihr erstes Handy erst mit 13 erhielten, schnitten in der Auswertung schlechter ab als Gleichaltrige ohne eigenes Gerät – hatten aber weniger gesundheitliche Probleme als die zwölfjährigen Handynutzer.

Um sicherzugehen, dass andere Faktoren das Ergebnis nicht verzerrten, berücksichtigten die Forscher auch Dinge wie das familiäre Umfeld, das Einkommen, die Bildung der Eltern und den allgemeinen Umgang mit Medien im Alltag. Trotzdem blieben die Unterschiede bestehen. Das deutete darauf hin, dass frühe Handynutzung tatsächlich eine eigene Rolle spielte – unabhängig von anderen Einflüssen.

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Warum Eltern diese Studie ernst nehmen sollten

Für viele Eltern ist es praktisch, wenn ihre Kinder ein Handy haben. Das Kind soll erreichbar sein, sich sicher fühlen oder nicht außen vorbleiben. Oft übersehen wird dabei, welche Nebenwirkungen ein früher Handykontakt haben kann – vor allem ohne klare Regeln oder Begleitung.

Die Studie zeigt, dass vor allem Schlafprobleme, Übergewicht und emotionale Belastungen deutlich häufiger auftreten, wenn Kinder früh ein eigenes Handy besitzen. Diese drei Bereiche hängen eng zusammen. Wer schlecht schläft, ist weniger belastbar, hat weniger Energie für Bewegung und gerät schneller in negative Gedankenspiralen. Gleichzeitig beeinflussen soziale Medien, ständiges Benachrichtigungs-Ping und nächtliches Scrollen das Einschlafverhalten und die Schlafdauer. Oft, ohne dass Eltern davon etwas mitbekommen.

Cybermobbing, Gruppenzwang und ständiger Vergleich: Was Kinder wirklich belastet

Viele Kinder nutzen ihr Handy nicht nur zum Spielen oder Chatten, sondern erleben dort auch Konflikte – etwa durch Gruppenzwang, Cybermobbing oder problematische Inhalte. Je jünger das Kind, desto schwieriger ist es, all das emotional einzuordnen oder sich abzugrenzen. Gerade in der frühen Jugend, in der sich das Selbstbild entwickelt, kann ständiger Handykonsum zusätzlichen Druck erzeugen.

Wichtig ist deshalb nicht nur die Frage, ob ein Kind ein eigenes Handy bekommt, sondern wann und unter welchen Bedingungen. Später ist in vielen Fällen besser. Und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, braucht es klare Vereinbarungen zur Nutzung, technisches Verständnis auf Elternseite, und vor allem regelmäßige Gespräche. Denn ein Handy ist kein neutraler Alltagsgegenstand. Es ist ein Zugang zur Welt, der Orientierung und Begleitung verlangt.

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Was bei der Studie zu beachten ist

Wie jede wissenschaftliche Untersuchung hat auch diese ihre Grenzen. Einige Angaben – zum Beispiel, wann genau ein Handy angeschafft wurde oder wie intensiv es genutzt wird – basierten auf Einschätzungen der Eltern. Solche Informationen können ungenau sein oder durch Erinnerungslücken beeinflusst werden.

Außerdem handelt es sich um eine sogenannte Beobachtungsstudie. Das bedeutet: Die Studie zeigt zwar einen Zusammenhang zwischen frühem Handy-Besitz und gesundheitlichen Problemen – sie kann aber nicht belegen, dass das Handy die Ursache für diese Probleme ist. Es ist auch möglich, dass Kinder mit bereits bestehenden Schwierigkeiten eher ein Gerät bekommen. Oder dass der Handybesitz mit anderen familiären oder sozialen Faktoren zusammenhängt, die in der Analyse nicht vollständig erfasst wurden.

Zudem wurde nicht untersucht, wie genau die Handys genutzt wurden. Ob es um soziale Medien ging, um stundenlanges Scrollen vor dem Einschlafen oder einfach nur um gelegentliche Nutzung, ist somit nicht erfasst worden. Auch die Bildschirmzeit selbst wurde nicht gemessen. Damit bleibt offen, ob es wirklich der Besitz an sich war oder das, was Kinder mit dem Gerät machen.

Die Aussagekraft der Studie bleibt trotz aller Einschränkungen hoch. Die Datenbasis war groß, die Auswertung methodisch sorgfältig, und die Ergebnisse zeigten sich in verschiedenen Analysemodellen stabil. Das legt nahe, dass ein früher Handykontakt möglicherweise eine eigenständige Rolle spielt. Auch wenn weitere Forschung nötig ist, um diesen Zusammenhang genauer einzuordnen.

Fazit: Nicht ob – sondern wann und wie

Ein eigenes Handy gehört heute fast schon zum Erwachsenwerden dazu. Die Frage ist nicht, ob Kinder eins bekommen – sondern wann, unter welchen Bedingungen und mit welcher Begleitung. Die Studie zeigt: Je früher der Einstieg, desto höher die gesundheitlichen Risiken. Wer Risiken vermeiden will, benötigt klare Regeln, Medienkompetenz und vor allem eins: Zeit, um sein Kind beim Umgang mit digitalen Geräten zu begleiten.

Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

Schlafstörung durchs Handy? Eltern in der Verantwortung

„Nicht nur die vorliegende Studie liefert Hinweise dafür, dass Handynutzung bei Kindern (und Jugendlichen) mit Schlafstörungen in Verbindung steht. Auch in der Praxis stellt sich im Fall von Kindern, die plötzlich schlecht schlafen und ständig müde sind, ein Handy häufig als (Mit-)Verursacher heraus. Und das aus einem oft recht banalen Grund, wie ich in meiner Ausbildung zur Schlafcoachin gelernt habe: weil Kinder heimlich abends im Bett noch lange mit ihrem Handy beschäftigt sind. So sind sie zum einen wachhaltendem blauen Licht ausgesetzt und kommen gleichzeitig gedanklich nicht zur Ruhe, weil sie spielen oder chatten. Deshalb muss es für einen gesunden Schlaf nicht ein Handyverbot per se sein. Ein Smartphone wird – zumindest für den Schlaf – vor allem dann schädlich, wenn es keine klaren Regeln gibt, deren Einhaltung auch sichergestellt wird. Idealerweise sollten Kinder feste Bildschirmzeiten haben, was beinhaltet, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt auch Schluss mit der Handynutzung ist. Je jünger Kinder sind, desto mehr sind Eltern in der Pflicht, diese Regeln durchzusetzen. Sprich: Sie sollten das Handy aus dem Kinderzimmer verbannen. Denn Kinder sind altersbedingt häufig nicht in der Lage, ihren Impulsen eigenständig zu widerstehen.“

Quellen

  1. Barzilay, R., Pimentel, SD., Tran, KT. et al. (2025). Smartphone Ownership, Age of Smartphone Acquisition, and Health Outcomes in Early Adolescence. Pediatrics. ↩︎
  2. Abcdstudy.org. The ABCD Study® is the largest long-term study of brain development and child health in the United States. (aufgerufen am 04.12.2025) ↩︎

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