5. Oktober 2026, 20:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer Krebs vorbeugen möchte, denkt meist zuerst an eine gesunde Ernährung, Sport und den Verzicht auf Zigaretten. Tatsächlich gelten diese Faktoren als wichtige Stellschrauben für die Gesundheit. Doch ein Risiko haben viele Menschen nicht auf dem Schirm: bestimmte Infektionen.
Forscher haben nun berechnet, dass weltweit rund 2,3 Millionen Krebsfälle im Jahr 2024 auf Viren, Bakterien oder Parasiten zurückgingen – das entspricht etwa jeder achten Neuerkrankung.1
Millionen von Krebsfällen durch Infektionen
Nun haben Forscher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) untersucht, welchen Anteil Infektionskrankheiten an der weltweiten Krebsbelastung haben. Ihre im Fachjournal „The Lancet Oncology“ veröffentlichte Analyse kommt zu einem deutlichen Ergebnis: Von den rund 20 Millionen neu diagnostizierten Krebsfällen im Jahr 2024 standen etwa 2,3 Millionen in Zusammenhang mit Viren, Bakterien oder Parasiten. Damit war ungefähr jede achte Krebserkrankung infektionsbedingt.
Nach Ansicht der Wissenschaftler wird die Bedeutung solcher Erreger für die Krebsentstehung häufig unterschätzt. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Prävention und frühzeitige Behandlung das Risiko vieler Betroffener senken könnten.
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Fünf Erreger verursachen Krebserkrankungen
Die höchsten Raten infektionsbedingter Krebserkrankungen fanden die Forscher in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Deshalb lassen sich die weltweiten Ergebnisse nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen. Hierzulande stehen umfangreiche Präventionsprogramme, Impfungen und medizinische Behandlungen zur Verfügung.
Der überwiegende Teil der infektionsbedingten Krebserkrankungen weltweit lässt sich auf fünf Erreger zurückführen. Eine Infektion führt dabei nicht automatisch zu Krebs. Meist spielen weitere Faktoren wie das Immunsystem, die genetische Veranlagung oder Lebensgewohnheiten eine Rolle.
Helicobacter pylori: Risikofaktor für Magenkrebs
Mit rund 760.000 Krebsfällen weltweit war das Bakterium Helicobacter pylori im Jahr 2024 der wichtigste infektiöse Auslöser. Es gilt als bedeutendste Ursache für Magenkrebs. Schätzungen zufolge infizieren sich im Laufe ihres Lebens etwa 15 bis 30 Prozent der Menschen in Deutschland mit dem Keim.
HPV: Häufige Infektion mit Folgen
Humane Papillomviren (HPV) standen weltweit mit etwa 750.000 Krebsfällen in Verbindung. Die Erreger verursachen mehr als 90 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Außerdem erhöhen sie das Risiko für Tumoren im Mund-Rachen-Bereich, am After und am Penis. HPV gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Experten gehen davon aus, dass sich die Mehrheit aller sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben damit ansteckt.
Hepatitis B und Hepatitis C greifen die Leber an
Rund 360.000 Krebsfälle weltweit wurden 2024 auf Hepatitis B zurückgeführt. Besonders betroffen ist die Leber. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts liegt die Verbreitung in Deutschland bei unter einem Prozent der Bevölkerung.2 Auch Hepatitis C spielt eine wichtige Rolle. Die Forscher ordneten dem Virus etwa 160.000 Krebsfälle weltweit zu. Wie bei Hepatitis B handelt es sich dabei überwiegend um Leberkrebs.
Epstein-Barr-Virus ist weitverbreitet
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) wurde mit etwa 260.000 Krebserkrankungen weltweit in Verbindung gebracht. Dazu zählen unter anderem bestimmte Lymphome sowie Magenkrebs. Mehr als 90 Prozent aller Erwachsenen tragen das Virus in sich. Häufig erfolgt die Infektion unbemerkt, teilweise verursacht sie das sogenannte Pfeiffersche Drüsenfieber.
Diese Maßnahmen können das Krebsrisiko senken
Experten sehen in Vorsorge und Impfungen die wichtigsten Möglichkeiten, sich vor den gefährlichsten Erregern zu schützen. Studienautorin Harriet Rumgay von der Internationalen Agentur für Krebsforschung betont die Bedeutung solcher Maßnahmen: „Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig die Vorbeugung und Behandlung von Infektionen für die Krebsprävention ist.“
HPV-Impfung
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen zwischen neun und 14 Jahren. Nachholimpfungen sind in der Regel bis zum 18. Geburtstag möglich. Die Impfung schützt vor den HPV-Typen, die für die meisten Fälle von Gebärmutterhalskrebs sowie weitere Krebsarten im Genital- und Mund-Rachen-Bereich verantwortlich sind.
Hepatitis-B-Impfung
Die Hepatitis-B-Impfung zählt in Deutschland zu den Standardimpfungen im Kindesalter. Sie kann vor chronischen Infektionen schützen, die das Risiko für Leberkrebs erhöhen.
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Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
Gynäkologische Früherkennungsuntersuchungen helfen dabei, Zellveränderungen zu erkennen, bevor sich daraus Gebärmutterhalskrebs entwickelt.
Infektionen früh erkennen
Erkrankungen durch Helicobacter pylori, Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV können häufig frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden. Das kann das Risiko späterer Krebsfolgen deutlich reduzieren.