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Nachgefragt bei Expertin

Müssen Frauen in den Wechseljahren noch verhüten?

Sollten Frauen während der Wechseljahre verhüten?
FITBOOK sprach mit einer Expertin darüber, was Frauen in der Perimenopause, der Menopause und in der Postmenopause über Verhütung wissen sollten Foto: Getty Images
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19. Januar 2026, 13:19 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Die Wechseljahre sind eine Zeit des Wandels, körperlich, hormonell und emotional. Den meisten Frauen stellt sich in dieser besonderen Lebensphase irgendwann die Frage: Kann ich noch schwanger werden? Muss ich überhaupt noch verhüten? Und wenn ja, wie? Unsere Expertin, Frau Dr. med. Heidi Gößlinghoff, Frauenärztin und Mentorin für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, klärt auf.

Dr. Heidi Gößlinghoff
Mit fachlicher Beratung von Frauenärztin und Online-Begleitung für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

Die Wechseljahre (med. Klimakterium) beschreiben keinen einzelnen Zeitpunkt, sondern einen mehrjährigen hormonellen Übergangsprozess im Leben einer Frau. In dieser Zeit stellt der Körper die Produktion der weiblichen Sexualhormone, hauptsächlich Östrogen und Progesteron, schrittweise um, bis sie schließlich ganz zurückgeht. Die Wechseljahre lassen sich grob in mehrere Zeitabschnitte unterteilen, die fließend ineinander übergehen.

Die verschiedenen Phasen der Wechseljahre

Prämenopause

Die Prämenopause beginnt mehrheitlich zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. In dieser Phase ist der Zyklus in der Regel noch regelmäßig, doch die hormonelle Balance beginnt allmählich an Stabilität zu verlieren. Typisch ist ein erstes Absinken des Progesteronspiegels. Dadurch können Symptome wie ausgeprägtes PMS, Schlafstörungen, innere Unruhe oder Stimmungsschwankungen auftreten. Auch erste Veränderungen wie Gewichtszunahme, ein nachlassendes Leistungsniveau sowie leichte Zyklusschwankungen sind möglich.

Perimenopause

„Die Perimenopause beginnt oft schon ab Anfang bis Mitte 40, manchmal sogar früher. Die Hormonspiegel schwanken stark und die Eisprünge finden unregelmäßiger statt. Ihr Zyklus kann kürzer, länger oder auch unberechenbar werden“, erklärt Frau Dr. Gößlinghoff. „Viele Frauen verlassen sich auf ihr Bauchgefühl oder auf Zyklusbeobachtung, doch hormonelle Schwankungen machen natürliche Methoden in dieser Phase unzuverlässig. Obwohl eine Schwangerschaft weniger wahrscheinlich wird, ist sie weiterhin durchaus möglich.“

Menopause

Die Menopause ist ein klar definierter Moment und bezeichnet die letzte natürliche Regelblutung. Erst wenn eine Frau zwölf Monate lang keine Menstruation mehr hatte, kann rückblickend von der Menopause gesprochen werden. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 51 Jahren, individuell kann es aber deutlich früher oder später sein.

Postmenopause

Die Zeit nach der Menopause wird als Postmenopause bezeichnet. In dieser Phase stellen die Eierstöcke die Hormonproduktion weitgehend ein und Eisprünge finden nicht mehr statt. Erst ab diesem Zeitpunkt ist eine natürliche Schwangerschaft nicht mehr möglich.

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Schwangerschaften in den Wechseljahren und ihre Risiken

Schwangerschaften in den Wechseljahren sind demnach grundsätzlich möglich, gehen jedoch mit erhöhten gesundheitlichen Risiken einher. Mit zunehmendem Alter steigt unter anderem die Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten sowie für Chromosomenstörungen. Auch Schwangerschaftskomplikationen wie Bluthochdruck oder Schwangerschaftsdiabetes treten häufiger auf und stellen für den Körper eine deutlich größere Belastung dar. Zudem können sogenannte biochemische Schwangerschaften auftreten. Das sind sehr frühe Fehlgeburten, bei denen zwar kurzzeitig ein positiver Schwangerschaftstest durch das Hormon hCG vorliegen kann, sich jedoch keine klinisch nachweisbare Schwangerschaft in der Gebärmutter entwickelt.

Wie hoch ist das Risiko, in den Wechseljahren schwanger zu werden?

In der Perimenopause, also in einer Phase mit noch auftretenden Blutungen und gelegentlichen Eisprüngen, sind Schwangerschaften grundsätzlich möglich. Bei Frauen zwischen 40 und 44 Jahren liegt die Schwangerschaftsrate pro Zyklus bei etwa fünf bis zehn Prozent, wobei die Fehlgeburtsrate 30 bis 40 Prozent beträgt. In der Altersgruppe von 45 bis 49 Jahren sinkt die spontane Schwangerschaftsrate auf unter ein bis zwei Prozent pro Zyklus, bei gleichzeitig über 50 Prozent Fehlgeburten.

So lange sollten Sie verhüten: Ihre Menopause ist entscheidend

„Wie lange eine Verhütung notwendig ist, lässt sich nicht an einem einzelnen Anzeichen festmachen. Als medizinische Faustregel gilt: Frauen unter 50 Jahren sollten bis etwa zwei Jahre nach der letzten Regelblutung (Menopause) verhüten, Frauen über 50 mindestens ein Jahr. Wann tatsächlich auf Verhütung verzichtet werden kann, sollte individuell und in enger Absprache mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen entschieden werden“, empfiehlt Frau Dr. Gößlinghoff.

Keine Regelblutung gleich keine Verhütung?

„Das ist ein weitverbreiteter Irrtum“, erklärt Frau Dr. Gößlinghoff. „Auch wenn Ihre Blutung ausbleibt, können in den Wechseljahren noch vereinzelt Eisprünge stattfinden und damit eine Schwangerschaft möglich sein. Deshalb sollten Sie die Verhütung erst dann sicher beenden, wenn Ihre Gynäkologin oder Ihr Gynäkologe bestätigt, dass Ihre Menopause abgeschlossen ist.“

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Bestehen Risiken, wenn Sie „zu lange“ verhüten?

Künstlich aufrechterhaltene Regelblutung

„Ein Nachteil des langen Einsatzes hormoneller Verhütungsmethoden kann darin liegen, dass der natürliche Übergang in die Wechseljahre schwerer zu erkennen ist. Vor allem unter kombinierten Pillen mit Östrogenen und Gestagenen treten weiterhin regelmäßige Abbruch- bzw. Entzugsblutungen auf, die keine natürliche Regelblutung darstellen und den tatsächlichen hormonellen Status verschleiern können“, so Frau Dr. Gößlinghoff. „Reine Gestagenpräparate wie die Hormonspirale oder die Minipille fördern hingegen keine Blutung, oft bleibt diese sogar ganz aus. Ein Vorteil östrogenhaltiger Pillen kann sein, dass sie ein beginnendes Hormondefizit in den Wechseljahren eine Zeit lang ausgleichen, wodurch Beschwerden oft erst später auftreten.“

Mögliche gesundheitliche Risiken

Eine längerfristige hormonelle Verhütung in den späteren Wechseljahren kann, abhängig von Präparat und individueller Veranlagung, unter anderem Thrombosen, Bluthochdruck oder Stoffwechselveränderungen hervorrufen. Besonders östrogenhaltige Kombinationspräparate sollten in dieser Lebensphase kritisch überprüft werden, vor allem wenn eine Gerinnungsstörung bekannt ist.

Überdecken der Körpersignale

Hormonelle Verhütungsmittel können typische Wechseljahrsbeschwerden wie Brustspannen, Wassereinlagerungen oder Stimmungsschwankungen verstärken oder verfälschen. Gleichzeitig werden natürliche Umstellungsprozesse überlagert, sodass wichtige Signale des Körpers weniger wahrgenommen werden.

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Diese Verhütungsmethoden eignen sich in den Wechseljahren

Kupferspirale (IUP)

Die Kupferspirale ist eine hormonfreie und sehr sichere Verhütungsmethode, die sich besonders für Frauen eignet, die ihren natürlichen Hormonhaushalt nicht weiter beeinflussen möchten. Sie kann bis zur Menopause im Körper verbleiben und bietet langfristigen Schutz. Allerdings kann sie die Monatsblutung verstärken und ist somit bei ohnehin starken Blutungen nicht immer die erste Wahl.

Hormonspirale

Die Hormonspirale ist eine sehr zuverlässige Verhütungsmethode und kann die Blutung deutlich abschwächen oder ganz zum Ausbleiben bringen. Das empfinden gerade Frauen mit unregelmäßigen oder sehr starken Blutungen und den damit oft einhergehenden Beschwerden als entlastend. Ein weiterer Vorteil ist der integrierte Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Somit können Sie bei östrogenmangelbedingten Wechseljahrsbeschwerden zusätzlich ein reines Östrogenpräparat einnehmen, ohne das Risiko einer ungeschützten Schleimhaut.

Gestagenpille

In vielen Fällen kann alternativ auch eine reine Gestagenpille für ein bis zwei Jahre eingesetzt werden, da auch sie die Blutung meist deutlich reduziert oder vollständig unterdrückt.

Kondome

Kondome sind hormonfrei und bieten als einzige Verhütungsmethode zugleich Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen.

Sterilisation

Wenn Ihre Familienplanung sicher abgeschlossen ist, kann eine Sterilisation eine dauerhafte Lösung darstellen. Bei diesem chirurgischen Eingriff werden die Eileiter durchtrennt oder blockiert, um eine dauerhafte Unfruchtbarkeit zu gewährleisten. Sie bedeutet einen endgültigen Schritt, der gut überlegt sein sollte, bietet dafür aber langfristige Sicherheit ohne hormonelle Einflüsse.

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Diese Verhütungsmethoden sind weniger geeignet

Natürliche Methoden

Methoden wie Temperaturmessung oder Zyklusbeobachtung stoßen in der Perimenopause schnell an ihre Grenzen. Durch hormonelle Schwankungen werden Eisprünge weniger berechenbar, wodurch diese Form der Verhütung in den Wechseljahren deutlich an Zuverlässigkeit verliert.

Klassische Kombinationspille

Kombinationspillen aus Östrogen und Gestagen sind in den Wechseljahren nur bedingt geeignet, denn ab etwa 40 Jahren steigt das Risiko für Thrombosen und andere Nebenwirkungen.

Fazit: Informiert und selbstbestimmt durch die Wechseljahre

„Die Wechseljahre sind kein abruptes Ende der Fruchtbarkeit, sondern ein sanfter Übergang. Sie bedeuten eine Phase, in der sich Ihr Körper und Ihre Bedürfnisse verändern und bewusste Entscheidungen von Ihnen besonders relevant sind. Gerade jetzt ist es wichtig, Ihre Verhütung nicht aus Gewohnheit fortzuführen, sondern regelmäßig gemeinsam mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen zu prüfen und an Ihre Lebensphase anzupassen. Gut gewählte Verhütung bedeutet Sicherheit, Freiheit und Selbstfürsorge. Wenn Sie Ihren Körper verstehen, medizinische Fakten kennen und Ihre Bedürfnisse ernst nehmen, können die Wechseljahre zu einer kraftvollen, selbstbestimmten Lebensphase werden mit erfüllter Sexualität, Klarheit und innerer Ruhe“, so Frau Dr. Gößlinghoff.

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