2. November 2026, 4:13 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele Menschen fürchten den geistigen Abbau im Alter. Doch die Forschung zeigt inzwischen ein deutlich differenzierteres Bild: Demenz ist keineswegs immer eine unausweichliche Folge des Älterwerdens. Wer bestimmte Risikofaktoren kennt und gezielt gegensteuert, kann viel dafür tun, die Gesundheit seines Gehirns möglichst lange zu erhalten.
Das Gehirn verändert sich ein Leben lang
Mit rund 86 Milliarden Nervenzellen ist das Gehirn das komplexeste Organ des Menschen. Es steuert Erinnerungen, Sprache, Bewegungen und unsere Persönlichkeit. Gleichzeitig bleibt es ein Leben lang in Veränderung.1
Lange Zeit galt Demenz als nahezu unvermeidbare Begleiterscheinung des Alters. Heute gehen Wissenschaftler jedoch davon aus, dass die Chancen auf ein langes Leben mit guter geistiger Gesundheit deutlich größer sind als früher angenommen.
Was hinter Demenz steckt
Demenz beschreibt den fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten. Betroffen sind unter anderem Gedächtnis, Orientierung, Sprache und Urteilsvermögen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Erkrankung.2
Bei Alzheimer lagern sich bestimmte Eiweiße, sogenannte Amyloid- und Tau-Proteine, im Gehirn ab. Dadurch sterben Nervenzellen nach und nach ab. Dieser Prozess beginnt oft viele Jahre vor den ersten sichtbaren Symptomen. „Wir können die biologischen Vorzeichen einer Demenz im Blut bis zu 15, 20 Jahre vorher schon erkennen“, sagt Prof. Emrah Düzel, Direktor des Instituts für Kognitive Neurologie und Demenzforschung in Magdeburg.
Diese Risikofaktoren lassen sich beeinflussen
Nach Berechnungen der renommierten Lancet-Kommission lassen sich 45 Prozent aller Demenzfälle mit 14 Risikofaktoren in Verbindung bringen, die Menschen zumindest teilweise selbst beeinflussen können.3
Dazu gehören unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel, Depressionen, Hörverlust, soziale Isolation (Einsamkeit), übermäßiger Alkoholkonsum und Luftverschmutzung. Wer diese Faktoren reduziert oder behandelt, kann das Risiko für eine spätere Demenzerkrankung senken.
Wie wichtig sind die Gene?
Genetische Faktoren spielen zwar eine Rolle, sind aber nicht allein ausschlaggebend. Nach Angaben von Prof. Düzel erklären selbst sämtliche bislang bekannten genetischen Risikofaktoren nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Alzheimer-Risikos.
Auch Menschen mit einer familiären Vorbelastung können aktiv Einfluss nehmen. Besonders wichtig ist dies für Träger des sogenannten ApoE4‑Gens. Sie sollten laut Prof. Düzel „auf den Cholesterinspiegel besonders achten. Und auf die Ernährung und auf die Bewegung“.
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Was die Forschung zur Vorbeugung empfiehlt
Eine zentrale Rolle spielt die konsequente Behandlung medizinischer Risikofaktoren. Dazu zählen insbesondere Blutdruck, Blutfettwerte, Blutzucker sowie unbehandelte Hörprobleme. Ebenso wichtig ist es, auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten. Gesunde Lebensgewohnheiten können dagegen helfen, die Leistungsfähigkeit des Gehirns möglichst lange zu erhalten.
Prof. Düzel empfiehlt „zwei Stunden moderate Aktivität die Woche“, also Bewegung, bei der man leicht außer Atem kommt. Zusätzlich hält er Krafttraining für unverzichtbar: „Nicht nur die kardiovaskuläre Betätigung ist wichtig, sondern es ist genauso entscheidend, dass wir körperliches Krafttraining machen und Muskelmasse aufbauen.“
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Warum neue Umgebungen das Gehirn fordern
Wer sein Gehirn trainieren möchte, muss nicht zwangsläufig täglich Sudoku lösen oder Kreuzworträtsel ausfüllen. Nach Ansicht von Prof. Düzel gibt es eine wirksamere Alternative: neue Orte und unbekannte Umgebungen kennenlernen. „Man versucht, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden. Das ist so das Beste, was man machen kann“, sagt der Experte. Die Orientierung in unbekannten Situationen fordert verschiedene Hirnregionen gleichzeitig und kann so geistige Fähigkeiten aktiv trainieren.
Die 3 wichtigsten Faktoren für ein gesundes Gehirn
Würde Prof. Düzel nur drei Maßnahmen nennen dürfen, um das Demenzrisiko möglichst stark zu senken, fiele seine Auswahl eindeutig aus: „Bewegung, soziale Kontakte, also Vermeidung sozialer Isolation – und Optimismus“, erklärt er.
Damit nennt der Demenzforscher drei Faktoren, die jeder unabhängig vom Alter aktiv fördern kann. Sie gehören nach aktuellem Forschungsstand zu den wichtigsten Bausteinen für ein möglichst langes, geistig gesundes Leben.