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Studie zeigt

Bedrohte Männlichkeit könnte das Essverhalten beeinflussen

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Eine Studie hat untersucht, was Männer machen, wenn sie sich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen Foto: Getty Images/Jon Feingersh Photography Inc
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Isa Kabakci
Redakteur

17. August 2026, 13:41 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Männlichkeit ist für viele Männer mehr als ein Persönlichkeitsmerkmal. Psychologen gehen davon aus, dass sie als sozialer Status wahrgenommen wird, der immer wieder bestätigt werden muss. Doch was passiert, wenn Männer das Gefühl bekommen, diesem Ideal nicht zu entsprechen? Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat untersucht, wie sich sogenannte bedrohte Männlichkeit auf gesundheitsrelevantes Verhalten auswirken kann.

Fleisch gilt als „typisch männlich“

Der deutlichste Befund: Werden Männer experimentell in ihrer Männlichkeit verunsichert, greifen sie häufiger zu Verhaltensweisen, die als typisch männlich gelten. Besonders gut belegt ist das beim Essen. In zahlreichen Experimenten bevorzugten die Teilnehmer häufiger Fleisch, fühlten sich stärker mit Fleischkonsum verbunden und lehnten vegetarische Alternativen eher ab.

Wie die Studie durchgeführt wurde

Für die Scoping-Review – eine systematische Übersicht über die bisherige Forschung zu diesem Thema – wertete ein Forscherteam der University of British Columbia aus Vancouver 25 Publikationen aus den Jahren 2010 bis 2025 mit insgesamt 38 Experimenten aus. Berücksichtigt wurden ausschließlich Studien, in denen Männer gezielt mit ihrer Männlichkeit konfrontiert oder darin verunsichert wurden und anschließend gesundheitsbezogene Verhaltensweisen, Einstellungen oder körperliche Reaktionen untersucht wurden.1

Ziel war es herauszufinden, ob Männlichkeitsbedrohungen tatsächlich Einfluss auf die Gesundheit haben können und welche Faktoren die Reaktionen der Männer beeinflussen.

Mehr Fleisch, mehr Stress, mehr Risiko

Am häufigsten untersucht wurde das Ernährungsverhalten mit insgesamt 16 Experimenten zu Essen und Getränken. In 14 dieser Untersuchungen stand der Fleischkonsum im Fokus: Hier fanden die Mehrheit der Studien Hinweise darauf, dass Männer nach einer Männlichkeitsbedrohung eher zu Fleisch griffen oder vegetarische Optionen ablehnten. Auch bei Getränken zeigte sich ein ähnliches Muster: Nach einer Verunsicherung griffen Männer eher zu stereotypisch „männlichen“ Getränken wie Alkohol oder Energydrinks, während sich bei neutralen Optionen wie gesunden Proteinshakes kein solcher Effekt zeigte. Besonders deutlich fielen die Effekte aus, wenn das tatsächliche Verhalten gemessen wurde.

Daneben fanden einzelne Studien Auswirkungen auf das emotionale Wohlbefinden. Männer berichteten nach einer Männlichkeitsbedrohung häufiger von Scham, Schuldgefühlen und Ärger. Zudem wurden stärkere körperliche Stressreaktionen beobachtet, etwa höhere Cortisolwerte.

Widersprüchlich waren die Ergebnisse zu Körperbild und Fitness. Manche Studien zeigten, dass Männer ihre eigene Stärke oder Muskulatur kritischer bewerteten. Andere fanden das Gegenteil: Die Teilnehmer strebten stärker nach Muskelaufbau oder zeigten bei Kraft- und Ausdaueraufgaben sogar bessere Leistungen.

Für Risikoverhalten und zwischenmenschliche Beziehungen gab es zwar Hinweise auf negative Folgen, die Datenlage ist bisher jedoch dünn. Einzelne Studien deuteten darauf hin, dass Männer nach einer Männlichkeitsbedrohung weniger bereit waren, Kondome zu nutzen, oder einer Verhütungspille für den Mann skeptisch gegenüberstanden. Beim Autofahren hingegen gab es Entwarnung: In Tests mit einem Fahrsimulator führte die Verunsicherung nicht zu aggressiverem Fahren. Auf der Beziehungsebene zeigten sich allerdings negative Tendenzen: Bedrohte Männer fühlten sich ihren Partnerinnen gegenüber weniger verbunden.

Sophie Brünke
Autorenfoto
Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Ernährungsexpertin

Ein Mann muss niemandem etwas beweisen – schon gar nicht auf seinem Teller

„Ich verstehe, dass Ernährung mehr als Gesundheit ist. Es ist Kultur, Genuss, Geselligkeit. Problematisch wird es aber, wenn Fleisch zum Beweis von Männlichkeit wird. Echte Stärke zeigt sich nicht darin, möglichst oft zum Steak zu greifen, sondern darin, selbstbestimmte Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen. Wer weniger Fleisch isst, ist nicht weniger Mann. Im Gegenteil: Wer wissenschaftliche Erkenntnisse ernst nimmt und Verantwortung für seinen Körper übernimmt, beweist mehr Souveränität als jemand, der sich von überholten Rollenbildern leiten lässt.

Wie gefährlich solche Männlichkeitsbeweise sein können, zeigte Sänger James Blunt in jungen Jahren: Um männlicher zu wirken, lebte er zeitweise ausschließlich von Fleisch. Wenige Wochen später diagnostizierten Ärzte bei ihm die fast ausgestorbene Krankheit Skorbut.

Niemand muss komplett auf Fleisch verzichten. Aber Männer sollten sich bewusst machen, dass die Weltgesundheitsorganisation verarbeitetes Fleisch als krebserregend für den Menschen eingestuft hat und auch rotes Fleisch mit diversen Erkrankungen in Zusammenhang steht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb, nicht mehr als 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche zu konsumieren. Ein Mann muss niemandem etwas beweisen – schon gar nicht auf seinem Teller.“

Welche Männer reagieren besonders empfindlich?

Nicht jeder Mann reagiert gleich auf eine Bedrohung seiner Männlichkeit. Die Studie zeigt, dass vor allem persönliche Überzeugungen eine Rolle spielen. Männer, die fest daran glauben, dass Männlichkeit ein zerbrechlicher, schwer zu behauptender Status ist („fragile Männlichkeit“), zeigten unter Stress die stärksten körperlichen und psychischen Reaktionen. Auch Männer, die sich selbst als besonders maskulin einschätzen, reagierten sensibler auf Verunsicherungen. Interessanterweise spielte die allgemeine Konformität mit gesellschaftlichen Männlichkeitsnormen in den meisten Studien dagegen keine entscheidende Rolle dabei, wie intensiv die Männer im konkreten Moment der Bedrohung reagierten.

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Stärken und Schwächen der Studie

Zu den Stärken der Arbeit zählt die systematische Auswertung der bisherigen Forschung. Die Autoren berücksichtigten dabei auch Dissertationen und andere bislang unveröffentlichte Arbeiten, um ein möglichst vollständiges Bild der Studienlage zu erhalten.

Allerdings gibt es auch Einschränkungen. Die meisten Untersuchungen stammen aus westlichen Ländern, viele Gesundheitsbereiche hat man bislang kaum erforscht, und häufig wurde nicht das tatsächliche Verhalten der Teilnehmer untersucht, sondern nur verhaltensnahe Entscheidungen. Zudem lassen die bisherigen Experimente keine Aussagen über langfristige gesundheitliche Folgen zu, da sie vor allem kurzfristige Reaktionen auf eine Männlichkeitsbedrohung erfassten.

Darüber hinaus mahnen die Autoren der Übersichtsarbeit zur methodischen Vorsicht: Über drei Viertel der untersuchten Experimente wiesen Schwachstellen auf – etwa weil ein Beleg dafür fehlte, ob die Verunsicherung im Labor überhaupt erfolgreich war, oder weil man Analysepläne nicht im Vorfeld registrierte. Auch das Risiko, dass man vor allem Studien mit eindeutigen Ergebnissen veröffentlichte (Publikationsbias), lässt sich nicht ganz ausschließen.

Insgesamt bewerten die Autoren die Studienlage als solide, weisen aber darauf hin, dass weitere Forschung nötig ist, um die Ergebnisse zu bestätigen und auf andere Lebensbereiche zu übertragen.

Auch interessant: Sollten Männer 21 Samenergüsse im Monat haben?

Ergänzende Studien zu diesem Thema

Wie sich Männlichkeitsnormen langfristig auswirken könnten, deutet eine internationale Untersuchung aus 62 Ländern an.2 Dort zeigte sich: In Ländern, in denen Männlichkeit besonders stark als Status gilt, den man ständig neu beweisen muss, rauchten Männer häufiger, starben öfter an risikobezogenen Ursachen – und lebten im Schnitt rund sechseinhalb Jahre kürzer als Männer in Ländern, in denen dieser Glaube schwach ausgeprägt ist. Der Zusammenhang blieb auch dann bestehen, als die Forscher Wohlstand, Ärztedichte und Gleichstellung herausrechneten. Allerdings handelt es sich um einen Vergleich zwischen Ländern, nicht zwischen einzelnen Männern – ein Ursache-Wirkungs-Nachweis ist daraus nicht ableitbar.

Ein zweiter Bereich, den die aktuelle Übersichtsarbeit als kaum erforscht benennt, ist der Umgang mit Ärzten. Hier liefert eine US-Untersuchung mit insgesamt 546 Teilnehmern Hinweise.3 Männer mit ausgeprägt traditionellen Männlichkeitsvorstellungen schoben Beschwerden eher auf, entschieden sich häufiger für einen männlichen Arzt – berichteten diesem dann aber zurückhaltender von ihren Symptomen. Die Forscher vermuten dahinter die Sorge, ausgerechnet vor einem anderen Mann Schwäche zu zeigen.

Quellen

  1. Breakspear R-M, Bindal Z, Chen FS, Schmader T. (2026). Easy to Lose and Risky to Regain? A Scoping Review of Experimentally Manipulated Masculinity Threat and Men’s Health. American Journal of Men’s Health;20(4) ↩︎
  2. Vandello, J. A., Wilkerson, M., Bosson, J. K., Wiernik, B. M., & Kosakowska-Berezecka, N. (2023). Precarious manhood and men’s physical health around the world. Psychology of Men & Masculinities, 24(1), 1–15. ↩︎
  3. Himmelstein, M. S., Sanchez, D. T. (2016). Masculinity in the doctor's office: Masculinity, gendered doctor preference and doctor–patient communication. Preventive Medicine, 84, S. 34–40. ↩︎

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