8. Juli 2026, 20:23 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Obstruktive Schlafapnoe ist weit mehr als lautes Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer. Die Schlafstörung wird seit Jahren mit verschiedenen gesundheitlichen Folgen in Verbindung gebracht – darunter auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen. Nun legt eine neue Studie nahe, dass sie auch Auswirkungen auf die sexuelle Gesundheit haben könnte. Welche Zusammenhänge die Forscher fanden, lesen Sie im Folgenden.
Schwere Schlafapnoe geht mit stärkerer erektiler Dysfunktion einher
Die Studie zeigt einen signifikanten, moderaten Zusammenhang zwischen der Schwere einer obstruktiven Schlafapnoe, bei der die oberen Atemwege während des Schlafs immer wieder verengt oder blockiert werden, und der Erektionsfähigkeit. Je häufiger es nachts zu Atemaussetzern kam und je stärker der Sauerstoffgehalt im Blut abfiel, desto ausgeprägter waren die Erektionsstörungen. Außerdem litten Männer mit Schlafapnoe deutlich häufiger an einer erektilen Dysfunktion, also Erektionsstörungen, als Männer ohne die Schlafstörung.1
Erste Hinweise deuten zudem darauf hin, dass eine Behandlung der Schlafapnoe mit einer sogenannten CPAP-Therapie – einer Atemmaske, die die Atemwege während des Schlafs offen hält – auch die Erektionsfähigkeit verbessern könnte.
Wie die Studie durchgeführt wurde
Für die systematische Übersichtsarbeit werteten die Forscher die Ergebnisse bereits veröffentlichter Studien aus, die den Zusammenhang zwischen der Schwere einer obstruktiven Schlafapnoe und Erektionsstörungen untersucht hatten. Insgesamt flossen acht Studien mit erwachsenen Männern in die Analyse ein.
Um die Schwere der Schlafapnoe zu bestimmen, wurde meist der sogenannte Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) verwendet. Er gibt an, wie häufig es pro Stunde Schlaf zu Atemaussetzern oder einer deutlich eingeschränkten Atmung kommt. Einige Studien berücksichtigten zusätzlich, wie stark der Sauerstoffgehalt im Blut während des Schlafs abfiel. Die Erektionsfähigkeit wurde mithilfe standardisierter Fragebögen erfasst. Für die statistische Zusammenfassung des Zusammenhangs zwischen AHI und Erektionsfähigkeit konnten die Daten aus sieben der acht Studien zusammengeführt werden, da nur diese die hierfür notwendigen statistischen Vergleichswerte lieferten, um ein möglichst zuverlässiges Gesamtbild zu erhalten.
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Je schwerer die Schlafstörung, desto schlimmer die Erektionsstörung
Für die Hauptanalyse wurden sieben Studien mit insgesamt 594 Männern ausgewertet. Dabei zeigte sich: Je höher der AHI und damit die Schwere der Schlafapnoe, desto schlechter war im Durchschnitt die erektile Funktion. Dieses Ergebnis blieb auch in zusätzlichen Analysen bestehen.
Auch die Sauerstoffversorgung spielte eine Rolle. In drei Studien mit insgesamt 513 Teilnehmern war eine höhere minimale Sauerstoffsättigung während des Schlafs mit einer besseren Erektionsfähigkeit verbunden. Umgekehrt scheint ein stärkerer nächtlicher Sauerstoffmangel das Risiko für Erektionsstörungen zu erhöhen. Die Häufigkeit einer erektilen Dysfunktion lag bei Männern mit Schlafapnoe je nach Studie zwischen 59 und 69 Prozent. Bei Männern ohne Schlafapnoe waren dagegen lediglich 13 bis 34 Prozent betroffen. Zudem nahm mit steigendem Alter das Risiko für beide Erkrankungen zu.
Uneinheitlich waren die Ergebnisse zu möglichen Ursachen wie einem verringerten Testosteronspiegel oder psychischen Begleiterkrankungen. Dagegen berichteten alle drei Studien, die den Einfluss einer CPAP-Therapie untersuchten, über eine Verbesserung der erektilen Funktion nach Beginn der Behandlung.
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Was das konkret bedeutet
Als mögliche Ursache nennen die Autoren vor allem den wiederholten Sauerstoffmangel während des Schlafs. Dieser kann die Blutgefäße schädigen und so die Durchblutung beeinträchtigen, die für eine normale Erektion notwendig ist. Ob auch hormonelle Veränderungen wie ein verringerter Testosteronspiegel eine Rolle spielen, bleibt dagegen unklar, da die Studien hierzu unterschiedliche Ergebnisse lieferten.
Nach Ansicht der Autoren sollten Männer mit Erektionsstörungen und gleichzeitigem Verdacht auf eine Schlafapnoe – etwa durch starkes Schnarchen, Tagesmüdigkeit oder nicht erholsamen Schlaf – gezielt untersucht werden. Zwar berichteten einige Studien über Verbesserungen der Erektionsfähigkeit unter einer CPAP-Therapie, aufgrund der begrenzten Datenlage lässt sich daraus jedoch noch keine gesicherte Wirksamkeit ableiten.
Stärken und Schwächen der Studie
Die Übersichtsarbeit bündelt die Ergebnisse mehrerer Studien und liefert damit einen umfassenden Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Insgesamt sprechen die Daten dafür, dass zwischen der Schwere einer Schlafapnoe und Erektionsstörungen ein Zusammenhang besteht.
Dennoch lassen sich aus den Ergebnissen keine Rückschlüsse auf eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ziehen. Die ausgewerteten Studien zeigen zwar Zusammenhänge, können aber nicht beweisen, dass eine Schlafapnoe Erektionsstörungen verursacht. Zudem waren die einzelnen Studienergebnisse sehr uneinheitlich, was die allgemeine Aussagekraft etwas einschränkt.
Um den Zusammenhang besser zu verstehen und zu klären, ob eine Behandlung der Schlafapnoe die Erektionsfähigkeit langfristig verbessern kann, sind weitere hochwertige Studien erforderlich.