Anzeichen einer gestörten Darmschleimhaut und was man dagegen tun kann
Die Darmschleimhaut ist innerste Zellschicht der Darmwand, auf der wie ein Teppich eine schützende Schleimschicht (Mucus) liegt Foto: Getty Images/InnerVerse
17. September 2026, 9:57 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall werden oft auf Stress oder das falsche Essen geschoben. Doch hinter den Beschwerden kann auch eine gestörte Darmbarriere stecken. Darauf macht der Gastroenterologe und Autor Prof. Martin Storr im Gespräch mit FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves aufmerksam.
Die Darmschleimhaut liegt an der Innenseite des Darms und übernimmt gleich mehrere Aufgaben. Sie ermöglicht die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser. Gleichzeitig bildet sie eine wichtige Schutzschicht zwischen dem Körper und dem Darminhalt, der neben Nahrung auch Bakterien, potenzielle Krankheitserreger und andere Fremdstoffe enthält. „Die Darmschleimhaut ist weit mehr als einfach nur eine Auskleidung des Darms. Sie bildet eine hochaktive Grenzfläche zwischen unserem Körper und der Außenwelt, die uns vor potenziell schädlichen Einflüssen schützt“, erklärt Storr.
Typische Beschwerden im Alltag
Die Darmschleimhaut ist Teil der Darmbarriere. Zu diesem Schutzsystem gehören außerdem die Schleimschicht auf der Darmoberfläche, das Darmmikrobiom und ein Teil des Immunsystems, welches im Darm sitzt. Gemeinsam regulieren sie, welche Stoffe in den Körper gelangen dürfen und welche abgewehrt werden.
Ist dieses System gestört, können laut Storr unterschiedliche Beschwerden auftreten. Typisch sind
Bauchschmerzen,
Blähungen,
Durchfall und
Stuhlunregelmäßigkeiten.
Je nach Ursache können auch Gewichtsverlust, Müdigkeit oder Nährstoffmängel auftreten. Der Mediziner betont jedoch: „Unspezifische Symptome allein erlauben keine Aussage über den Zustand der Darmschleimhaut.“
Eine nachweisbare Störung der Darmbarriere findet sich bei Erkrankungen wie Zöliakie oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die Darmbarriere auch beim Reizdarmsyndrom eine Rolle spielen könnte. „Dieser Zusammenhang wird intensiv erforscht“, sagt Storr.
Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Leaky Gut“. Nach Einschätzung des Experten greift diese Bezeichnung jedoch oft zu kurz, weil die Darmbarriere ein komplexes System ist. Zunehmend rücke auch die Schleimschicht in den Fokus der Forschung.
Die gute Nachricht des Experten: „Die Darmschleimhaut besitzt eine bemerkenswerte Regenerationsfähigkeit.“ Laut Storr erneuern sich die Schleimhautzellen innerhalb weniger Tage. Entscheidend sei jedoch, die Ursache einer Störung zu erkennen und die gesamte Darmbarriere wiederherzustellen. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann dabei indirekt helfen, weil Darmbakterien daraus kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat bilden. Für frei verkäufliche Probiotika-Präparate gibt es laut Storr bislang keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege, dass sie die Darmschleimhaut gezielt reparieren können. „Größere Hoffnungen setzen Forschende derzeit auf sogenannte Postbiotika, deren Einfluss auf die Darmbarriere derzeit intensiv erforscht wird.“
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