26. April 2026, 8:17 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Bei Frauen macht die Alterung mit Beginn der Wechseljahre einen merklichen Sprung. Im Vergleich dazu verlaufen die Alterungsprozesse bei Männern langsamer und kontinuierlicher. Aber auch bei ihnen verändert sich im Laufe des Lebens einiges, auch im Intimbereich. FITBOOK hat bei einem Experten nachgefragt, wie sich die Alterung auf die männlichen Genitalien auswirkt.
Welche Alterungsphasen durchläuft der Mann?
Im Gegensatz zur weiblichen Menopause verläuft die hormonelle Alterung beim Mann schleichend. Dennoch lassen sich grob verschiedene Phasen unterscheiden.
Frühe 30er-Jahre
In den 20ern und frühen 30ern befindet sich der Körper meist auf seinem hormonellen Höhepunkt. Der Testosteronspiegel ist hoch, Energielevel, Muskelaufbau und Libido sind in der Regel ausgeprägt und erste Veränderungen im Intimbereich sind in dieser Phase äußerst selten.
Ab Mitte 30
Ab etwa Mitte 30 beginnt der Testosteronspiegel langsam zu sinken. Dieser Prozess wird medizinisch oft als „Andropause“ bezeichnet und mit der Menopause verglichen, auch wenn er deutlich weniger abrupt verläuft als die Wechseljahre der Frau. Jetzt können sich erste Veränderungen zeigen in Form von abnehmender Regenerationsfähigkeit, weniger Stressresistenz und schwankender Libido.
Ab 40 Jahren
Zwischen 40 und 60 Jahren werden diese Effekte oft deutlicher. Manche Männer berichten von nachlassender sexueller Lust, geringerer Erektionshärte oder längeren Erholungsphasen nach dem Sex. Gleichzeitig können Gewichtszunahme, Muskelabbau und ein verlangsamter Stoffwechsel auftreten.
Ab 60 Jahren
Ab etwa 60 Jahren verstärken sich hormonelle Veränderungen weiter und auch die Durchblutung sowie die Nervenfunktion können nachlassen. Dennoch können Männer bis ins hohe Alter sexuell aktiv bleiben.
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Wie verändern sich die männlichen Genitalien?
Haut und Elastizität
„Mit zunehmendem Alter verändert sich die Haut am gesamten Körper, das gilt auch für den Intimbereich“, erklärt Dr. Christoph Pies, Facharzt für Urologie. „Die Haut am Penis und am Hodensack wird dünner und verliert an Elastizität, was dazu führen kann, dass sie insgesamt etwas schlaffer wirkt. Ein Grund dafür ist die nachlassende Kollagenproduktion, die für Spannkraft und Festigkeit verantwortlich ist.“
Durchblutung und Erscheinungsbild
Im Laufe der Jahre kann auch die Durchblutung nachlassen, wodurch der Penis im schlaffen Zustand mitunter kleiner oder weniger prall wirkt. Auch eine leichte Aufhellung der Haut ist möglich, da sie weniger stark durchblutet ist. Diese Veränderungen sind in der Regel unbedenklich, können jedoch als ungewohnt empfunden werden.
Intimbehaarung
Wie am Kopf, so kann auch die Haardichte am Körper mit zunehmendem Alter abnehmen, Haare feiner werden oder ihre Struktur verändern. In manchen Fällen wachsen sie langsamer oder fallen stellenweise sogar ganz aus. Diese Entwicklung ist individuell unterschiedlich und hängt stark von genetischen Faktoren ab.
Hautbeschaffenheit
Die Talgproduktion nimmt mit dem Alter häufig ab, wodurch die Haut trockener werden kann und empfindlicher auf Reibung oder äußere Einflüsse reagiert.
Geruch
Auch der Eigengeruch kann sich leicht verändern, was unter anderem mit veränderten Hautbedingungen und der natürlichen Bakterienflora zusammenhängt. Eine angepasste Intimpflege kann helfen, das Hautgefühl angenehm zu erhalten und Irritationen vorzubeugen.
Kann der Penis im Alter kleiner werden?
„Diese Frage beschäftigt viele Männer und tatsächlich steckt ein wahrer Kern dahinter“, so Herr Dr. Pies. „Mit zunehmendem Alter kann der Penis tatsächlich optisch etwas kleiner erscheinen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer der wichtigsten ist die nachlassende Durchblutung, denn wenn weniger Blut in das Schwellkörpergewebe gelangt, wirkt der Penis weniger voluminös. Dies gilt sowohl im schlaffen als auch im erigierten Zustand. Ein weiterer Faktor ist die Veränderung des Fettgewebes. Gerade im Bereich des Unterbauchs kann sich Fett einlagern, wodurch ein Teil des Penisschafts verdeckt wird. Das führt dazu, dass der Penis kürzer erscheint, obwohl sich seine tatsächliche Länge nicht wesentlich verändert hat. In seltenen Fällen können Erkrankungen wie die sogenannte Penisverkrümmung (Induratio penis plastica) ebenfalls zu einer Verkürzung führen. Betrachten Sie leichte Veränderungen als normal, größere Veränderungen sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden.“
Ist Ejakulation in jedem Alter möglich?
Grundsätzlich bleibt die Fähigkeit zur Ejakulation auch im Alter erhalten, allerdings können sich Ablauf und Intensität verändern. Viele Männer bemerken, dass die Ejakulationsmenge mit den Jahren abnimmt. Das liegt unter anderem daran, dass die Produktion von Samenflüssigkeit zurückgeht und die Kontraktionskraft der Muskulatur, die für den Samenerguss verantwortlich ist, nachlässt. Auch kann sich die sogenannte Refraktärzeit verlängern, also die Zeit, die der Körper benötigt, um nach einer Ejakulation wieder erregungsfähig zu sein. Während diese in jungen Jahren oft nur Minuten oder Stunden beträgt, können es im Alter auch Tage sein. In manchen Fällen kann es auch zu Veränderungen wie einer verzögerten oder ausbleibenden Ejakulation kommen, wobei hier sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen.
Können Männer in jedem Alter noch eine Erektion bekommen?
„Erektionen hängen stark von einer guten Durchblutung und funktionierenden Nerven ab. Beides kann im Alter beeinträchtigt sein. Dadurch kann es länger dauern, bis eine Erektion entsteht, und sie ist möglicherweise weniger hart oder stabil als früher“, erklärt Herr Dr. Pies. „Auch äußere Faktoren wie Stress, Medikamente, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes können die Erektionsfähigkeit zusätzlich beeinflussen. Das bedeutet aber nicht, dass erfüllte Sexualität im Alter nicht mehr möglich ist.“
Veränderung des Sexualtriebs
Der Sexualtrieb, also die Libido, ist eng mit dem Hormon Testosteron verknüpft. Da dessen Spiegel im Alter sinkt, kann auch das sexuelle Verlangen abnehmen. Allerdings ist die Libido kein rein biologisches Phänomen, denn auch psychische Faktoren, Beziehungsqualität, Stresslevel und allgemeines Wohlbefinden spielen eine große Rolle. Einige Männer berichten von einem deutlichen Rückgang der Lust, andere erleben kaum Veränderungen. Wieder andere empfinden ihre Sexualität im Alter sogar als entspannter und bewusster, da Leistungsdruck und Unsicherheiten abnehmen.
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Die Gesundheit der Genitalien bis ins Alter unterstützen
Bewegung
Auch wenn viele Veränderungen zum natürlichen Alterungsprozess gehören, gibt es einiges, was Sie aktiv für die Gesundheit Ihrer Genitalien machen können. Ein zentraler Faktor ist die allgemeine körperliche Gesundheit. Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und unterstützt die Gefäßgesundheit, beides entscheidend für die Erektionsfähigkeit. Ausdauersport, Krafttraining und ein aktiver Lebensstil wirken sich hier positiv aus.
Ernährung
Eine ausgewogene, nährstoffreiche Kost kann helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Gefäße zu schützen. Besonders Lebensmittel mit antioxidativen Eigenschaften sowie gesunde Fette spielen eine Rolle.
Gewichtskontrolle
Übergewicht, insbesondere Bauchfett, kann hormonelle Prozesse negativ beeinflussen und die Gesundheit gefährden.
Mentale Balance
Stress, Leistungsdruck oder Ängste können sich direkt auf Libido und Erektionsfähigkeit auswirken. Entspannungstechniken, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress sind daher sinnvoll.
Vorsorgeuntersuchungen
„Das A und O für Ihre Gesundheit sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Nur so können Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Prostatavergrößerungen frühzeitig erkannt und behandelt werden“, rät Herr Dr. Pies.
Können Hormonpräparate helfen, die Veränderungen aufzuhalten?
„Hormonpräparate, insbesondere Testosterontherapien, werden häufig im Zusammenhang mit altersbedingten Veränderungen beim Mann diskutiert. Tatsächlich kann eine medizinisch indizierte Testosteronersatztherapie bei einem nachgewiesenen Mangel dazu beitragen, Symptome wie verminderte Libido, Antriebslosigkeit oder Muskelabbau zu verbessern. Und auch indirekt kann sich dies positiv auf die sexuelle Funktion und das Körpergefühl auswirken“, so Herr Dr. Pies. „Allerdings sind Hormonpräparate kein allgemeines ‚Anti-Aging-Mittel‘ für die Genitalien. Sie können natürliche Alterungsprozesse wie Hautveränderungen, nachlassende Elastizität oder eine reduzierte Durchblutung nicht vollständig aufhalten. Auch sind mögliche Nebenwirkungen, etwa auf das Herz-Kreislauf-System oder die Prostata, nicht zu unterschätzen. Der Einsatz sollte immer individuell abgewogen und ausschließlich nach ärztlicher Diagnose und unter regelmäßiger Kontrolle erfolgen.“