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Studie

Erhöhte Sterblichkeit! So gefährlich ist Alleinleben für junge Menschen

Alleinleben ist mit einer höheren Sterblichkeit verbunden
Durch welche konkreten Ursachen erhöht Alleinleben die Sterblichkeit? Eine Studie ist dieser Frage nachgegangen. Foto: Getty Images

2. November 2026, 18:10 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Inzwischen ist bekannt, dass soziale Isolation die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Im Rahmen einer groß angelegten Studie setzten sich Forscher nun näher damit auseinander, ob alleinlebende Erwachsene häufiger an bestimmten Erkrankungen sterben als Menschen, die mit anderen zusammenwohnen, und welche Ursachen dabei sonst eine Rolle spielen könnten. Die Auswertung zeigte unter anderem ein erhöhtes Risiko in der Altersgruppe zwischen 18 und 64 Jahren.

Wie genau erhöht Alleinleben die Sterblichkeit?

FITBOOK berichtete bereits über verschiedene Studien, die zeigen, dass Einsamkeit gesunde Lebensjahre kosten kann.1,2 Man geht davon aus, dass Einsamkeit häufig mit psychischen Belastungen verbunden ist – etwa Angstzuständen und Depressionen – und in diesem Zusammenhang auch Suizidgedanken begünstigen kann. Doch auch körperliche Erkrankungen drohen. Den Beobachtungen früherer Untersuchungen zufolge treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes bei einsamen Menschen offenbar häufiger auf.3

Die vorliegende Untersuchung wählte einen anderen Ansatz.4 Die verantwortlichen Autoren wollten herausfinden, ob bestimmte Todesursachen bei Menschen, die allein leben, tatsächlich häufiger auftreten als bei Personen, die mit anderen zusammenwohnen. Dabei ist wichtig anzumerken: Es bedeutet nicht zwangsläufig, einsam zu sein, wenn man allein lebt. Die Forscher betrachteten deshalb, inwieweit persönliche Lebensumstände und gesundheitliche Faktoren die beobachteten Unterschiede bei der Sterblichkeit erklären können. Es wurden zwei Altersgruppen miteinander verglichen: Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren und Menschen ab 65 Jahren.

Details zur Untersuchung

Die Forscher nutzten für ihre Untersuchung Daten aus der National Health Interview Survey, in der zwischen 1998 und 2018 regelmäßig US-amerikanische Erwachsene zu Gesundheitsthemen befragt wurden.5 Es wurden insgesamt 598.023 volljährige Personen berücksichtigt.

Die Befragungsdaten verknüpften die Forscher mit einem US-amerikanischen Register, genauer gesagt mit darin enthaltenen Informationen zu Todesfällen. Die Nachbeobachtung lief bis zum Jahr 2019. Somit konnten die Wissenschaftler verfolgen, wie sich die Sterblichkeit bei Menschen mit unterschiedlichen Wohnsituationen im weiteren Verlauf entwickelte.

Für die statistische Auswertung kamen einerseits Cox-Proportional-Hazards-Modelle zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um Verfahren, die es möglich machen, das Sterberisiko verschiedener Gruppen miteinander zu vergleichen und dabei die Dauer bis zum jeweiligen Ereignis zu berücksichtigen. Die Ergebnisse werden als Hazard Ratios (HR) angegeben. Ein Wert von 1 bedeutet, dass kein Unterschied zwischen den verglichenen Gruppen besteht, Werte über 1 weisen auf ein höheres relatives Risiko hin.

An weiteren statistischen Verfahren nutzten die Forscher die sogenannte Blinder-Oaxaca-Dekomposition. Damit lässt sich abschätzen, inwieweit erhobene Merkmale die beobachteten Gruppenunterschiede erklären können.

Ergebnisse

Die Auswertung kam zu dem Ergebnis, dass alleinlebende Erwachsene bei mehreren Todesursachen ein höheres Sterberisiko aufwiesen als Menschen, die mit anderen zusammenwohnten. Dabei stellten die Forscher deutliche Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen fest.

Gesamtsterblichkeit und Herzkrankheiten

Bei der Gesamtsterblichkeit lag das relative Risiko für Alleinlebende zwischen 18 bis 64 Jahren um 22 Prozent höher als bei Personen, die mit anderen zusammenlebten. Bei den über 65-Jährigen betrug der Unterschied immer noch 6 Prozent.

Mit Blick auf Herzkrankheiten fiel das Ergebnis noch deutlicher aus. Hier war das Sterberisiko in der jüngeren Altersgruppe um 41 Prozent und in der älteren um 11 Prozent erhöht.

Suizide und Verletzungen

Alleinlebende zwischen 18 und 64 Jahren waren um 58 Prozent anfälliger für Tode durch Suizid. Bei den über 65-Jährigen war es sogar mehr als doppelt so hoch (103 Prozent). Ebenso waren Todesfälle infolge von Verletzungen häufiger bei Alleinlebenden, bei den Jüngeren lag das Risiko um 27 Prozent und bei den Älteren um 16 Prozent höher.

Weitere Todesursachen

Darüber hinaus zeigten sich bei den 18- bis 64-Jährigen erhöhte Sterberisiken durch Schlaganfälle (23 Prozent), Darmkrebs (27 Prozent), Diabetes (34 Prozent) und Unfälle (17 Prozent). Bei den über 65-Jährigen kam ein um 28 Prozent erhöhtes Sterberisiko durch Bluthochdruck hinzu.

Eine weitere interessante Erkenntnis der Studie liegt darin, dass die Wohnsituation allein die Unterschiede bei der Sterblichkeit nicht vollständig zu erklären scheint. Es spielen offenbar auch persönliche Lebensumstände und der Gesundheitszustand eine wichtige Rolle. Solche Faktoren erklärten 57,1 Prozent des Unterschieds bei den 18- bis 64-Jährigen und sogar 85,4 Prozent bei den über 65-Jährigen. Welche konkreten Merkmale dabei besonders ins Gewicht fielen, geht aus den vorliegenden Studienergebnissen allerdings nicht hervor – denkbar wären unter anderem die finanzielle Situation, fehlende soziale Kontakte und Ähnliches.

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Bedeutung der Ergebnisse

Die Untersuchung macht einmal mehr deutlich, dass die Wohnsituation für die Beurteilung gesundheitlicher Risiken ein wichtiger Faktor sein kann. Eine besonders bemerkenswerte Erkenntnis der Studie ist, dass die Zusammenhänge nicht ausschließlich ältere Menschen betreffen – teils im Gegenteil. Die Unterschiede waren bei mehreren untersuchten Todesursachen bei Alleinlebenden im Alter von 18 bis 64 Jahren sogar ausgeprägter.

Man sollte an dieser Stelle aber betonen, dass Alleinleben nicht dasselbe sein muss wie einsam zu sein. Ein Mensch kann allein wohnen, doch dabei ein stabiles soziales Umfeld, regelmäßige Kontakte und ein erfülltes Privatleben haben. Umgekehrt kann sich jemand auch dann einsam fühlen, wenn er in einer Wohngemeinschaft lebt. Die Studie untersuchte bisher nur den Zusammenhang zwischen der Wohnsituation und der Sterblichkeit – sie belegt nicht, dass Einsamkeit unmittelbar für die erhöhten Risiken verantwortlich ist.

Aus der Untersuchung ergibt sich für die Gesundheitsvorsorge eine wichtige Erkenntnis: Menschen, die allein leben, sollten nicht pauschal als gesundheitlich gefährdet eingestuft werden. Immerhin zeigen die Ergebnisse, dass auch andere persönliche und gesundheitliche Merkmale einen erheblichen Anteil an den Unterschieden bei der Sterblichkeit haben. Umso wichtiger ist es, mögliche Risikofaktoren individuell zu betrachten – die Wohnsituation allein sollte nicht der Maßstab sein.

Das Thema verdient insbesondere bei jüngeren und mittelalten Erwachsenen mehr Aufmerksamkeit, betonen die Autoren. Bei ihnen fielen bei mehreren Todesursachen die Unterschiede teilweise deutlicher aus als bei älteren Menschen.

Einschränkungen

Durch ihren Charakter als Beobachtungsstudie kann die Untersuchung keinen ursächlichen Zusammenhang belegen. Es bleibt also offen, ob das Alleinleben selbst zu einer erhöhten Sterblichkeit beiträgt oder ob die beobachteten gesundheitlichen Risiken vielmehr auf andere Faktoren zurückzuführen sind, die mit der jeweiligen Lebenssituation zusammenhängen. Auch lässt sich nicht eindeutig sagen, welche der untersuchten Merkmale für die erhöhten Sterberisiken tatsächlich ausschlaggebend sind.

Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass die Untersuchung ausschließlich Erwachsene aus den USA einbezog. Da sich gesellschaftliche Strukturen, Lebensbedingungen und Gesundheitssysteme von Land zu Land unterscheiden, lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Bevölkerungsgruppen (etwa bei uns in Deutschland) übertragen.

Hilfe bei Suizidgedanken
Wenn Sie selbst Suizidgedanken haben oder jemanden kennen, der davon betroffen ist, können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden. Unter den kostenlosen Telefonnummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erhalten Sie rund um die Uhr anonyme Hilfe. Weitere Informationen finden Sie unter www.telefonseelsorge.de.

Quellen

  1. Wang, X., Ma, H., Heianza, Y. et al. (2026). Associations of loneliness, social isolation and healthy lifestyle with life expectancy free of major physical disease and mental disorder. Nature Communication.  ↩︎
  2. Musacchio Schafer, K., Franklin, J., Embí, P.J., et. al. (2026) Loneliness, Anxiety Symptoms, Depressive Symptoms, and Suicidal Ideation in the All of Us Dataset. JAMA Network Open.  ↩︎
  3. Wang, F., Zheng, L., Wang, J. et al. (2023). A systematic review and meta-analysis of 90 cohort studies of social isolation, loneliness and mortality. Nature Human Behaviour.  ↩︎
  4. Lee, H., Bispo, J., Singh, G. et al (2026). Living alone and risk of mortality from all-cause and 15 specific causes—a nationally representative cohort study of US adults. International Journal of Epidemiology ↩︎
  5. CDC: National Health Interview Survey. Aufgerufen am 2.11.2026 ↩︎

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