13. Februar 2026, 21:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Alkoholkonsum erhöht das Darmkrebsrisiko – doch wie sich regelmäßiges Trinken über das ganze Leben auswirkt, ist bisher wenig erforscht. Eine neue US-Studie mit über 88.000 Teilnehmenden liefert erstmals detaillierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen Trinkverhalten über Jahrzehnte und dem Risiko für Darmkrebs und seine Vorstufen. FITBOOK-Redakteurin Sophie Brünke stellt Ihnen die Ergebnisse vor.
Fokus der Studie liegt auf lebenslangem Alkoholkonsum
Ziel der Studie war es, den Einfluss von Alkoholkonsum über die gesamte Lebensspanne auf das Risiko für Darmkrebs und sogenannte Adenome – gutartige Vorstufen von Krebs – zu untersuchen.1 Frühere Studien hatten zwar Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Darmkrebs gegeben, doch meist wurde nur der aktuelle oder kürzlich vergangene Alkoholkonsum erfasst.
Die Forschenden nutzten dafür Daten aus der großen US-amerikanischen PLCO-Krebs-Screening-Studie („Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial“). An dieser Studie nahmen über 150.000 US-Amerikaner im Alter von 55 bis 74 Jahren teil.
Teilnehmer in zwei Gruppen separiert
Für die Auswertung wurden zwei Subgruppen gebildet: eine Adenom- und eine Darmkrebsgruppe. Für die Adenomanalyse wurden 12.327 Personen ausgewählt, die zu Studienbeginn keinen auffälligen Darmbefund hatten. Sie wurden nach drei oder fünf Jahren erneut untersucht. 812 Personen entwickelten in dieser Zeit ein Adenom.
Für die Darmkrebsanalyse wurden 88.092 Teilnehmende eingeschlossen. Im Nachbeobachtungszeitraum von 20 Jahren wurden insgesamt 1679 Fälle von Darmkrebs diagnostiziert. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 14,5 Jahre.
Fragebögen zum Konsumverhalten
Der Alkoholkonsum wurde über einen Fragebogen erhoben, der den Konsum von Bier, Wein und Spirituosen in vier Altersphasen (18–24, 25–39, 40–54, ≥55 Jahre) abfragte. Daraus berechneten die Wissenschaftler den durchschnittlichen wöchentlichen Alkoholkonsum über die gesamte Lebensdauer. Die Teilnehmenden wurden entsprechend ihres Trinkverhaltens kategorisiert:
- Nie-Trinker
- Ehemalige Trinker
- Aktuelle Trinker
Zusätzlich differenzierten die Wissenschaftler zwischen der Menge des Alkoholkonsums:
- weniger als ein Getränk pro Woche
- eins bis sechs Getränke pro Woche
- sieben bis 13 Getränke pro Woche
- 14 oder mehr Getränke pro Woche
Statistisch wurden die Risiken für Adenome und Darmkrebs mittels Regressionsmodellen unter Berücksichtigung zahlreicher potenzieller Einflussfaktoren (z. B. Alter, Rauchen, Ernährung) berechnet.
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Für eine Darmkrebsform ist das Risiko besonders hoch
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen lebenslang hohem Alkoholkonsum und einem erhöhten Risiko für Darmkrebs.
Aktuelle starke Trinker mit einem durchschnittlichen Konsum von 14 oder mehr Getränken pro Woche hatten im Vergleich zu seltenen Trinkern (weniger als ein Getränk pro Woche) ein 25 Prozent höheres Risiko für Darmkrebs. Besonders deutlich war das Risiko für Rektumkarzinome (Enddarmkrebs), das bei starken Trinkern sogar um 95 Prozent höher lag als bei den seltenen Trinkern.
Bei genauerer Betrachtung zeigte sich: Wer während des gesamten Erwachsenenlebens viel Alkohol trank, hatte ein um 91 Prozent höheres Risiko für Darmkrebs als Personen mit durchgehend geringem Alkoholkonsum.
Abstinenz senkt das Risiko
Bei ehemaligen Trinkern gab es keine Hinweise auf ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Sie hatten sogar ein geringeres Risiko, gutartige Darmtumoren oder Adenome zu entwickeln, als aktuelle Trinker mit einem durchschnittlichen Konsum von weniger als einem alkoholischen Getränk pro Woche. Dies gibt Hinweise darauf, dass ein Alkoholverzicht das individuelle Risiko senken kann.
Bedeutung der Ergebnisse für die Darmkrebs-Prävention
Diese Studie liefert erstmals belastbare Hinweise darauf, dass nicht nur die aktuelle Lebensphase, sondern die gesamte Lebensspanne des Alkoholkonsums eine wichtige Rolle beim Darmkrebsrisiko spielt. Besonders gefährdet sind Menschen, die über Jahrzehnte hinweg regelmäßig viel Alkohol trinken.
Gleichzeitig machen die Ergebnisse Hoffnung: Wer dem Alkohol abschwört, könnte sein Risiko wieder senken. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass insbesondere das Risiko für nicht-fortgeschrittene Adenome – also frühe Vorstufen von Darmkrebs – bei ehemaligen Trinkenden niedriger war. Das legt nahe, dass Alkoholverzicht präventiv wirken kann.
In einer Pressemitteilung kommentiert diesen Effekt in einer Pressemitteilung: „Obwohl die Daten zu ehemaligen Trinkern spärlich waren, waren wir ermutigt festzustellen, dass ihr Risiko möglicherweise wieder dem von leichten Trinkern entspricht.“2
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Einordnung der Studie
Die Untersuchung ist eine der bislang umfassendsten Analysen zum lebenslangen Alkoholkonsum und Darmkrebsrisiko. Sie stützt sich auf prospektive Daten einer etablierten Krebs-Screening-Studie mit langfristiger Nachverfolgung, hoher Teilnehmerzahl und detaillierter Erhebung von Lebensstilfaktoren.
Dennoch gibt es Einschränkungen: Die Ergebnisse gelten vor allem für ältere Erwachsene in den USA, die mehrheitlich weiß und vergleichsweise gut gebildet waren. Zudem basieren die Angaben zum Alkoholkonsum auf Selbstauskünften, was zu Unter- oder Fehleinschätzungen führen kann. Die Fallzahlen bei Adenomen waren begrenzt, was die Aussagekraft einschränkt. Dennoch stützen die Ergebnisse bisherige Forschung und zeigen klare Tendenzen auf.
Fazit
Lebenslanger starker Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Darmkrebs – insbesondere für Rektumkarzinome – deutlich. Personen, die durchgängig viel trinken, sind besonders gefährdet. Ein Hoffnungsschimmer: Wer (wieder) auf Alkohol verzichtet, senkt offenbar sein Risiko für frühe Darmkrebsvorstufen.