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Nachgefragt beim Experten

Was ist eigentlich schlimmer – Alkohol oder Rauchen?

Rauchen und Alkohol
Tabak und Alkohol – zwei gesundheitsgefährdende Genussmittel, auf die viele Menschen nicht verzichten können oder wollen Foto: Getty Images
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Nina Ponath
Freie Autorin

1. Dezember 2025, 20:19 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Regelmäßig ein Gläschen Wein oder dann und wann eine „Genusszigarette“ … Das schmeckt vielen, ist aber nicht gerade gesund. Doch was wirkt eigentlich schlimmer auf den Körper: Alkohol oder Rauchen? Das fragt sich unsere FITBOOK-Autorin Nina Ponath und hat bei drei Experten nachgefragt.

Kein Bier vor vier, aber danach umso mehr … den Drink zur Einstimmung ins Wochenende zum Beispiel, den Aperol vor dem Dinner mit Freunden, ein Alsterwasser während der Radtour. Dass es so normal ist, ein Zellgift zu sich zu nehmen, ist sicherlich eine Folge des Mythos „Alkohol in Maßen ist gesund“.

Inzwischen weiß man aber: Jedes Glas und sogar jeder Tropfen Alkohol sind schädlich. Und trotzdem trinken viele in meinem Bekanntenkreis immer noch gern. Und viel. Anders sieht es aus, wenn man sich eine Zigarette anzündet. Da erntet man kritische Blicke, manche Leute verlassen sogar den Raum.

Versteht mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass Rauchen gut ist, und würde mich selbst auch nicht als Raucherin bezeichnen. Zugegeben: Ab und an genieße ich es, zum Feierabend eine gelegentliche Zigarette zu paffen. Genauso, wie ich auch alle paar Wochenenden mal einen Wein trinke.

In meinem Umfeld stehe ich damit aber so ziemlich allein da. Während Alkoholkonsum weiterhin normalisiert wird, steht Rauchen auf der schwarzen Liste. Zu Recht?

Rauchen oder Alkohol: Ist eins schlimmer als das andere?

Rauchen oder Alkohol, Pest oder Cholera? Ist schon klar, so wirklich toll ist beides nicht. Während man vom Rauchen schon seit Jahren weiß, dass es Lungenkrebs und andere Krebsarten der Mundpartie auslösen kann, steht mittlerweile aber auch Alkohol mit Krebs in Verbindung.

In der Wissenschaft ist man sich einig: Alkohol ist krebserregend

Tatsächlich stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO Alkohol und sein Stoffwechselprodukt Acetaldehyd als humanes Karzinogen der Gruppe 1 ein, der höchsten Risikostufe, in die auch Tabak fällt.1 Damit gilt Alkohol als krebserregend. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Alkohol an der Entstehung von mindestens sieben Krebsarten beteiligt ist, darunter Brust-, Dickdarm-, Leber- und Speiseröhrenkrebs.2 Die Forschung zeigt, dass es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol gibt und das Krebsrisiko bereits bei „leichtem“ Konsum signifikant steigt.

Ich rauche maximal eine Zigarette am Abend im Urlaub und trinke alle paar Tage ein bisschen Sangria. Sterbe ich jetzt früher, weil ich ab und an abends mal eine Zigarette rauche? Oder fahre ich damit immer noch besser, als die Freunde, die dreimal die Woche Bekannte auf einen Drink einladen? Kann man beides überhaupt miteinander vergleichen? Ich frage mich, was eigentlich schädlicher ist, falls man das überhaupt miteinander vergleichen kann.

Im Video gibt Kardiologe Dr. Christopher Schneeweis Tipps für die Herzgesundheit:

Die Experten-Einschätzung

Das habe ich den Kardiologen Prof. Dr. med. Axel Preßler gefragt. In seiner Praxis in München behandelt er Herzpatienten. Der Experte ist sich sicher: „Rauchen ist ein Gefäßgift.“ Er sieht richtigen Rauchern ihr Laster auf Anhieb an – vor allem an der Haut. „Seltenes Genussrauchen sieht man allerdings nicht“, sagt der Arzt.

Auch interessant: Mediziner erklärt: »Auch Rauchen kann Rückenschmerzen auslösen

Wie Nikotin auf die Gefäße wirkt

Nikotin ist eines der stärksten Gefäßkrampf-Gifte. Es bewirkt eine unmittelbare Verengung der peripheren Blutgefäße, was zu einem beschleunigten Herzschlag und einer Erhöhung des Blutdrucks führt. Langfristig schädigt Nikotin die Innenwände der Blutgefäße, fördert die Bildung von Plaques (Arteriosklerose) und steigert die Blutgerinnung. Damit erhöht es massiv das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Dr. Preßler sagt aber auch: „Alkohol ist ebenfalls in jeder Menge schädlich. Das versucht man sich oft schönzureden, weil man lange dachte, man profitiere von den Polyphenolen in Wein.“ Polyphenole seien auch in Trauben enthalten. Diese könne man essen, ohne wie beim Alkohol die Organe zu schädigen. „Es gab dazu vermutlich auch ein paar Fehlinterpretationen der Studien“, sagt der Kardiologe. So wisse man heute, dass in älteren Studien zum Alkoholkonsum oft ehemalige Trinker und trockene Alkoholiker, zur „Abstinenzler“-Gruppe zählten. Dadurch wiesen diese aber die Erkrankungen von regelmäßigen Trinkern auf und verfälschten so die Ergebnisse der Abstinenzler.3

Dass wirklich jeder Tropfen Alkohol schädlich ist, ist immer noch nicht bei jedem angekommen, weil es erst seit ein paar Jahren bekannt ist“, sagt Dr. Preßler. Für viele Mediziner sei heute klar: Alkohol kann indirekt zu Krebs führen. „Wirklich abgefragt wird der Alkoholkonsum vermutlich nur bei Leberkrebs“, sagt Dr. Preßler. „Man kann aber davon ausgehen, dass Alkohol sich auch auf andere Krebsarten auswirkt. Darüber hinaus schädigt Alkohol außerdem das Herz und kann zu Herzrhythmusstörungen führen, insbesondere zu Vorhofflimmern.“

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Studien bestätigen: Alkohol ist ein Zellgift

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) bestätigt, dass das beim Alkoholabbau entstehende Acetaldehyd in der Lage ist, Körperzellen genetisch zu verändern und damit Krebs auszulösen.4 Außerdem kann Alkoholkonsum den Östrogenspiegel erhöhen, was wiederum das Brustkrebsrisiko bei Frauen signifikant steigert – und das bereits bei geringem Konsum. Auch nicht zu vernachlässigen, seien die sozialen Folgen eines zu hohen Alkoholkonsums. „Alkohol schadet auch auf sozialer Ebene. Es gibt Menschen, die sich im Alkohol verlieren. Das gibt es bei Nikotin eher nicht.“

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Was ist denn nun schädlicher: Alkohol oder Zigaretten?

Wie Sie sehen, lässt sich die Frage nicht klar beantworten, denn beide Genussmittel können gravierende gesundheitliche Folgen haben. Wobei mir beide persönlich mitunter auch Spaß bereiten. Die zentralen Erkenntnisse, die wir aus der Frage mitnehmen sollten?

Es existiert kein sicheres Mindestmaß für Alkohol, auch moderates Trinken kann Krebs auslösen. Rauchen bleibt eine der gefährlichsten Einzelursachen für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Alkohol kann indirekt die Entstehung von Krebs fördern. Überlegen Sie sich bewusst, ob und wie oft Sie rauchen und trinken, und seien Sie dabei ehrlich mit sich selbst. Auch „ein Glas ab und zu“ ist nicht ohne Risiko, genau wie das Leben selbst. Wenn wir schon ein Risiko eingehen, sollten wir uns vorher jedoch ehrlich fragen, ob uns der Spaß die potenziellen Folgen wert ist.

Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation. Alkohol ist einer der größten Risikofaktoren für Brustkrebs (aufgerufen am 28.11.2025) ↩︎
  2. U.S. Department of Health and Human Services. Alcohol and Cancer Risk (aufgerufen am 28.11.2025) ↩︎
  3. John ,U., Rumpf, H.-J. Hanke, M., Meyer, C. (2021). Alcohol abstinence and mortality in a general population sample of adults in Germany: A cohort study. PLOS Medicine. ↩︎
  4. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). Krebsrisiko Alkohol - auch in geringen Mengen nicht unbedenklich (aufgerufen am 28.11.2025) ↩︎

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