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Laut großer Analyse

Schon ein Drink kann das Krebsrisiko steigen lassen

Laut einer großen Analyse kann Alkohol das Risiko, an Krebs zu erkranken, stark erhöhen
Laut einer großen Analyse kann Alkohol das Risiko, an Krebs zu erkranken, stark erhöhen. Foto: Getty Images/Science Photo Libra
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Isa Kabakci
Redakteur

9. Juni 2026, 13:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Viele Menschen fragen sich, ob ein Glas Wein oder Bier am Tag der Gesundheit schadet oder gar nützt. Eine neue Analyse zeigt, wie sich Alkoholkonsum auf das Risiko verschiedener Erkrankungen und Krebsarten auswirkt. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild. Während sich für einige Erkrankungen Hinweise auf geringere Risiken bei niedrigem bis moderatem Alkoholkonsum fanden, hat man bei verschiedenen Krebsarten erhöhte Risiken beobachtet. Was bedeutet das aber für den Alltag?

So haben die Forscher die Analyse durchgeführt

Wie schädlich ist Alkohol wirklich – und welche Rolle spielt er bei Krebs? Um diese Frage genauer zu beantworten, werteten die Forscher die verfügbare Evidenz zu den gesundheitlichen Folgen unterschiedlicher Trinkmengen umfassend aus. Dafür analysierten die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und insgesamt 20 Gesundheitsproblemen. Berücksichtigt wurden zehn Krebsarten – darunter Brust-, Darm-, Speiseröhren-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs –, vier Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Vorhofflimmern und Schlaganfall sowie weitere Krankheiten, darunter Typ-2-Diabetes, Demenz, Leberzirrhose und Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Bei der Untersuchung, die in der Fachzeitschrift „Nature Health“ veröffentlicht wurde, handelt es sich nicht um eine neue klinische Studie, sondern um eine sehr großangelegte systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse.1 Die Forscher führten 16 systematische Literaturanalysen durch und werteten Daten aus insgesamt 843 Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien aus, die zwischen 1961 und 2023 veröffentlicht wurden.

Besonders ist die angewandte Auswertungsmethode: Mithilfe des sogenannten „Burden of Proof“-Verfahrens berücksichtigten die Forscher nicht nur durchschnittliche Risikoänderungen, sondern auch Unterschiede zwischen den Studien, mögliche Verzerrungen und statistische Unsicherheiten. Ziel war es, die gesundheitlichen Auswirkungen von Alkohol möglichst konservativ und realistisch zu bewerten. Die Stärke der Evidenz wurde anschließend in ein leicht verständliches Sternesystem übersetzt – von schwacher beziehungsweise widersprüchlicher (0 Sterne) bis hin zu sehr starker und konsistenter wissenschaftlicher Beleglage (5 Sterne).

Alkohol erhöht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen signifikant

Die Auswertung zeigt, dass mit zunehmendem Alkoholkonsum das Risiko für nahezu alle untersuchten Erkrankungen steigt. Wie stark dieser Zusammenhang ausfällt, hängt jedoch von der jeweiligen Krankheit ab.

Am deutlichsten fiel der Zusammenhang bei Rachenkrebs (ohne Nasenrachenkrebs) aus. Das Risiko ist hier bereits bei üblichen Mengen um mindestens 105 Prozent erhöht. Für diese Krebsart fanden die Forscher die stärkste und verlässlichste Evidenz der gesamten Analyse. Bereits bei geringen Alkoholmengen stieg das Erkrankungsrisiko messbar an, und mit jeder zusätzlich konsumierten Menge nahm es weiter zu.

Ebenfalls gut belegt war ein erhöhtes Risiko für Leberzirrhose und andere chronische Lebererkrankungen, Bauchspeicheldrüsenentzündungen sowie mehrere Krebsarten, darunter Darm-, Kehlkopf- sowie Lippen- und Mundhöhlenkrebs. Für Leberzirrhose zeigte die Analyse im Bereich üblicher Konsummengen ein mindestens 40 Prozent höheres Risiko.

Auch für Speiseröhren-, Brust-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Vorhofflimmern fanden die Wissenschaftler Hinweise auf ein erhöhtes Risiko. Die Datenlage war hier jedoch weniger eindeutig. Gleichzeitig deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass geringe bis moderate Alkoholmengen mit einem niedrigeren Risiko für Typ-2-Diabetes sowie Alzheimer und andere Demenzformen verbunden sein könnten. Dieser Vorteil verschwand allerdings bei höherem Konsum wieder – bei Diabetes etwa ab einer Menge von rund vier Standardgetränken (47 Gramm) pro Tag.

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei koronarer Herzkrankheit und Schlaganfällen: Niedrige bis moderate Trinkmengen waren teilweise mit einem geringeren Risiko verbunden, während höhere Mengen das Risiko wieder ansteigen ließen. Da die Ergebnisse der einzelnen Studien jedoch teils stark voneinander abwichen, bewerteten die Wissenschaftler diese möglichen Schutzeffekte insgesamt als wenig belastbar.

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Was sich aus der Studie ableiten lässt

Die Ergebnisse unterstreichen vor allem den engen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und verschiedenen Krebsarten. Nach den Einschätzungen der Forscher steigt das Risiko für mehrere Krebsformen mit zunehmendem Konsum an. Auffällig dabei: Teilweise zeigte sich ein erhöhtes Risiko bereits bei weniger als zehn Gramm Alkohol pro Tag – das entspricht ungefähr einem Standardgetränk.

Gleichzeitig zeichnet die Analyse ein differenziertes Bild. Für einige Erkrankungen, darunter Typ-2-Diabetes, Demenz und bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, fanden die Autoren Hinweise auf mögliche Vorteile bei niedrigen bis moderaten Trinkmengen. Da die Ergebnisse ausschließlich auf Beobachtungsstudien beruhen, könnten jedoch auch andere Einflussfaktoren eine Rolle gespielt haben.

Die Forscher betonen daher, dass die Daten weder die Aussage stützen, Alkohol sei gesund, noch dass jede Konsummenge gleichermaßen schädlich ist. Die gesundheitlichen Folgen hängen von der jeweiligen Erkrankung, der konsumierten Menge und individuellen Faktoren ab.

Interessanterweise fanden die Forscher auch keine Belege dafür, dass für Frauen andere Risiko-Grenzwerte gelten sollten als für Männer – der Alkohol wirkte auf beide Geschlechter ähnlich schädlich. Die gesundheitliche Bilanz hängt zudem stark vom Alter ab: Während jüngere Menschen am ehesten ganz verzichten sollten, könnten ältere Personen laut den Forschern aufgrund ihres höheren Grundrisikos für Herzleiden von den geringen Schutzeffekten moderater Mengen profitieren.

Wichtig ist dabei: Die Ergebnisse sind keine Empfehlung, Alkohol aus gesundheitlichen Gründen zu trinken. Denn selbst bei geringen Mengen zeigte sich für mehrere Krebsarten bereits ein erhöhtes Risiko.

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Einordnung der Analyse und mögliche Einschränkungen

Die Studie zählt zu den bislang umfassendsten Analysen zu den gesundheitlichen Folgen von Alkohol. Zu ihren Stärken gehören die große Datenbasis mit 843 Studien, die systematische Auswertung der Forschungsliteratur und der sogenannte Burden-of-Proof-Ansatz, der Unsicherheiten und Unterschiede zwischen Studien besonders streng berücksichtigt.

Dennoch hat die Untersuchung Grenzen. Alle einbezogenen Arbeiten waren Beobachtungsstudien. Sie können Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht eindeutig belegen, dass Alkohol die Ursache für die beobachteten Effekte ist. Zudem basierten viele Daten auf Selbstauskünften der Teilnehmer. Unterschiede bei Lebensstil, Ernährung oder anderen Faktoren lassen sich statistisch nicht vollständig herausrechnen.

Auch verschiedene Trinkmuster – etwa gelegentliche Trinkexzesse – sowie unterschiedliche Alkoholarten hat man nicht gesondert untersucht. Die Autoren der Analyse betonen deshalb, dass man mögliche gesundheitliche Vorteile von Alkohol vorsichtig interpretieren sollte. Darauf weisen auch genetische Studien hin, die die beobachteten Schutzeffekte bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Demenz häufig nicht bestätigen konnten.

Die Autoren der Analyse erklärten, dass keine Interessenkonflikte bestehen. Finanziert wurde die Studie unter anderem von der Bill & Melinda Gates Foundation. Laut den Forschern hatte das aber keinen Einfluss auf Studiendesign, Auswertung oder Veröffentlichung.

Quellen

  1. Dai, X., Nicholson, S.I., Lawlor, H.R. et al. (2026). Health effects associated with alcohol consumption: a Burden of Proof study. Nat. Health. https://doi.org/10.1038/s44360-026-00139-5 ↩︎

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