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Wie die Ernährung mit dem Risiko für Krebs zusammenhängt

Krebs kann u. a. mit Ernährung zusammenhängen
Ernährung ist ein wichtiger Faktor unsere Gesundheit. Doch wie hängen Ernährungsweisen mit dem Risiko für Krebs zusammen? Das haben Forscher nun untersucht Foto: Getty Images
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Nuno Alves
Chefredakteur

2. März 2026, 11:13 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Ob mit Fleisch, vegetarisch oder rein pflanzlich: Seit Jahren untersucht die Forschung, wie sich eine unterschiedliche Ernährung auf das Risiko für Krebs auswirkt. Eine große, im „British Journal of Cancer“ erschienene Analyse hat diese Zusammenhänge nun für 17 Krebsarten differenziert ausgewertet.

Was hat die Studie untersucht?

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Oxford analysierte die Daten von 1.817.477 Männern und Frauen aus neun großen Langzeitstudien in Großbritannien, den USA, Indien und Taiwan.1 Die Teilnehmer wurden im Durchschnitt rund 16 Jahre lang begleitet. Verglichen wurden fünf Ernährungsformen, wobei Personen mit regelmäßigem Fleischkonsum als feste Referenzgruppe dienten:

  • Menschen, die rotes oder verarbeitetes Fleisch essen
  • Personen, die Geflügel, aber kein rotes Fleisch essen
  • Pescetarier, die Fisch, jedoch kein Fleisch essen
  • Vegetarier
  • Veganer

Wichtig ist: In den zugrunde liegenden Studien lag der Fleischkonsum im Durchschnitt im moderaten Bereich. Ein hoher Konsum wurde nicht gesondert untersucht.

Insgesamt betrachteten die Forscher 17 verschiedene Krebsarten. Bei ihren Berechnungen berücksichtigten sie zentrale Einflussfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und Körpergewicht.

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Die Ergebnisse

Die Unterschiede zeigten sich nicht bei allen Krebsarten, sondern nur bei einigen.

Krebs im Darm und der Verdauungsorgane

Beim Darmkrebs war eine pescetarische Ernährung mit einem um 15 Prozent niedrigeren Risiko verbunden. Für Veganer ergab sich hingegen ein um 40 Prozent höheres Risiko für Darmkrebs. Dieses Ergebnis basiert allerdings nur auf 93 Erkrankungsfällen und sollte deshalb vorsichtig eingeordnet werden. Zudem schwächte sich der Zusammenhang deutlich ab, nachdem die ersten vier Beobachtungsjahre aus der Analyse ausgeschlossen wurden, um mögliche Verzerrungen zu reduzieren. Als mögliche Erklärung diskutieren die Forscher eine teilweise geringe Kalziumaufnahme bei rein veganer Ernährung.

Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs war eine vegetarische Ernährung mit einem um 21 Prozent niedrigeren Risiko verbunden. In zusätzlichen Analysen verlor dieser Zusammenhang jedoch an Stärke. Eine Besonderheit zeigte sich bei einer bestimmten Form von Speiseröhrenkrebs, dem Plattenepithelkarzinom. Hier hatten Vegetarier nahezu ein doppelt so hohes Risiko. Dieser Befund stützt sich allerdings nur auf 31 Erkrankungsfälle.

Hormonabhängige Krebsarten

Beim Brustkrebs lag das Risiko bei Pescetariern um 7 Prozent und bei Vegetariern um 9 Prozent niedriger. Dieser Unterschied zeigte sich ausschließlich bei Frauen nach den Wechseljahren.

Beim Prostatakrebs war das Risiko bei Geflügelessern um 7 Prozent und bei Vegetariern um 12 Prozent niedriger. Auch hier schwächte sich der Zusammenhang in zusätzlichen Analysen ab.

Nieren- und Blutkrebs

Für Nierenkrebs ergab sich bei Pescetariern ein um 27 Prozent und bei Vegetariern ein um 28 Prozent niedrigeres Risiko im Vergleich zu Fleischessern.

Beim multiplen Myelom, einer seltenen Krebserkrankung des Knochenmarks, war eine vegetarische Ernährung mit einem um 31 Prozent niedrigeren Risiko verbunden. In weiterführenden Analysen zeigte sich dieser Zusammenhang jedoch weniger eindeutig.

Weitere Krebsarten

Für Magen, Leber, Eierstock, Gebärmutter, Blase sowie mehrere Formen von Blutkrebs fanden die Forscher keine klaren Unterschiede zwischen den Ernährungsweisen.

Auch beim Lungenkrebs ergaben sich keine Unterschiede. Diese Auswertung beschränkte sich allerdings bewusst auf lebenslange Nichtraucher, um Verzerrungen durch Rauchen auszuschließen.

Wichtig: Nach Einschätzung der Forscher gehören der Befund zum Speiseröhrenkrebs sowie das niedrigere Risiko für Nierenkrebs zu den konsistentesten Ergebnissen der gesamten Analyse. Diese Zusammenhänge blieben auch in zusätzlichen Berechnungen bestehen.

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Was bedeutet die Studie?

Die Auswertung zeigt, dass bestimmte Ernährungsweisen je nach Krebsart mit einem niedrigeren, teilweise aber auch mit einem höheren Risiko verbunden waren. Es handelt sich um beobachtete Zusammenhänge, nicht um Belege für Ursache und Wirkung. Einige Ergebnisse beruhen zudem auf einer geringen Zahl von Erkrankungsfällen und sollten entsprechend zurückhaltend interpretiert werden. Da zahlreiche Krebsarten und Ernährungsformen parallel untersucht wurden, ist zudem möglich, dass einzelne Unterschiede zufällig entstanden sind.

Wichtig ist auch: Vegetarier und Veganer wiesen in vielen Studien ein geringeres Körpergewicht auf. Da ein niedrigeres Gewicht selbst das Risiko für mehrere Krebsarten senken kann, wurde dieser Faktor statistisch berücksichtigt. In der Praxis könnten mögliche Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährung also teilweise über das geringere Körpergewicht vermittelt sein.

Schließlich unterscheiden sich Ernährungsweisen je nach Land und Kultur teils deutlich. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht uneingeschränkt auf alle Bevölkerungsgruppen übertragen. Zudem wurde die Qualität der jeweiligen Ernährungsform nicht erfasst. So könnten einzelne Teilnehmer beispielsweise viele stark verarbeitete Lebensmittel oder große Mengen Zucker konsumiert haben, was die tatsächlichen gesundheitlichen Effekte beeinflussen kann.

Fehler entdeckt? Bitte Feedback an: highway2health@fitbook.de.

Quellen

  1. Dunneram, Y., Lee, J. Y., Watling, C. Z., Lawson, I., Parsaeian, M., Fraser, G. E., Butler, F. M., Prabhakaran, D., Shridhar, K., Kondal, D., Mohan, V., Ali, M. K., Narayan, K. M. V., Tandon, N., Tong, T. Y. N., Travis, R. C., Chiu, T. H. T., Lin, M. N., Lin, C. L., Yang, H. C., … Perez-Cornago, A. (2026). Vegetarian diets and cancer risk: pooled analysis of 1.8 million women and men in nine prospective studies on three continents. British journal of cancer, 10.1038/s41416-025-03327-4. Advance online publication. https://doi.org/10.1038/s41416-025-03327-4 ↩︎

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