Gesundheitspartner
von FITBOOK

So erklärt sich der Jojo-Effekt

Warum Sie nach einer Radikaldiät nie wieder normal essen können

Frau lehnt einen Teller mit Fastfood ab
Einmal (Crash-)Diät, immer Diät – ansonsten kommen die Pfündchen schneller und nachhaltig zurück. Warum das so ist …
Foto: Getty Images

Ungesund und kontraproduktiv – das sagt man über krasse Diäten, bei denen binnen kürzester Zeit viel abgenommen wird. Und nicht ohne Grund. FITBOOK sprach mit Experten darüber, warum man immer weiter Kalorien zählen müsste, wenn man sich einmal für die schlanke Linie kasteit hat, und welche weiteren (Figur-)Probleme man sich dadurch heranzüchtet.

Um möglichst schnell ihr Wunschgewicht zu erreichen, setzen viele Menschen auf Radikalkuren. Die Tageskalorien werden ad hoc auf ein Minimum reduziert und/oder für einige Wochen verschiedene Ernährungsbausteine, beispielsweise Kohlenhydrate, vom ohnehin oft schon mickrigen Speiseplan gestrichen. Die Folge, logischerweise: Man nimmt ab – dauerhaft aber wieder zu.

Keine FITBOOK-Themen mehr verpassen – abonnieren Sie hier unseren Newsletter!

Jojo-Effekt kann zum Dauerzustand werden

„Das unzureichende Nahrungsangebot und hartnäckige Hungergefühle gaukeln dem Körper magere Zeiten vor“, erklärt uns Diplom-Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. Während der Crash-Diät reduziere der Organismus seinen Grundumsatz, „er schaltet sozusagen in den ‚Energiesparmodus‘ um. Und ist die Diät zu Ende, traut der Körper dem Braten nicht.“ Heißt: Auch wenn jetzt wieder normal gegessen wird – der Stoffwechsel läuft weiterhin auf Sparflamme und verbrennt weniger Kalorien, um Reserven ansammeln zu können – es könnte ja eine nächste Hungerperiode anstehen.

Auch interessant: Das passiert im Körper, wenn Sie auf Kohlenhydrate verzichten

Der tägliche Kalorienbedarf reduziert sich dauerhaft, wenn der Körper zu lange mit sehr wenigen Kalorien klarkommen musste. Wenn man dann wieder „normal“ isst, setzt alles schneller an.
Foto: Getty Images

Abgenommene Muskelmasse tut ihr Übriges

Auch Yannick Obenauer, Sportwissenschaftler und Coach zur Leistungsoptimierung aus Frankfurt am Main, bestätigt uns das mit dem Hungerstoffwechsel. „Durch zu häufige Diäten ‚ökonomisiert‘ man den Körper. Er lernt, mit weniger Energie zurechtzukommen, und stellt sich dauerhaft um.“

Auch interessant: Mit diesem Psychotrick können Sie DAUERHAFT abnehmen

Wer zu wenig Kalorien zu sich nimmt, verliere zuerst an Muskelmasse. Das bringe gleich mehrere unerwünschte Folgen mit sich, unter anderem „Skinny Fat“ – also dass man zwar schlank aussieht, der Körperfettanteil im Verhältnis zur degenerierten oder nicht vorhandenen Muskelmasse aber überwiegt. „Das sorgt für wenig Bindegewebsspannung im Körper“, fasst der Sportwissenschaftler zusammen. Deshalb schlackert das „dünne Fett“ unschön von Po und Beinen.

Auch interessant: Das sind die häufigsten Trainingsfehler von Männern

Muskeln verändern sich durch Diäten nachhaltig

Offenbar gehen Muskeln nicht nur zurück: Die zurückbleibenden verändern sich sogar auf struktureller Ebene, wie man unter dem Mikroskop erkennen könne. Das erklärt Dr. med. Iris Zachenhofer, Neurochirurgin und Psychiaterin am Otto-Wagner-Spital Wien, im FITBOOK-Interview. „Wer in kurzer Zeit zehn Prozent seines Gesamtgewichts abgenommen hat, riskiert den Rückgang von Mitochondrien in den Muskelzellen“, sagt sie uns. Diese dienen eigentlich als eine Art zellulärer Brennstoff und machen sie funktionsfähig.

Pommer

Wer eine Crash-Diät hinter sich hat, kann sich in puncto Essen nur schwer kontrollieren. Schuld sind (unter anderem) Hormonveränderungen
Foto: Getty Images

Crash-Diäten schaden auch dem Hirn!

„Crash-Diäten führen zudem zu Veränderungen im Hirn und einer Umstellung des Hormonhaushalts“, warnt die Ärztin. Sie kennt verschiedene Studien, die belegen, dass das Sättigungshormon Leptin selbst Monate nach abgeschlossener Crash-Diät im Blut in geringerer Menge vorliegt. Gleichzeitig bleibe Ghrelin – ein Hormon, das bei uns das Hungergefühl auslöst – nachhaltig erhöht. Die Folge: Man hat öfter Hunger und Appetit. „Wenn in kurzer Zeit viel abgenommen worden ist, erkennt der Körper das als Notsituation“, so Zachenhofer weiter. „Er trifft also Vorkehrungen, damit das verlorene Gewicht wieder zurückkommt.“

Auch interessant: Mit dieser Methode schalten Sie Heißhunger-Attacken ab

Fazit

Wer auf Nulldiäten verzichtet, muss sich mittelfristig nicht nur weniger quälen, sondern hat auch längerfristig mehr davon. Das Erfolgsrezept lautet daher: den Körper daran gewöhnen, sich dauerhaft vernünftig zu ernähren.

Anzeige: Folsäure, Vitamin B12 & Co: Wann wir welche Mikronährstoffe brauchen lest ihr hier auf dem Aktiv.Blog von ERDINGER Alkoholfrei