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Superfood-Trend

Ist Selleriesaft wirklich so gesund? Experten klären auf

Sellerie und Selleriesaft
Grünes Wunder? FITBOOK verrät, ob Selleriesaft das Zeug zum neuen „Superdrink“ hat Foto: Getty Images

Stangensellerie soll viele wertvolle Mineralstoffe beinhalten. Vor allem in Saftform will er von innen nicht nur für schöne Haut und Haare sorgen, sondern die Magenschleimhaut und auch die Zellen schützen. Mitunter wird sogar berichtet, dass er vorbeugend gegen Krebs wirksam sein soll. FITBOOK hat bei Experten nachgefragt, ob das stimmt.

Vorweg: Es gibt Knollen- und Staudensellerie. Besonders Letzterer ist bei Figurbewussten sehr beliebt. Dank seines hohen Wasseranteils hat Stangensellerie sehr wenige Kalorien (etwa 16kcal auf 100g). Vor allem in gepresster Form als Selleriesaft erlebt das Gemüse einen regelrechten Hype.

Anthony Williams – der Mann hinter dem Selleriesaft-Hype 

Dahinter steckt übrigens der Amerikaner Anthony Williams. Der behauptet von sich selbst, als „medizinisches Medium“ mit übernatürlichen Wesen kommunizieren und dadurch Krankheiten heilen zu können. Vier Ratgeber-Bücher hat er darüber geschrieben, in denen er vor allem eine Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst anpreist. Saft aus Stangensellerie hat es ihm aber besonders angetan – eines seiner Bücher widmet sich ausschließlich dem grünen Getränk und dessen vermeintlicher Wunderheilkraft.

Seine Thesen sind abenteuerlich und haben keinerlei wissenschaftlichen Rückhalt, bei seinen 2,6 Millionen Instagram-Abonnenten scheinen sie aber trotzdem Anklang zu finden. Auch Prominente wie Musiker Pharell Williams, Schauspielerin Gwyneth Paltrow oder Topmodel Naomi Campbell empfehlen seine Rezepte begeistert weiter. Ob er nun wirklich übernatürliche Heilungen vollbringen kann oder es sich eher um einen faulen Zauber mit kommerziellen Absichten handelt, weiß wohl niemand so genau – kritisch sollte man das Ganze definitiv betrachten.

Welche Inhaltsstoffe in Sellerie stecken

Aber ist Selleriesaft, abgesehen von Williams wilden Theorien, ganz objektiv betrachtet ein gesundes Getränk? Neben Wasser soll Sellerie einiges an Mineralstoffen und wertvollen Pflanzenstoffen enthalten. Dabei soll er als Saft zu bevorzugen sein, weil seine Inhaltsstoffe in flüssiger Form wohl besser vom Körper aufgenommen werden können. Man kann etwa auf dem Lifestyle-Onlineportal von „RTL“ nachlesen, dass Selleriesaft mit seinen vielen Antioxidantien die Haut von innen vor schädlichen UV-Strahlen schützen soll. „Doch nicht nur unsere Haut wird durch Selleriesaft besser“, steht es da weiter, „sondern auch unsere Nägel und Haare. Schuld daran sind das Kalium, Kalzium und Eisen.“

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Selleriesaft soll vor Krebs schützen können

Sellerie soll neben äußerlichen Benefits auch einen gesundheitsförderlichen Effekt in lebenswichtigen Bereichen unseres Körpers haben. „Sellerie verhindert, dass zu viel Magensäure produziert wird. Dadurch werden die Verdauungsorgane geschützt und die Magenschleimhaut gepflegt“, heißt es bei „RTL“ weiter. Wie genau das Gemüse dies schafft, das wird hier nicht erläutert. Jedenfalls soll es einen Pflanzenstoff namens Phthalid enthalten, der das Herz-Kreislauf-System unterstützt, indem er die Blutgefäße entspannt. Auch bringe er entzündungshemmende Eigenschaften mit, die sich positiv auf Gelenkbeschwerden auswirken sollen (etwa bei Rheuma oder Arthritis). Und selbst Krebs soll Selleriesaft vorbeugen können. Klingt schier unglaublich. FITBOOK wollte deshalb von Experten wissen, ob das wirklich stimmen kann.

Grüner Supersaft? Das sagen Experten

„Zu behaupten, Sellerie wirke gegen Krebs – da müsste man eigentlich den Presserat informieren“, echauffiert sich der renommierte Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. Denn: „Viele Menschen mit Krebs glauben in ihrer Hoffnungslosigkeit an solche Lügen.“

Knop bezeichnet die gesamte Auflistung an Vitalstoffen, wie sie bei „RTL“, aber ähnlich auch auf anderen Plattformen, nachzulesen ist, als „Sammelsurium an frei erfundenen Märchen“. Für keine der Behauptungen gebe es wissenschaftliche Beweise und „noch nicht einmal belastbare Hypothesen“.

Es stimme zwar, dass Sellerie, wie oben angeführt, Kalium, Kalzium und Eisen enthalte und diese wichtig für verschiedene Prozesse innerhalb der Zellen seien. Jene Mineralstoffe seien aber auch – und teilweise in höheren Konzentrationen – in anderen Lebensmitteln enthalten. Das mache verschiedene natürliche Lebensmittel wertvoll, aber Sellerie keinesfalls wertvoller als beispielsweise Bananen oder verschiedene Kohlsorten.

Kann man trinken, muss man aber nicht

Das einzige, was der Fachmann dem Getränk zugesteht: dass er womöglich den Durst stillen kann. Man könne es also trinken – „sofern es schmeckt“. Und mit seiner Einschätzung ist Ernährungswissenschaftler Knop nicht alleine. Auch Kollege Sven-David Müller bestätigt auf FITBOOK-Nachfrage, dass man sich das Selleriewasser (ein-)schenken kann. „Da ist nichts drin“, sagt er uns, „genauso wenig wie in Gurkenwasser. Viel Wasser, das war’s. Natürlich heilt das nichts.“

Fazit

Sellerie ist, wie die meisten Gemüsesorten, sicherlich nicht ungesund. Es spricht also nichts dagegen, Sellerie zu essen – dadurch kann man beispielsweise von seinen sättigenden und dadurch potenziell diätfördernden Eigenschaften profitieren, sagt uns Medizinjournalist Müller. Das Gemüse zu trinken, könne man sich hingegen eher sparen. Schöner oder von ewiger Gesundheit gesegnet werde man dadurch sicherlich nicht.

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