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Nährwerte im Vergleich

Sind Süßkartoffeln gesünder als normale Kartoffeln?

Süßkartoffeln und Kartoffeln sind sich ähnlich, aber längst nicht das Gleiche. FITBOOK hat die Eigenschaften der Knollen beleuchtet.
Süßkartoffeln und Kartoffeln sind sich ähnlich, aber längst nicht das Gleiche. FITBOOK hat die Eigenschaften der Knollen beleuchtet.Foto: Getty Images, Collage: FITBOOK

Zwischen Süßkartoffeln und normalen Kartoffeln gibt es nicht nur geschmackliche Unterschiede – kein Wunder, die Knollen gehören auch verschiedenen botanischen Familien an. Aber ist eine der beiden gesünder als die andere? FITBOOK hat sich die Nährwerte genau angeschaut und sorgt für Klarheit.

Süßkartoffeln und Kartoffeln sind nicht das Gleiche. Tatsächlich ist die „Süß“- mit der klassischen Kartoffel nicht einmal verwandt. „Die Kartoffel gehört zur Familie der Nachtschattengewächse“, erklärt Medizinjournalist und Diätexperte Sven-David Müller im Gespräch mit FITBOOK, „und die Süßkartoffel zu den Windengewächsen.“ Aber ob nun Süßkartoffeln gesünder sind als Kartoffeln – das lässt sich so einfach offenbar nicht beantworten.

Herkunft und Eigenschaften der Süßkartoffel

Süßkartoffeln, oft auch Bataten genannt, sind typischerweise größer. Sie haben eine rötliche Farbe und schmecken – man ahnt es – süßer als Kartoffeln. Ein weiterer Unterschied, den wohl nur die wenigsten auf dem Schirm haben: Süßkartoffeln kann man roh essen! Kartoffeln hingegen sind im ungegarten Zustand potentiell giftig.

Die Süßkartoffel gibt es bereits seit dem 16. Jahrhundert bei uns in Europa. Trotzdem kam sie vor nicht allzu langer Zeit als Ernährungstrend daher. Ihre wertvollen Eigenschaften sollen sie zur gesünderen Kartoffel-Alternative machen. Zu Recht? Wir haben mal reingeschaut.

Die Knollen im Kalorienvergleich

Die gute, alte Kartoffel kommt auf durchschnittlich 73 Kalorien à 100 Gramm. Bei der Süßkartoffel sind es etwa 86. Die paar Kalorien mehr erklären sich mit den unterschiedlichen Zuckergehalten: Süßkartoffeln bestehen zu rund 20 Prozent aus Kohlenhydraten, die sich zu mehr als vier Gramm aus reinem Zucker zusammensetzen. Bei Kartoffeln sind es nur etwa 14 Gramm Kohlenhydrate auf 100 Gramm, davon weniger als ein Gramm Zucker.

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Süßkartoffel vs. Kartoffel – der Nährstoff-Check

Wie Müller uns berichtet, liefern Süßkartoffeln mehr Vitamin A, B und Beta-Carotin als Kartoffeln. Das zeichne sie aber nicht unbedingt zum Superfood aus, „daran hat nämlich ohnehin niemand einen Mangel“. Dahingegen punktet die Kartoffel mit einem höheren Gehalt an Kalium und Eisen – zwei Mineralstoffe, bei denen Unterversorgungen bereits häufiger vorkommen. In puncto Inhaltsstoffe hat die Kartoffel also ein wenig die Nase vorn.

Welche Knolle soll man bevorzugen?

„Beide sind gesund und ideal für eine fitnessbewusste Ernährungsweise“, findet Müller. Bei der klassischen Kartoffel lobt er die sogenannte „resistente“ Stärke, die beim Abkühlen entstehen und zu unverwertbaren Ballaststoffen werden soll. Soll heißen: Die enthaltenen Kalorien werden durch Erkalten ein Stück weit unschädlich gemacht.

Süßkartoffeln haben diese Eigenschaft nicht. Dafür heißt es aber immer wieder, sie hätten einen niedrigeren glykämischen Index. Deshalb sollen sie sich behutsamer auf den Blutzuckerspiegel auswirken und den nächsten Hunger entsprechend länger warten lassen. In Sachen Kohlenhydrat- und Kaloriengehalt bleibe aber alles gleich. Wer auf Low Carb setzen und dadurch abnehmen will, dem rät Müller von Süßkartoffeln eher ab – und hin zu (erkalteten) Kartoffeln.

Kohlenhydrate aus Kartoffeln – gut oder schlecht?

FITBOOK fragte auch bei Prof. Dr. Worm nach – im Wissen, dass der Ernährungswissenschaftler und Buchautor („Flexi-Carb: Mediterran genießen“) Kohlenhydraten generell kritisch gegenübersteht. „Kartoffeln bestehen vornehmlich aus Wasser und Stärke“, erklärt er uns, „und jene Stärke wird in Nullkommanix in Traubenzucker abgebaut.“

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Die Sache mit dem niedrigeren Glyx-Wert, der Süßkartoffeln nachgesagt wird, falle nicht ins Gewicht. „Schließlich haben Süßkartoffeln auch mehr Kohlenhydrate. Deshalb ist pro Portion die glykämische Last nicht sehr unterschiedlich und aus gesundheitlicher Sicht eher irrelevant“.

Nur „ein paar Vitamine“?

Aber zurück zu den Inhaltsstoffen, die Süßkartoffeln oder Kartoffeln zur gesünderen Knolle machen würden. Beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Prof. Worm räumt ein, dass davon – neben der Stärke – auch „ein paar “ drinstecken. Man brauche aber nicht unbedingt Kartoffeln, um sie sich zuzuführen. Die Nährstoffe sie seien auch in anderen, weniger stärkereichen Gemüsesorten enthalten.

Ob nun aus (Süß-)Kartoffeln oder Getreideprodukten: Laut Prof. Worm sollten nur Menschen reichlich Kohlenhydrate zu sich nehmen, die körperliche Arbeit leisten oder viel Sport treiben und jenen Zucker gut verstoffwechseln können. „Hart arbeitende Muskeln lieben Stärke“, erklärt uns Prof. Worm weiter. Wer weniger körperlich aktiv ist, sollte seiner Meinung nach bei Kohlenhydraten zurückhaltender sein.

Ob nun Süßkartoffeln oder Kartoffeln gesünder sind, hängt in letzter Konsequenz von der Art der Zubereitung ab. Nach einem Bad in der Fritteuse sind weder die einen noch die anderen besonders figurbewusst, geschweige denn gesund. Müller warnt daher insbesondere vor den beliebten, aber eben „fetttriefend ausgebackenen“ Süßkartoffel-Pommes-frites. „Kein Superfood, sondern superfett“, konstatiert er. Gekocht oder im Ofen gegart, sieht der Fall schon etwas anders aus.

Fazit

Beide Knollen haben gute Inhaltsstoffe ­– ebenso wie Kohlenhydrate und (mitunter kritisch zu betrachtenden) Zucker. Ob und/oder wie viele Kohlenhydrate zur Ernährung gehören, ist Überzeugungssache. Manche setzen auf Proteine zu Salat (Stichwort ketogene Diät), andere lassen lieber gesunde Carbs bewusst auf ihrem Speiseplan. Bei Letzteren dürfen Kartoffeln und Süßkartoffeln – beides gute, pflanzliche Lebensmittel mit wertvollen Eigenschaften, aber eben auch stärkereich – dazugehören. Wie ballaststoffreiches Vollkornbrot auch, sollte man sie nicht im Übermaß verzehren.