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Selbstversuch, Teil 3

»2 Wochen Kohlenhydrate satt – ich bin aufgebläht und müde

Low Carb: So schlecht ging es mir mit Kohlenhydraten
Brötchen, Pasta und Kuchen – statt Low Carb landen jetzt wieder verstärkt Kohlenhydrate auf dem Teller unserer Autorin
Foto: Privat

Unsere Autorin wollte herausfinden, wie sich eine Ernährung mit unterschiedlich hohem Kohlenhydrat-Anteil auf ihren Körper auswirkt. Nach zwei Wochen Verzicht (No Carb) und zwei Wochen Low Carb gönnte sie sich nun Kohlenhydrate satt: Es gab Pizza, Pasta und Panna Cotta – und zwar nach Belieben. Wie es ihr damit ergangen ist – und welche der drei Ernährungsformen sie am Ende favorisiert, lesen Sie im dritten Teil von Anna Wengels spannendem Selbstversuchs.

Nachdem ich mich einen Monat lang nur Low Carb ernährt habe und Kohlenhydrate wegließ, kann ich diesen dritten Teil kaum erwarten: Endlich darf ich wieder essen, was auch immer ich will und nicht nur das: Ich „muss“ quasi ungesunden Quatsch wie Pizza und Kuchen essen, weil das Teil dieses Experiments ist. So hübsch ich das schlanke Ergebnis von Teil 1, meinen zwei Wochen No Carb – und Teil 2 – zwei Wochen Low Carb – finde, mehr Spaß am Essen habe ich voraussichtlich in diesen zwei Wochen: eine Ernährung aus gesunden Lebensmitteln und hin und wieder ungesunden Aussetzern. Wobei es davon wohl ein paar mehr geben wird als in meinem normalen Alltag…

2 Wochen mit Kohlenhydraten: Was auf meinem Speiseplan steht

  • Pizza, Burger, Weißbrötchen, Weißbrot, gefüllte Teigtaschen, Pasta
  • Süßkram: Kuchen, Schokolade (70 bis 85 Prozent Kakaoanteil)
  • Quinoa, Süßkartoffeln, Haferflocken
  • Fisch und Meeresfrüchte: Oktopus, Thunfisch, Garnelen, Lachs, Dorade, Surimi
  • Fleisch: Huhn, Rind, Schinken
  • Eier
  • Gemüse und Salat: Paprika, Brokkoli, Romana-Salat, Koriander, Champignons, Tomaten, Avocados, Spinat, Pimientos, Knoblauch
  • Obst: Bananen, Orangen
  • Käse: Emmentaler, Mozzarella, Camembert, Blauschimmelkäse
  • andere Milchprodukte: Milch, Joghurt, Quark, Frischkäse, Sahne
  • Nüsse: Walnüsse, Cashewkerne, Mandeln
  • Kaffee
  • Sommerrolle

Nur der Kopf will viele Kohlenhydrate

Ein erstes Ergebnis merke ich schon an Tag eins: Es ist und war vor allem mein Kopf, der sich in Teil 1 und 2 des Experiments schwergetan hat. Denn jetzt, wo ich wieder Kohlenhydrate nicht nur essen darf, sondern soll, ist es mir plötzlich überhaupt nicht mehr wichtig. Der erste Tag vergeht, ohne dass ich mich auf irgendwas großartig kohlenhydrathaltiges stürze. Als ich dann abends minimal Nudeln im Salat habe, freut mich das ein bisschen, aber auch nicht so richtig.

Am Ende des Tages kommt er dann aber doch: der Zuckerwunsch. Da ist dieser eine Kuchen, auf den ich mich gefreut habe. Und den muss ich dann am Abend noch kaufen und essen. Der ist so unfassbar süß. Das war früher nicht so. Vielleicht schon, aber meine Zuckernerven sind definitiv sensibilisiert – und schon nach ein paar Bissen reicht es dann auch schon. Das ist neu.

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Von Low Carb zu Pizza, Bier und Panna Cotta

Tag zwei ist wenig aufregend, ich pirsche mich weiterhin nur minimal an die Kohlenhydrate heran. Ich mag meine Diät aus Salat oder Gemüse und vor allem Fisch und Meeresfrüchten, wieso nicht damit weitermachen? Ich muss es ja auch nicht übertreiben. Sage ich an Tag zwei – und breche das dann an Tag drei. Der endet genau so, wie ich mir das Diät-Brechen vorgestellt hatte: Mit Pizza und Bier. Die Pizza schmeckt unfassbar gut. Nach zwei Stücken bin ich satt (definitiv ein Novum für mich), will aber nicht aufhören, zu essen. Sie ist zu gut. Also esse ich weiter und weiter und weiter. Bis der Teller leer ist – und mein Gürtel auf den Bauch drückt. Vorher war da mehr Platz.

Einfach weil ich darf, teile ich mir danach noch eine Panna Cotta mit meinem Freund. Und merke das wenig später. Schon als ich ins Bett gehe, fühlt sich mein Magen nicht gut an, ich schaffe es aber, einzuschlafen. Nach ein paar Stunden wache ich auf – und spüre Pizza, Bier und Dessert wie den buchstäblichen Stein im Magen liegen. Da habe ich es wohl übertrieben. Und das wundert mich nicht. Nach vier Wochen komplett gesundem und auch eher wenig Essen, war die Pizzabombe etwas zu viel. Lecker war sie aber trotzdem und ich bereue sie nicht. Vielleicht bin ich die nächsten Tage trotzdem wieder ein bisschen vorsichtiger.

An Tag vier halte ich mich etwas zurück. Wobei das nur bedeutet, dass ich insgesamt weniger esse. Kohlenhydrate kommen auch heute auf den Teller: Und zwar in Form eines halben Brötchens, einer halben gefüllten Teigtasche, ein paar Stücken Süßkartoffel und eines halben Stücks Schokokuchen. Dazu gibt es über den Tag verteilt Fisch, Salat, Eier, Gemüse und Käse. Den ganzen Tag über achte ich auf meine Unterschenkel. Genau das wollte ich ja testen, weil ich den Verdacht habe, dass Stärke, besonders in Form von Weißmehl, für Schwellungen sorgt. Meine Unterschenkel schwellen den ganzen Tag über nicht an. Dafür ist der Bauch ein bisschen aufgebläht, der war bis jetzt komplett flach.

Hungrig, energielos, schlechte Haut und dicke Beine

So richtig merke ich meinen Kohlenhydratausflug dann an Tag fünf. Trotz ausreichend Schlaf wache ich müde und hungrig auf. Das gefühlte Carb-Koma hält den ganzen Tag an, ich kann mich kaum auf etwas konzentrieren. Und auch an meinen Beinen spüre ich es: Meine Unterschenkel fühlen sich deutlich angespannter an. Messen lässt sich der Unterschied bisher aber nicht. Anscheinend braucht mein Körper also mindestens zwei Tage Stärke und Zucker, dann reagiert er mit Schwellungen und einem Aufgeblähtsein-Gefühl. Das müde und aufgeblasene Gefühl hält an. Bis zum Ende.

Auch meine Haut ist schlechter als zu Low-Carb-Zeiten. Das merke ich ab Tag sieben, von dem an sie wieder leichte Unreinheiten zeigt. An diesem Tag reduziere ich die Kohlenhydrate wieder ein bisschen und esse nur früh ein Sandwich. Der Rest des Tages bleibt low carb – und das fühlt sich gleich besser an. Auch am achten Tag noch, an dem meine Kohlenhydrate vor allem von Quinoa und einer Banane kommen – und in der Menge immer noch als low carb, also unter 100 Gramm Kohlenhydraten, gelten. Müde bin ich am nächsten Tag trotzdem und obendrauf auch noch ziemlich sensibel und ständig hungrig.

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Am Abend darf dann wieder eine fette Kohlenhydratbombe auf meinen Teller: Ein Burger mit Blauschimmelkäse und dazu Süßkartoffelchips. Das schmeckt ziemlich gut und macht mich glücklich. Ich bin pappsatt  – und gehe einmal mehr mit vollem Bauch ins Bett. Nicht einmal an ein Dessert ist an diesem Abend mehr zu denken. Anscheinend hat sich hier etwas verändert. Zumindest erinnere ich mich nicht daran, dass ich jemals so voll von einem Burger gewesen wäre. Mein Körper muss sich erst wieder umstellen – oder vielleicht auch besser nicht.

Weißmehl tut ganz klar nicht gut

Den zehnten Tag gestalte ich wieder low carb, mit einer Ausnahme: einem Weißbrötchen als Kohlenhydrat- und Stärketestobjekt. Und das (vermutlich plus das Burger-Brötchen vom Vorabend) merke ich dann den gesamten nächsten Tag über: Ich bin müde und kann mich nur schwer konzentrieren. Mein Körper fühlt sich alles andere als gut an. Ich fühle mich schlapp, angeschwollen und bin wahnsinnig hungrig. Heute messe ich dann nochmal nach – und tatsächlich: Sie Unterschenkel sind wieder einen halben Zentimeter dicker; an der Taille messe ich sogar plus 2,5 Zentimeter!

Müde und angeschwollen geht es weiter bis kurz vor Ende. Erst am 13. Tag (nachdem ich mich am zwölften wieder richtig gesund und low carb ernährt habe) geht es mir wieder besser. Meine Haut ist zwar weiterhin schlechter, ich fühle mich aber nicht mehr so aufgeblasen – mit Ausnahme meines immer noch aufgeblähten Bauchs. Mein Körper ist zumindest minimal fitter. Besser fühlend beende ich dieses Experiment am 14. Tag mit Eiern, Käse, Gemüse und Fisch über den Tag verteilt und einer Portion Pasta zum Abendbrot.

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Was macht Weißmehl mit dem Körper?

Rückblickend scheinen gerade meine Unterschenkel immer dann angeschwollen zu sein, wenn ich Brötchen, Brot oder Kuchen gegessen habe. Gerade Weißmehl möchte ich mir jetzt nochmal genauer anschauen. Hierzu lese ich beim „Zentrum für Gesundheit”, dass Weißmehl, etwa in Form von Brot, Nudeln oder Keksen, keine Vitamine und kaum Mineralstoffe enthält, dafür aber jede Menge Kohlenhydrate. Weißmehl scheint der Todfeind einer jeden gesunden Ernährung zu sein, wandelt es sich im Körper sofort in Zucker um und lässt so den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen. Schwankungen des Blutzuckerspiegels gelten als „Mitursache für Heißhungerattacken, Übergewicht, Akne, Hormonstörungen und vieles mehr”. Und das ist längst nicht alles. Neben dem Blutzucker ist Weizen auch schlecht für das Herz, die Augen und die Galle, fördert Rheuma und macht generell dick und süchtig.

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Und wie erklären sich jetzt meine angeschwollenen Unterschenkeln? Antwort habe ich unter anderem bei Ernährungscoach Olena König gefunden. Die erklärt: „Alle Kohlenhydrate werden am Ende des Stoffwechselvorgangs zur Glukose (Zucker) verstoffwechselt.“ Der Zucker diene zum einen der Energiegewinnung in den Körperzellen, etwa den Muskeln und dem Gehirn, zum anderen speichern Leber und Muskeln ihn auch in Form von Glycogen (hebt den Blutzuckerspiegel, Gegenspieler von Insulin Anm. d. Red.): „Diese Speicherung des Glukagons hat auch eine Speicherung vom Wasser zur Folge, da Zucker wasseranziehend ist“, schreibt die Expertin. So werden unter „normalen Umständen“ rund vier Kilo Ernährungs-bedingtes Wasser im Körper gespeichert, die man schnell abnimmt, lässt man kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Nudeln, Brot und Co. weg.

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Meine normale kohlenhydratarme Ernährung ohne Weißmehl erklärt das Phänomen der anschwellenden Beine. Verzichte ich auf Brot, Pizza, Kuchen und Co., verliert mein Körper Wasser. Nehme ich sie zu mir, speichert er das Wasser ab. Einen ähnlichen Effekt wie Zucker hat übrigens auch Salz, das ebenfalls Wasser bindet.

Das Messergebnis

Wie schon im ersten und zweiten Teil dieses Selbstversuchs, habe ich mich auch am Ende des dritten auf die Waage gestellt und diverse Körperpartien nachgemessen. Dieses Mal ist das Ergebnis nicht allzu überraschend – kann ich auch ohne Waage und Maßband sehen, dass ich durch meinen Ausflug in die Kohlenhyratwelt zugenommen habe. Die Waage bestätigt das mit rund einem Kilo mehr. Das Maßband zeigt mir wo: ein Zentimeter an den Oberschenkeln, drei am Po, zwei an der Hüfte, einer an der Taille, zwei an der Brust und einer im Gesicht. Und was machen die Unterschenkel? Die haben in den zwei Wochen einen Zentimeter zugenommen. Meine Zwischenmessungen und das Ergebnis jetzt machen deutlich, dass es Salz, Zucker und besonders Weißmehl sind, die sie anschwellen lassen.

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Mein Fazit

Nach den Entbehrungen der letzten vier Wochen habe ich mich riesig darauf gefreut, die Diät mit Pizza, Kuchen und Co. zu brechen. Und klar, all diese Dinge haben auch gut geschmeckt und mir im Moment Spaß gemacht. Körperlich allerdings überhaupt nicht. Mir ging es physisch im Vergleich zu den anderen Teilen des Selbstversuchs am schlechtesten. Ich hatte deutlich weniger Energie und dabei ständig Hunger (das Gegenteil war der Fall, als ich mich low carrb ernährte). Außerdem wurde meine Haut zusehends schlechter und zugenommen habe ich auch. Ich habe mich in diesen zwei kohlenhydratbetonten Wochen fast durchgehend aufgebläht und angeschwollen gefühlt und je nach Kohlenhydrat-Art und -Menge reagierten meine Beine mit Angespanntsein. Vor allem Weißmehl in Form von Brötchen oder Brot hat ganz klar diesen Effekt. Fast genauso extrem reagiere ich auf Haushaltszucker. Und auch Salz (ein Ergebnis aus Teil 2) lässt meine Unterschenkel, mein Gesicht und meinen Bauch anschwellen.

Was mache ich jetzt mit dem Ergebnis? Ich gehe zurück zu Teil 2 des Tests: Low Carb. Die Ernährung aus hauptsächlich Fisch, Fleisch, Gemüse, Salat, Eiern, Milchprodukten und hier und da Quinoa und Süßkartoffeln gefällt mir und fühlt sich gut an. Ungesunde Ausnahmen wie Pizza, Pasta, Brötchen und Co. erlaube ich mir, aber nur selten und wenn mein Körper danach verlangt. Im Grunde gehe ich also zurück zu der Ernährung, die ich auch vor dem Selbstversuch schon favorisiert habe. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich in Zukunft noch verstärkt auf Gemüse setze und den Zucker reduziere. Nach diesem Experiment ist mir nochmal mehr klar, dass Zucker eine Schwachstelle für mich und hier mehr Achtsamkeit angesagt ist.

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