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Kaffee, Rotwein, Schwarztee

Lebensmittel, die die Eisenaufnahme im Körper hemmen

Wer auf die Idee kommt, die Eisentablette mit der ersten Tasse Kaffee runterzuspülen, sollte das ganz schnell sein lassen
Wer auf die Idee kommt, die Eisentablette mit der ersten Tasse Kaffee runterzuspülen, sollte das ganz schnell sein lassenFoto: Getty Images, Collage: FITBOOK

Kaffee und Orangensaft gehören für viele zum perfekten Frühstück – wer unter Eisenmangel leidet und dementsprechende Präparate einnimmt, sollte aber auf eines der Lebensmittel verzichten: Denn Kaffee hemmt nachweislich die Eisenaufnahme. Und nicht nur der.

Man fühlt sich schlapp, ist ständig müde, leidet unter eingerissenen Mundwinkeln oder Haarausfall: Wer schon mal von Eisenmangel betroffen war, weiß, wie unangenehm das sein kann. Wurde die Mangelerscheinung diagnostiziert, werden meist Präparate in Tablettenform verschrieben. Durch sie sollen die körpereigenen Speicher mit dem Spurenelement wieder aufgefüllt werden. Einige Lebensmittel helfen bei der oralen Therapie, andere hemmen hingegen die Eisenaufnahme im Körper. Warum das Glas Orangensaft hilft und weshalb Kaffee nicht in Kombination mit Eisentabletten getrunken werden sollte, lesen Sie hier.

Warum braucht mein Körper Eisen? 

Eisen ist für uns Menschen lebensnotwendig. Es hilft, Sauerstoff im Blutkreislauf zu transportieren. Dieser ist an das Eisen in den roten Blutkörperchen gebunden und wird so im Körper verteilt. Das ist neben der Blutbildung die wichtigste Aufgabe des Eisens. Außerdem ist das Spurenelement wichtig für die zelluläre Energieversorgung, die DNA-Synthese und die Abwehr von Infektionen. Kurzum: Ohne Eisen funktioniert unser Körper nicht, wie er sollte.

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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. empfiehlt pro Tag folgende Eisenzufuhr:

– Jugendliche Männer bis 19 Jahren: 12 mg
– Männer ab 19 Jahren: 10 mg
– Frauen von 10 bis 51 Jahren: 15 mg
– Frauen ab 51 Jahren: 10 mg
– Schwangere: 30 mg
– Stillende: 20 mg

Wichtig bei diesen Werten ist, dass eine Unterschreitung der empfohlenen Zufuhr nicht direkt einen Mangel bedeutet – ein weit verbreitetes Missverständnis. So hat die letzte groß angelegte Nationale Verzehrsstudie (2008) gezeigt, dass rund 14 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen unter der empfohlenen Tageszufuhr bleiben. Ein richtiger Eisenmangel liegt in Europa allerdings nur bei 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung vor, meistens bei Frauen. Denn alleine durch die Regelblutung können sie im Monat bis zu 40 Milligramm des wichtigen Spurenelements verlieren. Etwa 20 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter sind von der Mangelerscheinung betroffen.

Worauf muss ich bei der Einnahme von Eisenpräparaten achten?

Ob man an einem Eisenmangel leidet, ist durch eine Blutuntersuchung ermittelbar. Nach einer ärztlichen Diagnose kann die Mangelerscheinung etwa durch Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform, durch Dragees oder mit einem Flüssig-Präparat behandelt werden. Allerdings müssen diese über mehrere Monate konsequent eingenommen werden. Denn: Auch wenn orale Eisensubstitutionen meist mit einer Anfangsdosis von 50 bis 100 Milligramm Eisen pro Tag verschrieben werden, kann der Körper davon effektiv nur 5 bis 10 Prozent aufnehmen.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizi­nische Onkologie kann die Dauer der Therapie deshalb – je nach Schwere des Eisenmangels – Wochen bis Monate dauern. Das Problem: Häufig klagen Behandelte über Beschwerden wie Magenschmerzen und Übelkeit, Verstopfungen oder Durchfall. Ein guter Grund also, darauf zu achten, wie man seine Eisenpräparate einnimmt, damit die Therapie nicht länger als unbedingt nötig dauert.

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Kaffee, Tee und Rotwein – Lebensmittel, die die Eisenaufnahme hemmen können

Wer beispielsweise auf die Idee kommt, morgens schnell ein oder zwei Eisentabletten mit der ersten Tasse Kaffee runterzuspülen, sollte das ganz schnell sein lassen. Denn die in Kaffee enthaltenen Gerbstoffe hemmen die Eisenaufnahme erheblich. Ähnlich verhält es sich mit Tanninen. Auch das sind pflanzliche Gerbstoffe, die beispielsweise in Rotwein, Schwarztee und Grünem Tee enthalten sind. Expert*innen raten deshalb dazu, 30 bis 60 Minuten vor und nach einer eisenreichen Mahlzeit oder der Einnahme eines Präparates unbedingt auf Kaffee und Tee zu verzichten.

Und wer bisher dachte, Spinat sei ein Eisenbooster, hat sich gründlich getäuscht: Die in ihm enthaltene Oxalsäure, die auch in Kakao, Rote Bete oder Rhabarber vorkommt, verträgt sich nicht gut mit dem Spurenelement. Weitere Eisenräuber sind Calcium (v. a. in Milchprodukten enthalten) und Phosphat (beispielsweise in Cola). Und auch von Soja-, Weißmehlprodukten und anderen Phytinsäure-Quellen wird in Kombination mit Eisenprodukten abgeraten.

Vorsicht gilt auch bei der Einnahme von magensäureneutralisierende Medikamente und zusätzlichen Mineralstoffpräparaten, etwa Calcium-Tabletten oder Magnesiumpulver. Auch sie hemmen die Aufnahme von Eisen im Körper. Wer täglich verschieden Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt, sollte dies also keinesfalls gleichzeitig tun.

Eine ganz schön lange Liste! Im Optimalfall werden die Präparate deshalb gleich ganz auf nüchternen Magen eingenommen. Am Morgen hieße das beispielsweise eine halbe Stunde bis Stunde vor dem Frühstück, am Rest des Tages erst zwei Stunden nach einer Mahlzeit.

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Vitamin C sorgt für eine optimale Eisenaufnahme

Vitamin C fördert die Resorption von Eisen. Wer seine Eisentabletten beispielsweise mit einem Glas Orangen- oder Zitronensaft zu sich nimmt, verbessert dadurch die Aufnahme des Spurenelements im Körper. Das gleiche gilt für ein Vitamin-C-haltiges Stück Obst oder Gemüse.

In einigen Substitutionspräparaten ist Vitamin C bereits zur besseren Eisenaufnahme beigefügt. Auch Folsäure und B-Vitamine sind oft schon enthalten – optimal für Menschen, die kein Obst mögen, Allergien haben oder sich bei der Einnahme ihres Präparates nicht zu viele Gedanken machen möchten.

Kann ich zu viel Eisen zu mir nehmen?

In Drogeriemärkten und Apotheken sind Eisen-Präparate frei verkäuflich, trotzdem sollte eine Einnahme nur nach ärztlicher Anweisung erfolgen. Denn wer über einen langen Zeitraum eine zu hohe Dosis Eisen zu sich nimmt, riskiert eine chronische Eisenüberversorgung. Und die könnte laut BfR das Risiko für Herz- oder Krebserkrankungen erhöhen. Durch die Ernährung alleine kann das nicht passieren: Hier fährt der Körper die Aufnahme automatisch runter, wenn seine Eisenspeicher gefüllt sind.