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Angeblich ein Superdrink

Ist Selleriesaft wirklich so gesund?

Sellerie und Selleriesaft
FITBOOK verrät, ob Selleriesaft das Zeug zum neuen „Superdrink“ hat
Foto: Getty Images

Stangensellerie soll viele wertvolle Mineralstoffe beinhalten. Vor allem in Saftform will er von innen nicht nur für schöne Haut und Haare sorgen, sondern die Magenschleimhaut und auch die Zellen schützen. Mitunter wird sogar berichtet, dass er vorbeugend gegen Krebs wirksam sein soll. FITBOOK hat bei Experten nachgefragt, ob das stimmt. Das Ergebnis: Zu schön, um wahr zu sein...

Vorweg: Es gibt Knollen- und Staudensellerie. Und vor allem Letzterer ist bei Figurbewussten sehr beliebt. Dank seines hohen Wasseranteils hat Stangensellerie sehr wenige Kalorien (nur etwa 16kcal auf 100g). Deshalb soll es sich lohnen, ihn häufig zu snacken – er füllt den Magen, der sonst nach weiteren, womöglich kalorienreicheren Lebensmitteln verlangen könnte.

Nicht nur kalorienarm, sondern auch gesund?

Neben Wasser soll Sellerie einiges an Mineralstoffen und wertvollen Pflanzenstoffen enthalten. Dabei soll er als Saft zu bevorzugen sein, weil seine Inhaltsstoffe in flüssiger Form wohl besser vom Körper aufgenommen werden können. Man kann etwa auf dem Lifestyle-Onlineportal von RTL nachlesen, dass Selleriesaft mit seinen vielen Antioxidantien die Haut von innen vor schädlichen UV-Strahlen schützen soll. „Doch nicht nur unsere Haut wird durch Selleriesaft besser“, steht es da weiter, „sondern auch unsere Nägel und Haare. Schuld daran sind das Kalium, Kalzium und Eisen.“

Selleriewasser soll vor Krebs schützen können

Laut RTL-Informationen soll Sellerie neben äußerlichen Benefits auch einen gesundheitsförderlichen Effekt in lebenswichtigen Bereichen unseres Körpers haben. „Sellerie verhindert, dass zu viel Magensäure produziert wird. Dadurch werden die Verdauungsorgane geschützt und die Magenschleimhaut gepflegt“, so RTL weiter. Wie genau das Gemüse dies schafft, das wird hier nicht erläutert. Jedenfalls soll es einen Pflanzenstoff namens Phthalid enthalten, der das Herz-Kreislauf-System unterstützt, indem er die Blutgefäße entspannt. Auch bringe er entzündungshemmende Eigenschaften mit, die sich positiv auf Gelenkbeschwerden auswirken sollen (etwa bei Rheuma oder Arthritis). Und selbst Krebs soll Selleriesaft vorbeugen können.

Klingt schier unglaublich. FITBOOK wollte deshalb von Experten wissen, ob das wirklich stimmen kann.

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FITBOOK sprach mit Experten

„Zu behaupten, Sellerie wirke gegen Krebs – da müsste man eigentlich den Presserat informieren“, echauffiert sich der renommierte Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. Denn: „Viele Menschen mit Krebs glauben in ihrer Hoffnungslosigkeit an solche Lügen.“

Knop bezeichnet die gesamte Auflistung an Vitalstoffen, wie sie aktuell bei RTL – aber ähnlich auch auf anderen Plattformen – nachzulesen ist, als „Sammelsurium an frei erfundenen Märchen“. Für keine der Behauptungen gebe es wissenschaftliche Beweise und „noch nicht einmal belastbare Hypothesen“.

Es stimme zwar, dass Sellerie, wie oben angeführt, Kalium, Kalzium und Eisen enthalte und diese wichtig für verschiedene Prozesse innerhalb der Zellen seien. Jene Mineralstoffe seien aber auch – und teilweise in höheren Konzentrationen – in anderen Lebensmitteln enthalten. Das mache verschiedene natürliche Lebensmittel wertvoll, aber Sellerie keinesfalls wertvoller als beispielsweise Bananen oder verschiedene Kohlsorten.

Kann man trinken, muss man aber nicht

Das einzige, was der Fachmann dem Getränk zugesteht: dass er womöglich den Durst stillen kann. Man könne es also trinken – „sofern es schmeckt“. Und mit seiner Einschätzung ist Ernährungswissenschaftler Knop nicht alleine. Auch Kollege Sven-David Müller bestätigt auf FITBOOK-Nachfrage, dass man sich das Selleriewasser (ein-)schenken kann. „Da ist nichts drin“, sagt er uns, „genauso wenig wie in Gurkenwasser. Viel Wasser, das war’s. Natürlich heilt das nichts.“

Fazit

Sellerie ist, wie die meisten Gemüsesorten, sicherlich nicht ungesund. Es spricht also nichts dagegen, Sellerie zu essen – dadurch kann man beispielsweise von seinen sättigenden und dadurch potentiell diätfördernden Eigenschaften profitieren, sagt uns Medizinjournalist Müller. Das Gemüse zu trinken, könne man sich hingegen eher sparen. Schöner oder von ewiger Gesundheit gesegnet werde man dadurch sicherlich nicht.