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von FITBOOK

Von wegen Superfood!

Kokosöl ist ungesünder, als viele glauben

Zerschlagene Kokosnuss
Kokosöl ist das einzige Fett, das bei Raumtemperatur eine feste Konsistenz hatFoto: Getty Images

Kokosöl schmeckt nicht nur gut, sondern soll auch viele gesundheitliche Vorteile haben. Es soll entzündungshemmend wirken, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und dazu noch beim Abnehmen helfen. Klingt nach „Superfood“. Aber was kann Kokosöl wirklich? FITBOOK hat das exotische Öl mal genauer unter die Lupe genommen.

Kokosöl und gesättigte Fettsäuren

Kokosöl wird aus dem Fleisch der Kokosnuss gewonnen und ist bei Raumtemperatur eine weiße, feste Masse. Erst ab einer Temperatur von etwa 25° Grad verflüssigt sich das Fett. Im Gegensatz zu anderen handelsüblichen Ölen (wie Raps- oder Olivenöl) hat Kokosöl einen deutlich höheren Anteil an gesättigten Fettsäuren, nämlich ganze 90 Prozent. Und das sehen viele Wissenschaftler kritisch.

Eine hohe Zufuhr an gesättigten Fettsäuren soll nämlich den Cholesterinspiegel und dadurch das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen erhöhen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt zum Beispiel, den Verzehr von gesättigten Fetten (darunter auch: Butter, Palmfett, Milchprodukte sowie Fleisch- und Wurstprodukte) auf maximal zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr zu beschränken.

Auch interessant: Warum man den Cholesterinspiegel checken lassen sollte

Mittlerweile diskutieren Wissenschaftler aber darüber, ob die Pauschalaussage, dass alle gesättigten Fette ungesund sind, so überhaupt richtig ist. Der renommierte Ernährungswissenschaftler und Buchautor Prof. Dr. Nicolai Worm sagt beispielsweise klipp und klar: Der menschliche Körper braucht gesättigte Fettsäuren, da diese wichtige Energielieferanten sind und zudem entzündungshemmend wirken (mehr dazu in unserem Ratgeber zu gesunden Speiseölen).

Fest steht: Je nach Länge der Fettsäure unterscheidet man verschiedene Unterkategorien von gesättigten Fetten. Kokosöl zum Beispiel hat einen hohen Anteil an mittellangen Fettsäuren. Und diese Art von Fetten wird sehr schnell in der Leber verstoffwechselt. Das hat zur Folge, dass sie im Vergleich zu anderen Nahrungsfetten nicht so leicht in Körperfett umgewandelt werden. Aber heißt das auch, dass man dank Kokosöl Pfunde verlieren kann?

Kann Kokosöl beim Abnehmen helfen?

Kokosöl wird also schneller verstoffwechselt als andere Nahrungsfette. Das bedeutet aber erstmal nur, dass Energie schneller zur Verfügung steht – und nicht, dass es direkt beim Abnehmen hilft. Denn: Genau wie andere Nahrungsfette auch enthält Kokosöl in erster Linie einiges an Kalorien. Um genau zu sein 100-120 kcal pro Esslöffel (die normale Portionsmenge).

Auf der anderen Seite weiß man mittlerweile, dass der menschliche Körper bei der Verstoffwechselung von Kokosöl zusätzliche Energie verbraucht (Wissenschaftler sprechen hier vom thermischen Effekt der Verdauung). Auch wenn das positiv klingt, fällt der praktische Nutzen dieser Eigenschaft insgesamt gering aus. Gegenüber anderen Fetten tritt beim Verzehr von Kokosöl nämlich nur ein zwei Prozent höherer Energieverbrauch auf. Im Klartext heißt das: Bei einem Esslöffel Kokosöl spart man gerade einmal zehn Kalorien ein. Wer also zu seiner normalen Ernährung regelmäßig Kokosöl verzehrt, der nimmt in erster Linie unnötige Zusatzkalorien zu sich. Ersetzt man hingegen Nahrungsfette, die man ohnehin schon verzehrt, mit Kokosöl, kann ein minimal positiver Effekt auf das Gewicht entstehen. Dennoch sollten sich Personen mit dem Ziel Gewichtsabnahme primär auf die Reduzierung der Gesamtkalorien konzentrieren.

Kokosöl und Herz-Kreislauf-Gesundheit

Ein neuseeländisches Team von Wissenschaftlern hat 2016 alle vorhandenen Studien über Kokosöl und dessen Auswirkung auf die Herzgesundheit untersucht. Darüber hinaus wurde die Wirkung mit anderen Ölen und Fetten wie Butter, Olivenöl und Distelöl verglichen. Das Ergebnis: Die Mehrzahl der Studien fand heraus, dass Kokosöl zwar das ‚gute’ Cholesterin HDL erhöht, gleichzeitig aber auch das ‚schlechte‘ LDL und das Gesamtcholesterin ansteigen. Da insbesondere die letzten beiden Parameter zur Risikobewertung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen herangezogen werden, empfiehlt die ‚American Heart Association’ in einem aktuellem Statement, Kokosöl tendenziell zu meiden. 

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Wie sieht es bei anderen Gesundheitsaspekten aus?

  • Entzündungshemmend: Tatsächlich konnten mehrere Studien eine entzündungshemmende Wirkung von Kokosöl nachweisen. Allerdings fällt dieser positive Effekt eher gering aus und die langfristigen Auswirkungen sind noch weitestgehend unbekannt.
  • Vitamine: Während Pflanzenöle wie Olivenöl und Rapsöl signifikante Mengen an Vitamin A und Vitamin E enthalten, kommen in Kokosöl nahezu keine Vitamine vor.
  • Herstellung: Ein Vorteil von Kokosöl besteht darin, dass dieses in der Regel sehr schonend hergestellt wird. Im Vergleich zu vielen anderen Pflanzenölen (z.B. Sonnenblumenöl und Rapsöl) liegt Kokosöl fast nur in nativer Form vor. Das bedeutet, das Öl kalt gepresst wird und keine gesundheitsschädlichen Chemikalien bei der Herstellung hinzugegeben werden – definitiv ein Pluspunkt.
  • Braten: Im Vergleich zu anderen Ölen hat das exotische Öl aus der Kokosnuss einen niedrigeren Rauchpunkt. Dieser weist darauf hin, bei welcher Temperatur sich die Struktur eines Fettes ändert – und schädliche trans-Fettsäuren entstehen. Für das Kokosöl bedeutet das: Man kann es zwar trotzdem zum Kochen verwenden, aber bitte nicht zur Zubereitung mit sehr hohen Temperaturen, etwa beim Backen oder beim scharfen Anbraten von Steaks. 

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Fazit

Ein Superfood ist Kokosöl definitiv nicht! Das gut riechende, weiße Öl kommt mit positiven wie negativen Eigenschaften daher. Insgesamt ist der Effekt auf die Gesundheit eher neutral bis leicht negativ zu bewerten. In kleineren Mengen kann Kokosöl ohne schlechtes Gewissen verzehrt werden. Grundsätzlich sind andere Fettquellen wie natives Ölivenöl, Nüsse und Avocado allerdings gesünder – und sollten bevorzugt werden.