Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Nachgefragt beim Fitnessprof

Wie wichtig ist Aufwärmen vor dem Training?

Frau beim Stretching
Dehnübungen gehören seit Jahren zum Training, aber haben sie wirklich einen Sinn?Foto: Getty Images

Der Sinn des Aufwärmens und Dehnens wird immer wieder hinterfragt. Der Fitnessprofessor beseitigt – wie immer – Unklarheiten und gefährliches Halbwissen!

Studienlage eindeutig: Aufwärmen vor dem Training macht Sinn!

Neuere Studien haben ergeben, dass Aufwärmen vor dem Training unerlässlich für eine gesteigerte Leistungsfähigkeit ist. Durch die Aktivierung laufen im Körper einige Prozesse ab, welche diesen auf die darauffolgende Belastung einstimmen und zusätzlich Verletzungen vorbeugen: Das vegetative Nervensystem wird angeregt, die Blutgefäße weiten sich, an der Muskelkontraktion beteiligte Stoffe werden vermehrt ausgeschüttet, und die Gelenke werden durch die Gelenkflüssigkeit auf die Beanspruchung vorbereitet.

Um eine optimale Wirkung zu erzeugen, sollte das Aufwärmprogramm individuell auf den Menschen und spezifisch auf das Training abgestimmt sein. Konkret bedeutet dies, dass man seinen Körper je nach Defizit dehnt oder kräftigt, und das Warm-up sportarten- und übungsspezifisch gestaltet. Beim Joggen ist die Beanspruchung des Körpers anders als beim Krafttraining!

Aufwärmen beim Handball
Das Aufwärmen sollte immer spezifisch stattfindenFoto: Getty Images

Sollte man sich beim Warm-up dehnen?

Das Thema Dehnung beim Aufwärmen vor dem Training wird seit vielen Jahren heiß diskutiert. Während man bis in die 2000er-Jahre noch in fast jedem Sport eine statische Dehnung als Grundlage einer Verletzungprophylaxe ansah, hat man in den letzten zehn Jahren eher Zweifel daran gestreut und mehr auf Mobilisationsübungen und dynamisches Stretching gesetzt.

Auch interessant: Warum die Faszienrolle ideal fürs Warm-up ist

Wie so häufig im Leben, scheint die Wahrheit allerdings in der Mitte zu liegen. Und so können Sie getrost alles davon verwenden, insofern es für Ihren Sport bzw. Ihre sportliche Aktivität sinnvoll ist.

Um dies am Beispiel des Krafttrainings zu erklären, stellen Sie sich zwei verschiedene Übungen vor: Beim Bizeps-Curl, also dem Beugen des Arms gegen ein Gewicht bzw. eine Hantel, bräuchten Sie wahrscheinlich gar keine Dehnung im Vorfeld, da sie den gesamten Bewegungsradius auch so erreichen können. Bei der Kniebeuge hingegen, gerade wenn Sie mal etwas tiefer in die Hocke (sehr effektiv!) gehen wollen, sollten Sie Ihre Beweglichkeit vorher allerdings verbessern. Ob Sie dies aber über Dehnübungen, Mobilisationsübungen oder Faszientechniken machen, ist wahrscheinlich zweitrangig!

Weitere Informationen finden Sie hier im Video:

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Zur Person: Prof. Dr. Stephan Geisler ist Professor für Fitness & Health Management an der IST-Hochschule in Düsseldorf und Dozent für Olympisches Gewichtheben an der Deutschen Sporthochschule Köln. Dort promovierte er auch im Bereich der molekularen Sportmedizin. Sein Schwerpunkt in Forschung und Lehre liegt im Krafttraining. Er bildet seit über 15 Jahren Studenten und Fitnesstrainer aus und ist Autor verschiedener internationaler Fachpublikationen. Auf seinem YouTube-Kanal Fitnessprofessor und bei Facebook gibt er Tipps und Tricks für Sportler und Trainer.