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„Stärkster Mann Deutschlands“

Dennis Kohlruss: »Vor dem Wettkampf futtere ich täglich 7000 bis 8000 Kilokalorien

Strongman Dennis Kohlruss
Kraftsportler Dennis Kohlruss ist „stärkster Mann Deutschlands“ und hat schon die nächsten Ziele vor AugenFoto: Marcel Kübler

Dennis Kohlruss (33) ist offiziell der „stärkste Mann Deutschlands“. Doch schon richtet er sein Auge auf die nächsten Ziele. Welche das sind, wie er trainiert, was er isst und vieles mehr erzählte der Kraftsportler jetzt im FITBOOK-Interview.

2021 war für Strongman Dennis Kohlruss definitiv ein erfolgreiches Jahr. Im dritten Versuch gewann er die „Deutsche Meisterschaft der Strongman“. Damit ist er nun offiziell der „stärkste Mann Deutschlands“. Ein Grund, sich jetzt erst einmal auszuruhen? Nicht für den 33-Jährigen. Den Sportler hat schon wieder der Kampfgeist gepackt. Was eine 138-Kilo-Hantel damit zu tun hat? Das hat Dennis Kohlruss im Gespräch mit FITBOOK erzählt. Außerdem verriet er Details zu seiner Workout-Routine, seiner Ernährung und sprach über mentale Herausforderungen.

»Für mich ist ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen

FITBOOK: Sie haben die Strongman-Meisterschaft gewonnen. Wie fühlt es sich an, der „stärkste Mann Deutschlands“ zu sein?
Dennis Kohlruss: „Das ist ein lang gehegter Traum. Ich habe lange dafür gekämpft und war zweimal zweiter, bin ganz knapp am Titel vorbeigerutscht. Es hört sich vielleicht etwas martialisch an, wenn man der ‚stärkste Mann‘ in diesem Land ist. Aber es gehört ja auch viel Technik dazu und es ist ein recht komplexer Sport. Um auf die Frage zurückzukommen: Ich fühle mich gut und wie an einem Ziel angekommen. Aber jetzt möchte ich natürlich auch noch weitergehen.“

Worauf kommt es beim Training als Strongman besonders an?
„Der Strongman-Sport ist sehr umfangreich, mit vielen Disziplinen. Deswegen muss man vor allem seine Grundkraft trainieren. Wenn man die aufgebaut hat, geht man über in die spezifischen Disziplinen des Wettkampfs. Diese sind von Wettkampf zu Wettkampf nämlich sehr unterschiedlich.“

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»Ein Strongman muss wie ein Chamäleon sein

Wie sieht Ihre Trainingsroutine aus?
„Ich sage immer, dass ein guter Strongman wie ein Chamäleon sein muss. Die Basis muss gut sein, aber du musst dich für jeden Wettkampf umbauen können. Das bedeutet für mich: vier bis fünf Mal die Woche trainieren. Drei Tage lang sind Grundübungen dran und zwei Tage trainiere ich täglich zwei der im Wettkampf gefragten Disziplinen. So ist grob meine Trainingsstruktur. Dagegen gibt es Athleten, die trainieren nur Grundkraft und dann in dem Monat vor dem Wettkampf nur noch die Events, die drankommen.“

Was sind typische Übungen für die Grundkraft?
„Ganz klassisch ist das Kreuzheben, also die Hantel aus dem Rücken und den Beinen heraus anheben. Dann noch die Kniebeuge. Hinzukommt Bankdrücken. Das sind auch die drei Übungen des klassischen Kraftdreikampfs, also des Powerliftings. Beim Strongman ist aber auch noch das Überkopfdrücken des Gewichtes wichtig. Das ist oft Teil von Wettkämpfen.“

Wie halten Sie es dann kurz vor einem Wettkampf mit dem Training?
„Ich mache knapp drei Tage vor einem Wettkampf gar nichts mehr. Nur ein bisschen Mobilisierung und ein bisschen dehnen, damit man geschmeidig bleibt. Aber man sollte den Muskeln und vor allem dem Nervensystem ein bisschen Ruhe gönnen vor einem Wettkampf.“

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»3 Tage vor dem Wettkampf Hände weg von den Gewichten

Und wenn man es doch mal mit dem Training übertreibt?
„In der Vergangenheit habe ich den Fehler gemacht und habe am Tag vorher noch ein bisschen trainiert und herumprobiert. So kurz vor einem Wettkampf geht einem ja auch die Sause und man zweifelt, ob man bestimmte Disziplinen schafft. Dann probiert man am Tag vorher doch noch Übungen aus. Doch dabei zerschießt du dir dann am Wettkampf eher das Nervensystem. Daher würde ich jedem empfehlen: Ab drei Tage vorher Pause machen. Ein bisschen schwimmen und spazieren gehen, um den Kopf freizukriegen. Aber Hände weg von den Gewichten.“

Neben dem Training ist auch die Ernährung wichtig. Worauf kommt es bei einem Strongman an?
„Während der Vorbereitung auf einen Wettkampf, also so die zwei Monate davor, muss man mit den Kalorien hochgehen. Mir sagt mein Körper, wenn ich zu wenig esse und mehr Kohlenhydrate brauche. Vor dem Wettkampf futtere ich schon täglich so 7000 bis 8000 Kilokalorien. Allein schon, weil man so viel trainiert, dann kommen noch Gewicht und Körpergröße dazu. Wenn man in das Techniktraining während der Off-Season geht, keine Wettkämpfe hat und an seinen Schwächen arbeitet, dann braucht man nicht diesen gnadenlosen Kalorienüberschuss. Da isst man, wenn man Hunger hat.“

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»Da geht man halt zum Bauern in der Nachbarschaft und holt sich 200 Eier

Was kommt denn bei Ihnen so auf den Teller?
„Ich versuche, die Kalorien so sauber wie möglich aufzunehmen. Das heißt, ich gucke, dass ich ordentliches Fleisch, Reis und Eier esse. Die Lebensmittel sollten möglichst unverarbeitet sein. Da geht man halt zum Bauern in der Nachbarschaft und holt sich 200 Eier und portioniert sich das. Genauso auch mit dem Fleisch. Ich persönlich bin sehr spartanisch, was das Essen angeht. Ich bin niemand, der noch ein Gürkchen oder eine Soße oder so etwas dazu braucht. Ich bin da recht simpel und auch kein Kochfan. Das muss einfach schnell und praktisch sein. Essen ist halt eher funktional und weniger eine Freude. Aber natürlich esse ich auch mal einen Döner oder Burger. Bei meinem Sport kommt es ja nicht darauf an, ob man nun 15 oder 20 Gramm Körperfett hat, es ist ein Performance-Sport und es kommt nicht darauf an, möglichst jeden Muskel zu sehen.“

Worauf können Sie nicht verzichten?
„Bei mir ist es zum Beispiel weniger die Schokolade. Bei mir sind es die Getränke. Ich trinke gerne Cola. Da muss man dann gucken, dass nicht so viel Zucker drin ist, also trinke ich eher die Zero-Variante. Dann heißt es aber: Ja, in Zero ist auch nichts Gutes drin. Aber ich kann einfach kein blankes Wasser trinken. Es muss etwas mit Geschmack sein, selbst im Training. Darauf kann ich nicht verzichten.“

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Dennis Kohlruss hat sich eine 138-Kilo-Hantel bauen lassen

Haben oder hatten Sie ein Vorbild?
„Ich habe vor meiner Karriere mal eine Dokumentation über den Schweden Magnus Samuelsson gesehen, über die ‚World’s strongest arms‘. Als ich das gesehen habe, war ich hin und weg. Ich habe seine Videos gesuchtet und bin dann über ihn und andere Athleten in diesen Sport reingekommen.“

Der Name Louis Cyr ist ebenfalls in der Strongman-Szene verankert. Wer ist das, und was hat es mit der Übung auf sich, die nach ihm benannt wurde?
„Die Übung wurde nach Louis Cyr benannt, einem Franco-Kanadier, der 1863 geboren wurde. Damals war der Kraftsport vor allem zur Belustigung ein Teil des Zirkus und Louis Cyr hat ihn dabei den Menschen nähergebracht. Der hat diese 274-Pfund-Hantel – das sind 124,5 Kilo – einarmig über den Kopf gedrückt. Heute gibt es deshalb die Louis-Cyr-Hantel. Diese Hantel haben bisher zehn oder elf Leute auf dieser Welt über den Kopf drücken können. Dabei setzt man sich die Hantel auf die Schulter und versucht, die dann irgendwie mit dem Schwung aus den Beinen einarmig über den Kopf zu stemmen.“

Wow! Und das schaffen Sie?
„Das habe ich mittlerweile schon dreimal hintereinander, also in einem Satz, gemacht. Mittlerweile habe ich mir eine eigene bauen lassen, die wiegt 138 Kilogramm. Das meinte ich mit den Zielen: Schafft man das eine, schon will man mehr.“

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»Ich bin ein Kopfmensch

Wenn man so etwas schaffen will – und generell im Strongman-Sport – da ist doch sicher auch mentale Stärke wichtig?
„Es gibt zwei unterschiedliche Typen im Kraftsport. Es gibt die Kopfmenschen und die Draufgänger. Ein Draufgänger zieht es einfach durch und dann gibt es die Leute, die nachdenken. Zum Beispiel darüber, dass das Gewicht, wenn der Winkel falsch ist, herunterfallen und einen erschlagen könnte. Zu diesen zähle ich. Viele sagen mir: ‚Dennis, du könntest mehr heben, wenn du ein bisschen wilder wärst während des Hebens.‘ Aber ich versuche, technisch sauber zu bleiben. Denn ich kenne andere Athleten, die draufgängerischer sind, und bei denen fliegt dann durchaus mal ein Muskel weg. Dann gehen sie zum Arzt, werden aufgeschnitten, der Muskel wird wieder drangenäht und drei Monate später sind sie wieder am Start.“

Als Kopfmensch gehen Sie einen anderen Weg?
„Ich versuche, nachhaltiger vorzugehen und denke mehr nach. Das bedeutet, dass ich bei einer Übung immer versuche, mehr Kraft aufzubauen, als nötig wäre. Dann habe ich Kraftüberschuss, falls die Technik mal nicht funktioniert. So kann ich zum Beispiel die Hantel abfangen und sie fällt mir nicht auf den Kopf. Da bin ich schon vorsichtiger.“

Strongman Dennis Kohlruss

„Reign“-Markenbotschafter Dennis Kohlruss holte sich 2021 den Titel „stärkster Mann Deutschlands“Foto: Marcel Kübler

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Dennis Kohlruss vertritt Deutschland international

2021 war für Sie ein erfolgreiches Jahr. Was sind nun Ihre nächsten sportlichen Ziele?
„Über den Winter werde ich an meinen Schwächen arbeiten und dann im nächsten Jahr am ‚World‘s Strongest Man‘ teilnehmen. Dort möchte ich ins Finale einziehen. Das haben wir als Land lange nicht mehr geschafft. Das wäre ein Ritterschlag. Wenn ich ihn dann noch gewinnen würde, wäre das natürlich … Aber die Konkurrenz ist riesig. Wer weiß? Alles kann passieren.“

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