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Selbsttest von FITBOOK-Autorin

„Funktioniert Reformer-Pilates zu Hause – ohne teures Gerät? Ich habe es ausprobiert“

Kann man Reformer-Pilates auch zu Hause machen – ohne das Gerät?
FITBOOK-Autorin Nina Ponath hat Reformer-Pilates als Home-Workout-Varianten ausprobiert – mit Handtüchern, TRX und Foam Roller Foto: Getty Images/Georgiy Datsenko
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Nina Ponath
Freie Autorin

26. Juli 2025, 17:59 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Reformer-Pilates für zu Hause? Ich habe es ausprobiert – mit Handtuch, Foam Roller und TRX.

Reformer-Pilates boomt. Kein Wunder, denn kaum ein Training wirkt so sanft und stilvoll, während es den Körper gleichzeitig bis ins Tiefste fordert. Es ist kraftvoll, fließend und fühlt sich irgendwie elegant an – wie Tanzen in Zeitlupe, aber mit richtig viel Muskelarbeit. Dazu kommen die Community und die schöne Atmosphäre in den Studios. Ich persönlich liebe es. Eine Sache, die mich trotz aller Verliebtheit stört, ist der ganze Aufwand drumherum: Erst ins Studio fahren, dann wieder zurück, das alles für knapp eine Stunde Training, die mit rund 35 Euro auch nicht gerade günstig ist. So gut das Training ist, lockt mich Reformer Pilates deshalb nicht regelmäßig.

Vielleicht muss man für Reformer-Pilates ja aber auch gar nicht ins Studio. Kann man Reformer-Pilates nicht irgendwie auch zu Hause trainieren – ganz ohne das teure Gerät? Wenn es nach YouTube geht, soll das möglich sein. Wer nach „Reformer Pilates at home“ sucht, findet dort jedenfalls eine ganze Welt voller Handtücher, Gymnastikbänder, Foam Roller und sogar TRX-Bänder zur Antwort. Vier Workouts habe ich für FITBOOK genauer unter die Lupe genommen und den Selbstversuch gewagt.

10-Minuten-Reformer-Inspiration – mit Handtüchern

Mein erstes Video ist ein Pilates-Quickie: Gerade mal zehn Minuten dauert das Reformer-Pilates-Workout von Fitness-Queen Lilly Sabri für zu Hause, in dem man den Reformerschlitten mit zwei Handtüchern ersetzt. Diese werden unter die Füße gelegt und los geht’s. Das Training besteht aus Übungen wie Side Lunges, Planks und kontrollierten Ausfallschritten, bei denen die Handtücher auf dem Boden als Widerstand dienen. Das Ganze sieht auf den ersten Blick etwas albern aus, ist aber deutlich fordernder als gedacht. Die langsame, kontrollierte Bewegung verlangt meiner Muskulatur einiges ab – vor allem in den Oberschenkeln und im Core. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, mit der Haltung nicht einzufallen. Zehn Minuten später bin ich durch und fühle mich schön erfrischt. Gegen eine Stunde auf dem Reformer kommt dieser Trainings-Quickie natürlich nicht an, aber als schneller, bewegter Start in den Tag, als kurze Pause vom Schreibtisch oder als knackiges Add-on nach dem Laufen macht sich das Workout super.

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30 Minuten Power-Pilates mit dem Foam Roller

Nach meiner ersten positiven Reformer-Home-Workout-Erfahrung traue ich mich an Fitness-Influencerin Marie Steffen heran. Ihr Workout ist mit 30 Minuten länger. Als Hilfsmittel wird hier ein Foam Roller verwendet, der als Untergrund genutzt wird. Die Übungen variieren von klassischen Side Planks über Glute Bridges bis hin zu kontrollierten Lunges. Dabei wird der Foam Roller je nach Übung mal unter den Rücken, mal unter die Füße oder die Hände platziert, wodurch das Training wortwörtlich auf wackeligen Beinen steht. Das fordert die Tiefenmuskulatur und macht das Training deutlich intensiver. Ich ertappe mich dabei, wie ich mehrmals ins Wackeln gerate – besonders bei den einbeinigen Variationen. Das langsame Tempo verlangt durchgehend Spannung im gesamten Körper und ist anstrengender, als ich dachte. Obwohl die Bewegungen teilweise vertraut wirken, bekommen sie durch das instabile Element eine neue Dimension. Das Training fühlt sich strukturiert, fordernd und überraschend „reformerartig“ an – zumindest, was die Muskelaktivierung betrifft.

TRX meets Pilates – kontrolliertes Brennen für Fortgeschrittene

Ich besitze schon länger einen TRX-Schlingentrainer. Als ich zum ersten Mal beim Reformer-Training war, fiel mir sofort auf, dass sich die Schlingen ähnlich nutzen lassen, wie die Bänder am Reformer. Diese Ähnlichkeit ist offenbar nicht nur mir aufgefallen; auf YouTube hatten schon mehrere Fitness-Influencer die Idee, ein „Reformer Pilates“-Training am TRX zu machen. Ich suche mir ein Workout, das auf den ersten Blick erst mal kein großes Highlight ist: kein fancy Hintergrund, keine Musik, kein Timer. Nur der Schlingentrainier und eine Athletin, die sich weder namentlich vorstellt noch sonst großartig versucht, im Mittelpunkt zu stehen. Das muss sie auch gar nicht, denn das Workout spricht für sich selbst. Das Training beginnt mit einbeinigen Lunges, geht über in Planks mit schwebenden Füßen und endet in kontrollierten Halteübungen, bei denen ich gefühlt jede Muskelfaser aktivieren muss. Der Schlingentrainer wird dabei so eingesetzt, dass die Muskeln sowohl stark gedehnt als auch gestärkt werden. Bei den Schwebeübungen wird der Core permanent gefordert – ohne Spannung sinkt man sofort durch. Ich merke, wie mein Bauch arbeiten muss und meine Schultern am liebsten nach vorn kippen wollen. Ich bleibe stark und spüre am Ende des 45-minütigen Trainings jede einzelne Muskelfaser. Das TRX-Workout ist das technisch anspruchsvollste der vier getesteten Video-Workouts. Es verlangt viel Körperbeherrschung und ist für Anfänger vermutlich nicht ideal. Aber: Die Bewegungsmuster erinnern wirklich stark an den Reformer oder an einen Pilates-Cadillac.

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Reformer-Pilates auf der Matte

Last but not least probiere ich ein 35-minütiges Video von „PilatesBodyRaven“. Der Titel verspricht „Reformer auf der Matte“, ganz ohne Reformer. Stattdessen in der Hauptrolle: ein Pilates-Ball und eine kleine Kurzhantel. Das Workout ist ruhig, durchdacht und folgt einer klaren Struktur. Squats, Lunges, Einbein-Übungen und kontrollierte Bewegungen, bei denen die Hilfsmittel gezielt zur Instabilität beitragen. Die Übungen sind nicht besonders komplex, aber durch die Langsamkeit und den Fokus auf Technik wird es zunehmend anstrengend. Ich fühle mich wie in einer echten Pilates-Stunde – allerdings bleibt das Atmen für meinen Geschmack zu sehr außen vor.

Was taugen die Reformer-Alternativen wirklich?

Und damit sind wir auch beim Knackpunkt: Bei allen Videos fällt mir auf, dass die Atmung, Kontrolle und der Kern von Pilates, das „Powerhouse“, oft nur nebenbei erwähnt oder gar nicht angesprochen werden. Dabei ist die Atmung zentraler Bestandteil von Pilates – gerade auf dem Reformer. Die Kombination aus Einatmen in die seitlichen Rippen und Ausatmen bei Kraftphasen unterstützt nicht nur die Bewegung, sondern auch die Tiefenmuskulatur. Ohne dieses Element fühlt sich das Training oft eher wie ein klassisches Bodyweight-Workout an, das sicherlich auch seine Daseinsberechtigung hat, aber eben kein Pilates ist.

Nina Ponath
Freie Autorin

Kreative Ideen für Reformer-Pilates ohne Gerät – aber weit weg vom Original

„Nach vier sehr unterschiedlichen Einheiten bleibt mein Eindruck gemischt: Ja, man kann von Reformer-Pilates inspirierte Workouts zu Hause machen – mit einfachen Hilfsmitteln wie Handtüchern, Foam Rollern oder TRX-Bändern. Und diese können tatsächlich herausfordernd, abwechslungsreich und effektiv sein. Was mir allerdings fehlt, ist die Tiefe des echten Reformer-Trainings: die bewusste Atmung, die gezielte Federkraft, die millimetergenaue Ausrichtung. Das, was Reformer-Pilates so besonders macht, ist schwer zu ersetzen.

Dazu kommt, dass Reformer-Pilates für mich nicht nur vom Sport an sich lebt. Es ist eher die Mischung aus sozialem Get-together mit Menschen mit ähnlichen Interessen, stylischen Studios und diesem speziellen Gefühl, mit seinen Freundinnen beim Kaffeetrinken abzuhängen – nur dass man dabei eben Sport macht. Das können YouTube-Videos in den eigenen vier Wänden nicht leisten.

Trotzdem: Wer flexibel trainieren will, keine knapp 40 Euro pro Einheit zahlen möchte und ein wenig experimentierfreudig ist, findet in diesen Online-Workouts definitiv spannende Alternativen. Für ein echtes Reformer-Gefühl werde ich aber wohl doch gelegentlich ins Studio zurückkehren müssen. Oder vielleicht doch mal über eine eigene kleine Home-Maschine nachdenke?“

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