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Studienanalyse

Steigert Musik die Leistungsfähigkeit beim Sport?

Musik beim Sport verbessert die Leistungsfähigkeit.
Verbessern Sie gezielt Ihre Leistungsfähigkeit mit der richtigen Musik Foto: Getty Images
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Carolin Berscheid

17. September 2025, 14:02 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

In Fitnessstudios läuft Musik, beim Yoga erklingt leise Hintergrundmusik und fast jeder Läufer, der einem auf der Straße begegnet, hat Kopfhörer im oder auf den Ohren. Offensichtlich lieben Menschen Musik beim Sport. Doch gibt es tatsächlich einen wissenschaftlich belegbaren Nachweis dafür, dass Musik die Trainingsleistung verbessert?

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Studien zeigen: Wer Musik beim Sport hört, ist leistungsfähiger

Studien, die sich mit dem positiven Zusammenhang zwischen Musik und der sportlichen Leistungen befassen, existieren viele. Im Zuge einer Untersuchung ließen brasilianische Forscher 15 Läufer 5-Kilometer-Läufe absolvieren – mit und ohne Musik. Ergebnis: Wer Musik hörte, lief die ersten zwei Runden schneller. In den folgenden Runden glichen sich die Zeiten dann zwar an, dennoch zeigte sich am Ende trotzdem, dass Läufe mit Musik auf die ganze Distanz zu einer leicht besseren Zeit führten.1

Eine Studie der University of Southern Queensland liefert ebenfalls interessante Rückschlüsse zu Musik beim Sport: So untersuchten die australischen Forscher 139 bereits bestehende Forschungsergebnisse, in denen die Wirkung von Musik während des Trainings auf die Performance beleuchtet worden war. Ausgenommen wurden Sportarten, bei denen Musik ein direkter Bestandteil ist, etwa Tanzen, Gymnastik oder Eiskunstlauf. Das Team um Professor Peter Terry, Dekan für Forschung und Innovation an der University of Southern Queensland, stellte vier mögliche Auswirkungen von Musik fest: psychologische Reaktionen, physiologische Reaktionen, psychophysische Reaktionen sowie Veränderung der sportlichen Leistungen.2

Auch beim Krafttraining!

2018 lieferte eine weitere Studie Erkenntnisse und diesmal speziell im Bereich Krafttraining. Ein britisches Forscherteam untersuchte 16 trainierte Personen beim Bankdrücken und Kniebeugen unter verschiedenen Bedingungen: ohne Musik, mit Metal, mit elektronischer Tanzmusik (EDM) und mit selbstgewählter Musik. Das Ergebnis fiel differenziert aus:

  • Selbstgewählte Musik schnitt in fast allen Punkten am besten ab: Die Probanden schafften damit mehr Wiederholungen bei mittlerer Belastung (60 bis 70 Prozent des Maximalgewichts) und empfanden das Training nicht als anstrengender.
  • Metal-Musik lag im Mittelfeld: Auch hier kam es zu leichten Leistungssteigerungen gegenüber dem Training ohne Musik – allerdings nicht so ausgeprägt wie bei selbstgewählten Songs.
  • EDM (elektronische Tanzmusik) zeigte den geringsten Nutzen und führte sogar zu einer höheren wahrgenommenen Anstrengung. Die Trainingsleistung stieg zwar leicht, aber nicht so stark wie bei den anderen Genres.

Insgesamt zeigte sich, dass Musik zwar nicht die Schnellkraft oder Geschwindigkeit bei explosiven Übungen verbessert – bei Übungen mit mittlerer Intensität aber sehr wohl mehr Wiederholungen ermöglicht. Entscheidend dabei: Die Wirkung hängt stark davon ab, welche Musik gehört wird.3

Auch interessant: Hemmt Ausdauertraining den Muskelaufbau?

Musik und ihre Wirkung auf die Psyche

Dass Musik eine messbare Auswirkung auf die Laktatbildung, die Sauerstoffzufuhr oder die Herzfrequenz während des Trainings hat, ist bislang nicht erwiesen. Und dennoch konnten andere körperliche Veränderungen festgestellt werden, die die Leistungssteigerung beim Training erklären.

Grund dafür ist der sogenannte psychosomatische Effekt, den Musik auf uns hat. Vertraute Melodien oder Stimmen, Klänge oder Texte verbinden wir automatisch mit einer Situation aus der Vergangenheit, einer Person oder einem Gefühl. Es werden beim Hören also Assoziationen hervorgerufen und als Reaktion darauf eine Emotion in uns ausgelöst. Diese wiederum sorgt für spürbare körperliche Reaktionen, die sich auf verschiedene Arten und Weisen bemerkbar machen. Etwa durch eine Veränderung der Hauttemperatur und Hautfeuchtigkeit, einer Auswirkung auf die Körperhaltung oder aber durch eine Veränderung des Muskeltonus, dem Spannungszustand der Muskulatur, der sich je nach Musik verstärkt oder lockert.

Die Wirkung von Musik beim Sport ist also ein psychologischer Effekt, an den aber nachweislich eine durch die Klangreize hervorgerufene Reaktion des neurovegetativen Systems gekoppelt ist. Das neurovegetative System steuert Körperprozesse, die nicht durch unseren eigenen Willen ausgeführt, sondern durch das Nervensystem bestimmt werden, so etwa unsere Hautatmung.

Dieser psychosomatische Effekt von Musik beim Sport kann auch eine Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit bewirken. Das zeigten etwa auch Studien mit sowohl Marathonläufern als auch Laufeinsteigern, die in beiden Fällen ihre Leistung unter Einfluss von Musik um bis zu 15 Prozent steigerten.

Musik nicht nur während, sondern auch vor dem Sport hören

Übrigens sollte man nicht nur auf Musik während des Trainings setzen – auch vor dem Sport kann Musikhören effektiv sein. So kann man damit etwa positive Emotionen und Erinnerungen wecken, die zu einem ausgeglicheneren, konzentrierteren Zustand führen sollen. Auch kann ruhige, lockere Musik dabei helfen, Anspannungen zu lösen sowie Nervosität und Unruhezustände zu verringern.

Auch als eine Form der Meditation vor dem Sport lässt sich Musikhören einsetzen, um sich so ganz gezielt mental auf das Training vorzubereiten. Dass dies funktioniert, zeigt eine Studie: Forscher fanden heraus, dass Musikhören vor dem Sport die sogenannte Vagotonie reduziert.4 Das ist ein Zustand unseres vegetativen Nervensystems, in dem der Körper stark auf Ruhe und Erholung konzentriert ist. Sowohl unsere körperliche als auch die geistige Aufmerksamkeit werden durch das Musikhören erhöht und Sportler empfinden dadurch einen größeren Antrieb und mehr Begeisterung für ihre bevorstehende körperliche Anstrengung.

Auf diesen Effekt setzen übrigens auch Spitzensportler aus allen Bereichen. Sowohl vor Leichtathletik-Wettkämpfen als auch vor Fußballspielen sieht man viele Athleten mit Kopfhörern.

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Worauf man bei der Workout-Playlist achten sollte

Aber gibt es eigentlich die optimale Trainings-Playlist? Jein. Das ist nämlich sehr individuell. Für die Musik beim Sport eignen sich vor allem vertraute und beliebte Songs, mit denen man selbst etwas Positives verbindet, etwa eine Person oder auch ein Gefühl wie etwa Kraft, Willensstärke oder Ausdauervermögen. Das ist bei jedem unterschiedlich.

Wichtig ist allerdings, Songs mit einer angemessenen Geschwindigkeit auszusuchen. So passt sich unsere Bewegung beim Sport automatisch dem Rhythmus der Musik an. Ist diese zu langsam, kann das unnötig ausbremsen, zu schnelle Songs bergen andererseits die Gefahr, dass man sich zu sehr verausgabt.

Ebenfalls sollte man auf die Reihenfolge sowie das Zusammenspiel ruhiger und energetischer Lieder achten. Aus wissenschaftlicher Sicht wird für intensives Krafttraining oder auch einen Wettkampf empfohlen, etwa 80 Prozent schnelle und antreibende Songs und 20 Prozent ruhigere, entspannte Musik auf die Playlist zu packen. Weiß man also bereits vorher, wie intensiv das Training aussehen soll und wie viele Tempo- und Ruhephasen es beinhalten wird, kann man sich vorab gezielt die optimale Workout-Playlist erstellen.

Das hört unsere Redaktion beim Sport am liebsten

Musikgeschmäcker sind bekanntlich verschieden und beim Sport ganz besonders. Das war zumindest der Eindruck, als wir einige Kollegen aus der BOOKs-Redaktion nach ihrer Lieblingsmusik zum Laufen, Pumpen und Co. gefragt haben.

Julia Freiberger (FITBOOK)

„Kommt bei mir ganz auf die Übung an: Wenn ich mit Gewichten trainiere, brauche ich meistens russischen oder deutschen Rap – der pusht mich am besten. An den Geräten darf’s auch mal Techno sein. Am Ende mache ich oft Bodyweight-Übungen und baue ein bisschen Ballett mit ein, dazu passt für mich klassische Musik perfekt. Also: ziemliche Abwechslung bei mir im Training.“

Lena Hackauf (myHOMEBOOK)

„Ich trainiere nicht besonders gerne im Fitnessstudio, daher ist motivierende Musik für mich unverzichtbar, wenn ich allein bin. Am liebsten höre ich dabei 80s- und 90s-Hits, Pop und R’n’B. Der Beat pusht mich, macht gute Laune – und meistens kann ich auch noch mitsingen.
Ganz anders ist es beim Reiten: Da höre ich keine Musik. Motivation brauche ich dort nicht, und außerdem kann ich so meiner Reitlehrerin besser zuhören.“

Felix Mildner (myHOMEBOOK)

„Wenn ich mal gehe, höre ich meistens üblen Death Metal – gegen den inneren Schweinehund.“

Adrian Mühlroth (TECHBOOK)

„Ich brauche beim Training immer Abwechslung, aber prinzipiell sind Dub, HipHop, Drum’n’Bass und Reggaeton dabei – und die gelegentlichen Outlier.“

Woon-Mo Sung (TECHBOOK)

„Schnell, laut, treibend und vorwärtspeitschend: Wenn ich beim Workout die Extraportion Motivation brauche, pumpe ich am liebsten meine aktuelle Lieblings-Band Wargasm aus London. Die machen eine flotte Mischung aus Metal und Elektro, bei dem sich Schreien und harmonischer weiblicher Gesang die Waage halten. Die Kombination klingt wie aus einem Cyberpunk-Anime und spornt an!“

Nele Wegner (TECHBOOK)

„Ich mag schnelle und energievolle Musik beim Sport, am liebsten Metal oder Rock.“

Quellen

  1. Bigliassi, M., León-Domínguez, U., Buzzachera, C. F., et al. (2015). How Does Music Aid 5 km of Running? The Journal of Strength and Conditioning Research. ↩︎
  2. Terry, P. C., Karageorghis, C, I., Curran, M. L., et al. (2019). Effects of Music in Exercise and Sport: A Meta-Analytic Review. ResearchGate. ↩︎
  3. Moss, S. M., Enright, K., Cushman, S., (2018). The influence of music genre on explosive power, repetitions to failure and mood responses during resistance exercise. ScienceDirect. ↩︎
  4. Biagini, M. S., Brown, L. E., Coburn, J. W., et al. (2012). Effects of Self-Selected Music on Strength, Explosiveness, and Mood. The Journal of Strength and Conditioning Research. ↩︎

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