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Redakteurin startet Challenge

Das wird hart! Ich will 10 Kilometer in unter 45 Minuten laufen

Von der Hobbyläuferin zur Athletin – ob Redakteurin Anna dieser Sprint gelingt?
Von der Hobbyläuferin zur Athletin – ob Redakteurin Anna dieser Sprint gelingt?Foto: privat, Getty Images

Du läufst wie eine Giraffe, das wird nichts! Genau das hat mir vor Jahren ein Lauftrainer an den Kopf geschleudert. Ich war so entmutigt, dass ich für immer stehenbleiben wollte. Zum Glück kam es anders. Und jetzt will ich es wirklich wissen: Kann ich von der Spaß- zur ambitionierten Hobbyläuferin werden und zehn Kilometer in unter 45 Minuten schaffen? Ihr könnt mich ab jetzt auf diesem Weg begleiten.

Ich bin Anna, eine von über fünf Millionen HobbyläuferInnen in Deutschland. Wir gehen regelmäßig joggen, um Stress abzubauen, klare Gedanken zu fassen, weil wir es genießen, wenn die Lunge pfeift, weil wir etwas für unseren Körper und unsere Gesundheit tun möchten – oder uns einfach nur auf den Glücksmoment danach freuen, wenn sich unsere Glieder wie die großen Sommerferien anfühlen und träge an unserem Körper baumeln. Es gibt viele Gründe, zu laufen, und uns Läufer eint, dass wir dieser Art der Anstrengung irgendetwas Positives abgewinnen können.

In den vergangenen 15 Jahren habe ich mir ein Tempo von 5:05 Minuten pro Kilometer erarbeitet. Diese Durchschnittszeit bedeutet, dass man im Block eines Volkslaufes nicht mehr ganz hinten startet – und vor allem, dass man auf zehn Kilometer die 50-Minuten-Marke knacken kann. Bei mir war es im Oktober 2019 so weit: 49:51 beim The Great 10k in Berlin. Plötzlich lief es! Ein Gefühl, als hätten sich alle Probleme auf einmal gelöst. Ich weiß noch, wie ich es damals jedem erzählt habe, ob es ihn oder sie interessierte oder nicht. Ich war irrsinnig stolz und kam mir in diesem riesigen Pulk von passablen Läufern vor wie die schnellste Maus von Mexiko. Was natürlich Quatsch ist. Ich war eine schnelle Giraffe. Und von mir aus sah ich auch aus wie eine.

Kurz davor, für immer stehenzubleiben

Die Geschichte dazu muss ich euch erzählen, denn sie war der Wendepunkt in meinem Läuferdasein. Vor ein paar Jahren hatte ich das Schnuppertraining eines bekannten Lauftrainers in Berlin besucht. Neulinge ließ er vorlaufen und als ich an der Reihe war, brach er nach 30 Metern ab mit den Worten: „Du läufst wie eine Giraffe. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob wir das hinbekommen.“ Wumms. Zwar durfte ich anschließend noch beim 1200-Meter-Tempotest antreten, aber da war schon klar, dass er mich nicht in seiner Lauftruppe haben wollte. Im Gegensatz zu einer anderen Schnupperläuferin, die er demonstrativ vor mir für ihren athletischen, ökonomischen Laufstil lobte.

Dieser Laufpapst weiß vermutlich nicht, was er damals angerichtet hat: Ich wollte aufhören, vor lauter Scham nie wieder laufen. Stehenbleiben. Dass es anders kam, habe ich dieser anderen Läuferin zu verdanken, die heute meine beste Freundin ist. Sie fand den Trainer genauso doof wie ich und wir wurden unsere eigene Laufgruppe.

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Natürliche Grenze – oder geht mehr?

Diese 50 Minuten zu knacken, war lange mein selbstdefiniertes Ziel – und meine realistische (?) Selbsteinschätzung sagte mir, dass sie auch meine natürliche Grenze waren. Bloß hatte ich jetzt ein Problem: Zu wollen, was man schon hat, mag der Schlüssel für eine lange, glückliche Beziehung sein – der Gedanke von Sport ist es mitnichten. Konnte ich vielleicht doch noch schneller werden? An diesem Punkt brachte mich ein Gespräch mit einer der besten Mittelstreckenläuferinnen Deutschlands weiter.

Gesa Krause hatte ich damals nach ihrem starken Auftritt bei der Leichtathletik-WM in Doha zu ihrer Trainingsroutine interviewt. Sie hatte über 3000 Meter Hindernis Bronze geholt. Gesa läuft meine Lieblingsdistanz, die zehn Kilometer, in 33 Minuten. Selbst wenn ich von jetzt an nie wieder etwas anderes tun würde, als zu laufen, bleibt so eine Zeit für mich unerreichbar. Ich fragte Gesa also, was sie einer Hobbyläuferin wie mir zutraue  – vorausgesetzt, ich würde über einen Zeitraum von mehreren Monaten wirklich hart trainieren. Ihre Antwort verblüffte mich: Zwar sei die Steigerung limitiert, aber eine Zeit unter 45, sogar 40 Minuten hielt sie für möglich! Hahahaha. Haha. Ha. Das… meinte sie… doch nicht… ernst?!

Ich bin jetzt 36. Wenn man davon ausgeht, dass die meisten Menschen ihren sportlichen Leistungshöhepunkt in den Zwanzigern haben (außer vielleicht Apnoe-Taucher, deren sportliche Karriere mit Ende 30 erst richtig Fahrt aufnimmt, aber da habe ich keine Ambitionen…), ist das nicht sonderlich ermutigend. Andererseits habe ich als Läuferin Erfahrung gesammelt und schätze mich mental stärker ein als mit Anfang 20 – der Kopf spielt definitiv eine Hauptrolle bei so einem Unterfangen. Vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, um noch schneller und von der Spaß- zur ambitionierten Hobbyläuferin zu werden.

Es gab (bis jetzt) noch nie einen Lauf, nach dem ich mich schlechter gefühlt hätte als davor. Nicht, als ich während des Studiums erst im Schutz der Dämmerung loslief, weil ich mich für mein langsames Tempo schämte. Nicht, als ich zum ersten Mal bei einem Volkslauf antrat und nach zwei Kilometern niemand mehr in meiner Nähe war. Und auch nicht die vielen Male, die ich keuchend und mit pfeifender Lunge durch den Tiergarten in Berlin gejoggt bin.

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Laufen füllt meinen Liebestank

Beim Laufen kann ich fast immer die Außenwelt abschalten und mich auf mein Inneres konzentrieren. Laufen macht mich ausgeglichener. Ich genieße die Einsamkeit, das Gefühl, beschleunigen zu können; weiterzulaufen, wenn es anstrengend ist; wie sich manchmal Harmonie zwischen allen Körperteilen einstellt; und danach die Ermüdung in den Beinen. Das ist überhaupt das beste Gefühl! Hinzu kommt, dass bei mir die Frage, ob ich mich selbst lieben kann, unter anderem auch daran geknüpft ist, wie zufrieden ich mit meinem Körper bin. Laufen füllt also in gewisser Weise meinen Liebestank. Da bin ich ganz ehrlich.

Nach dem Gespräch mit Gesa stand mein sportliches Ziel für 2020 fest: Ich weiß zwar noch nicht wie, aber ich will die 10 Kilometer in unter 45 Minuten laufen. Beweisen will ich es beim The Great 10k am 11. Oktober in Berlin.

Hilfe! Ich brauche einen Profi

Das wird alles andere als leicht und mir wird kein Zufall dabei helfen. Also muss ich Antworten finden auf diese Fragen: Was ist nötig, um 4:30 Minuten pro Kilometer zu laufen? (Das wäre das Minimum, um die 45 Minuten zu knacken.) Wie organisiert man einen systematischen Trainingsaufbau? Und wie bekomme ich meine (meisterliche!) Gewohnheit in den Griff, anstrengende Aufgaben auf die allerletzte Minute aufzuschieben? Von alledem habe ich natürlich nicht die geringste Ahnung. Deshalb habe ich mir einen Profi an die Seite geholt.

Egidijus Pranckus
Athletiktrainer Egidijus Pranckus wird Anna in den nächsten Monaten Beine machenFoto: Thomas Schermer

Egidijus Pranckus (39) ist Sportwissenschaftler und erfahrener Athletiktrainer. Er ist viermaliger Betreuer des deutschen Leichtathletik-Nationalteams, seine Athleten nehmen an Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften teil. Außerdem leitet er das Langstrecken-Training beim SCC Berlin (für den u.a. Gina Lückenkemper sprintet). Egidijus wird mir in den kommenden Wochen und Monaten als Coach zur Seite stehen und vermutlich könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie groß mein Respekt vor ihm ist.

Wie seine Prognose nach dem ersten Training lautete, welchen Leistungstest ich zunächst absolvieren musste (und warum ich alles daran gehasst habe) – und warum wir uns grundsätzlich bei strömendem Regen treffen, lest ihr im zweiten Teil dieser Kolumne Mitte März bei FITBOOK.de.

Wie habt ihr die Liebe zum Laufen entdeckt? Wie geht ihr mit Frust und Leistungstiefs im Training um? Was auch immer ihr zum Thema loswerden wollt, ab damit an info@fitbook.de. Und wer mehr von meinem Alltag als Läuferin mitbekommen möchte, kann mir gerne unter @annikri auf Instagram folgen.