27. März 2026, 10:42 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Hyrox füllt Messehallen, verkauft Laufschuhe und verspricht Wettkampf für alle. Autorin Lisa Reck kam 2025 durch die Sportmesse FIBO mit dem Trendsport in Berührung. Die Faszination hatte sie gepackt. Doch wie zugänglich ist der neue Fitness-Hype wirklich? Wie teuer sind Equipment und Training? Sie machte den Selbstversuch: eine Woche Hyrox-Training im Low-Budget-Setting. Bei FITBOOK berichtet sie von ihrer Hyrox-Erfahrung.
Bunte Laufschuhe, luxuriöse Funktionskleidung und Hightech-Fitnesstracker, um alle möglichen Körperteile gebunden. Die Messehalle in Köln-Deutz war prall gefüllt mit optimal gekleideten, durchtrainierten Körpern. Die Wände sind schwarz, von oben fällt grelles Licht. Es riecht nach neuem Kunststoff und Energy-Drinks. Neben dem in Capital Letters prangenden Wort HYROX leuchten Banner mit „FOREVER. FASTER.“ von den Wänden. Aus den Lautsprechern dröhnt Elektro. Bass auf Herzfrequenz. Auch die Musik sendet die Botschaft: Beweg dich. Mach mit. So präsentierte sich Hyrox im April 2025 auf der Messe in Köln. Fast ein Jahr später hat mich der Hyrox-Hype doch infiziert.
Hyrox – von der Messe in den Alltag
Mich, meine abgewetzten Sportschuhe und meine funktionale, aber nicht kuratierte Sportkleidung. Ein hell ausgeleuchtetes Fitnessstudio, ohne Filter, tropfender Schweiß. Der Geruch nach Reinigungsmittel, Gummiboden und Klamotten, die in die Wäsche gehören. Statt Schriftzügen wie „FOREVER. FASTER.“ Bedienungsanleitungen über den Geräten: „Bei Schmerzen Training abbrechen“. Statt Elektromusik Stöhnen und das Laufband, das unter meinen Füßen schleift. Eine Woche lang würde ich fortan Hyrox in der Low-Budget-Variante testen. Laut Erfahrungswerten kann man für betreutes Gruppentraining mit etwa 150 Euro pro Monat rechnen. Mit meiner 10-Euro-Mitgliedschaft und einem KI-Trainingsplan probiere ich das Pre-Season-Training einer Athletin.
1. Tag: „50 Minuten Laufband, mittlere Herzfrequenz“
Zwischen Feierabendmüdigkeit und den Vorsätzen der neuen Woche ergattere ich ein
freies Gerät. 50 Minuten fühlen sich an wie 90. Danach zehn Minuten Rudern. Das Display streikt. Herzfrequenz, Strecke und Tempo müssen geschätzt werden.
Genau dafür wurde Hyrox erfunden: Fitness Racing als Wettkampf für Fitnessstudio-
Mitglieder, die zwar trainieren, aber – anders als Tennisspieler oder Leichtathleten –
keinen eigenen standardisierten Wettkampf haben. Hyrox erinnert entfernt an den Trimm-dich-Pfad aus den 90er-Jahren oder die Crossfit-Bewegung. Im Gegensatz zu Crossfit verzichtet das Format aber auf komplexe Technik. Stattdessen natürliche Bewegungen: schieben, ziehen, tragen.
2. Tag: Kniebeugen, Ausfallschritte, Zirkeltraining
Tag 2 ist genau diesen Bewegungen gewidmet: Squats, Lunges, Step-ups im
Unterkörper-Zirkeltraining. Ich bewege kleine Hanteln, große Sandsäcke und sperrige
Boxen durch den Raum. Anders als am Vortag bin ich heute um 7 Uhr morgens im
Studio. Mehr Platz und weniger Blicke. Die Oberschenkel brennen, es fühlt sich richtig
an. Ein Gefühl, das wohl schon im Namen auftaucht: Hyrox wird häufig als Mischung aus
„Hybrid“ und „Rox“ – angelehnt an Rockstar – erklärt.
Hyorx ist eine hybride Sportart aus Laufen und funktionellem Krafttraining. Im Wettkampf warten acht 1-Kilometer-Runden, dazwischen Burpees, Wall Balls und Schlittenziehen. Ein stetiger Wechsel zwischen Ausdauer und Muskelkraft. Muskelkraft, die mir am folgenden Tag fehlt.
3. Tag: Pausentag mit Pilates statt Krafttraining
Mein Gang ist steif, die Treppen zur U-Bahn werden zur Bergetappe. Im Büro sorgt mein Bewegungsablauf für Heiterkeit. Am heutigen sogenannten „Restday“ werden 30 Minuten Pilates empfohlen. Anfangs brennt jede Dehnung, am Ende fühlt sich der Körper wieder bewohnbar an.
4. Tag: Dauerlauf und frische Luft
Tag 4 kommt gelegen: 50 Minuten Dauerlauf. Den Muskelkater im morgendlichen Berlin
auslaufen. Asphalt statt Gummiboden, frische Luft statt stickiger Gym-Atmosphäre.
Auch die Gründer von Hyrox wussten die frische Luft zu schätzen. Moritz Fürste
gewann als Feldhockey-Olympiasieger seine Titel unter freiem Himmel. Nach seiner
Karriere entwickelte er gemeinsam mit dem Event-Manager Christian Toetzke das
Konzept von Hyrox. Toetzke verantwortete nach dem Verkauf seiner eigenen Agentur
als Vorstandsmitglied zentrale Teile der globalen Marke Ironman – jenes Extremformat,
das den Triathlon in die Länge zieht. Ein Wettkampf, der sich ebenfalls hervorragend für
eine Quarter- oder Mid-Life-Crisis eignet.
5. Tag: Krisenmoment
An Tag 5 durchlebe ich meinen eigenen Krisenmoment: 7 Uhr morgens, Fitnessstudio, Oberkörper-Zirkel mit Liegestützen, Burpees, Schulterziehen und Plank. Oh nein! Vor Ort fällt es mir dann doch leichter als gedacht. Eine Matte, zwei Kurzhanteln und etwas Platz genügen. Zwischen den Sätzen wächst ein Gedanke: Vielleicht melde ich mich tatsächlich für den Wettkampf an?
Die Vision der beiden Macher geht allerdings weit über einen gelegentlichen Startplatz
für etwa 100 Euro hinaus: Hyrox soll sich als nachhaltige Sportart im Alltag etablieren.
Moritz Fürste spricht offen von olympischen Ambitionen – in kompakterem Format,
stadiontauglich, zuschauerwirksam.
6. Tag: Mini-Hyrox
Ähnlich abgespeckt simuliere ich an Tag 6 meinen Mini-Hyrox im Fitnessstudio: 800
Meter laufen, 400 Meter rudern, Squats und Lunges – dreimal hintereinander.
Im Studio bedeutet das vor allem: Geräte sichern, Wege freihalten, irritierte Blicke ignorieren. Kein Wunder, dass manche Fitnessketten offizielle Hyrox-Kurse anbieten. Gegen Lizenzgebühr können Studios standardisierte Programme durchführen. Puma ist als globaler Partner früh eingestiegen hat spezielle Wettkampfschuhe entwickelt. Und sich mit NITRO™-Technologie im wachsenden Markt des Fitness-Racings positioniert. Aus Training wird Marke, aus Marke ein Geschäftsmodell.
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7. Tag: Offizielles Hyrox-Gruppen-Workout
Zum Abschluss meines Selbstversuchs besuche ich doch noch ein offizielles Hyrox-Gruppen-Workout im Norden Berlins. Für 24 Euro kaufe ich eine „Drop-in“-Karte. Was ich dort sehe: bunte Laufschuhe, enge Funktionsshirts, Fitnessuhren an jeglichen Körperteilen, wie beim Hyrox in Köln. Eine Teilnehmerin erzählt mir von ihrem letzten Wettkampf in Polen und dem nächsten Start in wenigen Wochen. Der Trainer schreibt zehn Übungen an die Tafel, Rockmusik füllt die Halle. Das ist der Moment, an dem ich zweifle, ob ich das Workout durchstehe.
In Dreiergruppen arbeiten wir uns durch Kraftintervalle und 800-Meter-Runden um die Halle. Die Dynamik trägt. Bei den abschließenden Burpee Broad Jumps entwickelt sich in mir der Ehrgeiz, als Erste am Ende der Bahn anzukommen. Meine Trainingspartnerin ahnt vermutlich nichts von diesem Rennen. Am Ende gibt es High Fives für alle. Ein Moment, der mir in meiner Solo-Woche gefehlt hat.
Mein Fazit
Nach sieben Tagen steht für mich dennoch fest: Ein Hyrox-gebrandetes Workout ist nicht zwingend notwendig. Wer Lauf- und Krafteinheiten konsequent trainiert, kann sich mit etwas logistischem Feingefühl in nahezu jedem Fitnessstudio auf den Wettkampf vorbereiten. Am Ende reichen Laufschuhe, Funktionskleidung und vielleicht noch ein Fitnesstracker.