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Bei der Expertin nachgefragt

Ab wann wird Sport zur Sucht?

Bodybuilderin beim Posing
Es ist ein schleichender Prozess – der Körper adaptiert das Workout und aus zwei Mal in der Woche Training wird allmählich mehrFoto: Getty Images

Viel hilft viel, denken sich auch viele Freizeitsportler in Deutschland. Und klar, Sport ist per se eine super Sache für unsere Gesundheit. Doch aus der täglichen Routine kann eine Sucht werden. Mit gefährlichen Folgen (und Folgeerscheinungen).

Ähnlich wie bei einer Drogensucht kann der Körper eine Abhängigkeit zum Sport entwickeln. Doch ab wann spricht man von einer Fitness- oder Sportsucht und welche Anzeichen gibt es?

Psychiaterin Dr. Aglaja Stirn weiß um die Gefahren einer Sportsucht und ab wann sich Betroffene in ärztliche Hände begeben sollten.

Was ist eine Fitnesssucht genau?

Die Entscheidung ist gefallen, sich im Studio anzumelden und mehrere Tage in der Woche seinen Körper zu stählen.

Ist ein erhöhter Bewegungsdrang mit einer Sucht gleichzusetzen oder tritt eine Sportsucht in verschiedenen Formen auf?

Eine primäre Sportsucht tritt eher selten auf!

Welche Anzeichen einer Sucht gibt es?

Die Einschränkung in der Selbstwahrnehmung und voreilige Diagnosen von Freunden und Familie erschweren die persönliche Einschätzung einer Sucht.

Sobald der einstige Spaß am Sport in den Hintergrund gerät und durch Zwangs- und Druckgefühle ersetzt wird, sollten Alarmglocken klingeln.

Darüber hinaus kann es auch bei einer Sportsucht zu Entzugserscheinungen kommen. Diese äußern sich, falls der Sport nicht „erledigt“ wird, unter anderem in Form von Depressionen und Schuldgefühlen, aber auch Schlaf- und Magen-Darm-Beschwerden.

„Diese ersten Anzeichen können noch verstärkt werden, wenn das Sportverlangen so stark in den Vordergrund tritt, dass berufliche oder private Konflikte entstehen“, warnt Dr. Stirn.

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Was sind die Folgen einer Erkrankung?

Betroffene neigen zu Verharmlosung – eine Sportsucht sei schließlich „gesünder“ als das unkontrollierbare Verlangen nach Alkohol oder Zigaretten.

Das stimme aber nur teilweise. Sobald sich aus der Sportsucht eine zusätzliche Essstörung entwickelt oder durch eine Körperschemastörung zu anabolen Steroiden gegriffen wird, können sich die negativen Folgen deutlich verschlimmern.

Dr. Stirn: „Häufig nutzen Betroffene den exzessiven Sport als maladaptive (ungeeignete, Anm. d. Red.) Bewältigungsstrategien, um unangenehme und negative Gefühle zu vermeiden.“ Das führe zwar zu kurzzeitiger Befriedigung, langfristig wird dadurch aber ein ungesundes Verhaltensmuster konditioniert.

Körperliche Überlastungssymptome werden dem Verlangen, Sport zu treiben, untergeordnet. Regenerationszeiten werden missachtet, Krankheiten und Verletzungen bagatellisiert, um trainieren zu können. Auf diese Weise sind Langzeitschäden für den Organismus vorprogrammiert.

Ab wann sollte man sich Hilfe suchen?

Der Gang zum Arzt ist für Betroffene stets unangenehm. Sich selbst eingestehen zu müssen, ein Problem zu haben und dieses lösen zu wollen, hält viele davon ab, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Dr. Stirn weiß, ab wann es sinnvoll sein kann, sich in die richtigen Hände zu begeben: „Sobald ein persönlicher Leidensdruck infolge des exzessiven Sporttreibens entsteht, sollte man sich Hilfe suchen“, verrät Frau Dr. Stirn. Würden dann noch berufliche oder private Probleme oder zusätzliche Störungen (z.B. Depressionen, Essstörung) auftauchen, müsse man unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Freunde und Familie sollten alarmiert sein, sobald sie beim Betroffenen ein psychisch/körperlich abhängiges Verhalten in Bezug auf Sport feststellen – und es für den Betroffenen keinen anderen Ausweg als Sport gibt oder der Körper unter Erschöpfungssymptomen leidet.

Leiden Sie vielleicht auch unter einer Sportsucht? Hier können Sie Hilfe finden!