15. Mai 2026, 12:25 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Oolong-Tee gehört in Deutschland nach wie vor zu den Geheimtipps. In weiten Teilen der Welt ist er allerdings eine populäre Teesorte. FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves erklärt, was Oolong-Tee so besonders macht, welche Wirkung ihm zugeschrieben wird und wie er richtig zubereitet wird.
Wer gerne Tee trinkt, hat vielleicht schon mal von Oolong-Tee gehört. Dabei handelt es sich um eine Spezialität mit Ursprung in China, genauer gesagt in der Region Fujian im Südosten des Landes. Oolong bedeutet übersetzt „schwarzer Drache“ oder auch „schwarze Schlange“.
Übersicht
Was ist Oolong-Tee?
Oolong-Tee wird traditionell aus den Blättern der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt und zählt damit zu den sogenannten echten Teesorten. Er steht hinsichtlich des Oxidationsgrades zwischen Grünem und Schwarzem Tee. Während Grüner Tee kaum oxidiert wird und Schwarzer Tee stark oxidiert ist, erfolgt die Verarbeitung von Oolong nur teilweise. Dadurch entsteht ein eigenständiges Geschmacksprofil, das je nach Sorte sehr unterschiedlich ausfallen kann.
Für die Herstellung werden die Teeblätter zunächst in der Sonne gewelkt. Anschließend werden sie mehrfach geschüttelt und leicht angerieben, wodurch die Oxidation gezielt angestoßen wird. Dieser Verarbeitungsschritt trägt entscheidend zum typischen Aroma bei. Oolong-Tee wird häufig zu kleinen Kugeln gerollt und ergibt im Aufguss einen goldgelben Farbton.1
Der besondere Oolong-Tee: Oriental Beauty Tea aus Taiwan
In Taiwan gilt Oriental Beauty Tea als besondere Kostbarkeit. Bei dieser Sorte lösen kleine Zikaden durch das Anstechen der Blätter bereits am Teebusch biochemische Veränderungen aus, wodurch sich später bei der Verarbeitung ein besonders weiches, süßliches Aroma mit leichter Honignote entwickelt.
Der Legende nach entstand diese Teesorte eher zufällig. Ein taiwanesischer Teebauer soll befallene Blätter dennoch verkauft haben, woraufhin der ungewöhnliche Geschmack so gut ankam, dass Oriental Beauty Tea später zu einer der bekanntesten Oolong-Sorten Taiwans wurde.
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Anwendung: Wobei soll Oolong-Tee helfen?
Gerade im asiatischen Kulturraum wird morgens gerne Tee statt Kaffee getrunken. Oolong-Tee besitzt eine anregende Wirkung und wird deshalb auch in Europa als Alternative zu Kaffee immer beliebter. Verantwortlich dafür ist vor allem der enthaltene Koffeingehalt.2
Seit Jahren untersuchen Forscher zudem die enthaltenen Pflanzenstoffe. Einzelne Beobachtungs- und Laborstudien deuten unter anderem auf mögliche Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Gesundheit, Fettstoffwechsel und kognitiver Gesundheit hin.3,4 So zeigte eine größere Beobachtungsstudie bei älteren Erwachsenen eine Verbindung mit einem geringeren Risiko für kognitive Beeinträchtigungen.
Daneben beschäftigen sich Forscher mit möglichen Effekten bestimmter Oolong-Polyphenole auf Verdauungsenzyme, die an der Fettaufnahme beteiligt sind.5 Kleinere Humanstudien zu sogenanntem GABA-Oolong-Tee lieferten erste Hinweise auf mögliche kurzfristige Veränderungen bei Stresswahrnehmung, Entspannung und einzelnen Blutdruckwerten.6
Allerdings gilt: Viele dieser Ergebnisse stammen bislang aus kleineren Humanstudien oder Laboruntersuchungen und müssen noch durch größere und hochwertigere Studien bestätigt werden.
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Welche bioaktiven Pflanzenstoffe stecken in Oolong-Tee?
Wie Grüner oder Schwarzer Tee enthält auch Oolong-Tee Koffein. Je nach Sorte, Blattqualität und Zubereitung enthält eine Tasse typischerweise etwa 10 bis 40 Milligramm Koffein.7 Der genaue Gehalt hängt unter anderem von Ziehzeit, Temperatur und Verarbeitungsgrad ab.
Darüber hinaus enthält Oolong-Tee zahlreiche bioaktive Pflanzenstoffe wie Polyphenole, Catechine und Aminosäuren. Dazu gehört auch Epigallocatechingallat (EGCG), eines der bekanntesten Catechine der Teepflanze Camellia sinensis. Untersuchungen zeigen, dass Oolong-Tee im Vergleich zu Grüntee meist geringere Mengen bestimmter Catechine enthält, da diese während der Oxidation teilweise umgewandelt werden. Gleichzeitig entstehen dabei andere komplexe Polyphenole, die charakteristisch für Oolong-Tee sind.
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Ist die Wirkung wissenschaftlich bestätigt?
Wenngleich Oolong-Tee vor allem in China und Taiwan eine lange Tradition hat, wird er inzwischen auch wissenschaftlich untersucht. Dabei interessieren sich Forscher vor allem für die enthaltenen Polyphenole, Catechine und Aminosäuren.
Studien beschäftigen sich unter anderem mit möglichen Effekten auf Fettstoffwechsel, Stressregulation und kognitive Gesundheit. So untersuchten japanische Forscher beispielsweise, wie bestimmte Polyphenole aus Oolong-Tee Verdauungsenzyme beeinflussen könnten, die an der Fettverdauung beteiligt sind.
Daneben existieren auch Laborstudien zu möglichen Effekten auf Krebszellen. Diese Untersuchungen wurden allerdings ausschließlich an Zellkulturen durchgeführt. Daraus lassen sich keine belastbaren Aussagen darüber ableiten, ob Oolong-Tee Krebs beim Menschen verhindern oder behandeln kann.8
Insgesamt gilt daher: Viele der beobachteten Effekte sind wissenschaftlich interessant, müssen aber noch durch größere Humanstudien bestätigt werden.
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Wie schmeckt Oolong-Tee?
Richtig zubereitet erinnert Oolong-Tee tatsächlich an eine Mischung aus Grünem und Schwarzem Tee. Je höher die Qualität, desto sanfter und blumiger ist meist das Aroma. Die geschmackliche Intensität hängt vor allem vom Oxidationsgrad und der Verarbeitung ab.
Hochwertige Oolong-Tees schmecken häufig weich, rund und leicht süßlich. Minderwertigere Sorten oder eine falsche Zubereitung können dagegen schnell bitter wirken.
Richtige Zubereitung von Oolong-Tee
Wassertemperatur
Oolong-Tee sollte nicht mit kochendem Wasser übergossen werden, da dies Aroma und Geschmack negativ beeinflussen kann. Empfehlenswert sind Temperaturen von etwa 80 bis 90 Grad Celsius. Besonders feine Sorten wie Oriental Beauty profitieren eher von niedrigeren Temperaturen.
Menge
Für etwa 250 Milliliter Wasser verwendet man ungefähr 2 bis 4 Gramm Oolong-Tee.
Ziehzeit
Je nach Sorte liegt die Ziehzeit meist zwischen einer und fünf Minuten. Einige hochwertige Oolong-Tees eignen sich auch für sehr kurze Aufgüsse von nur wenigen Sekunden. Oft kann derselbe Tee mehrfach aufgegossen werden. Dabei verändern sich Geschmack und Aromatik von Aufguss zu Aufguss leicht.
Warum Oolong zu meinen Lieblingstees zählt
„Erstmals probiert habe ich Oolong-Tee, als mir meine Nachbarin aus Taiwan Oriental Beauty Tea mitbrachte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, was sich hinter der Bezeichnung verbarg. Erst nach einer kurzen Recherche erfuhr ich, dass es sich um eine in Taiwan berühmte Oolong-Variante handelte. Jedenfalls schmeckte man sofort, dass es sich um einen besonderen Tee handeln musste. Aber auch andere hochwertige Oolong-Tees überzeugen mit einem Geschmack, der tatsächlich irgendwo zwischen Grünem und Schwarzem Tee liegt. Grund dafür ist die nur teilweise Oxidation der Teeblätter. Zwar liest man immer wieder, dass Oolong etwas herb sein kann, aber das trifft meist nur bei minderwertigeren Sorten oder einer falschen Zubereitung zu. Besonders an dem Tee schätze ich neben der anregenden Wirkung vor allem das weiche Mundgefühl und die feinen Honig- und Blütennoten hochwertiger Sorten. Perfekt, um in den Tag zu starten oder am Vormittag kleinere Energie-Tiefs zu überwinden.“
Am 4. Januar erscheint mein Buch über gesundes Altern: „Highway to Health – In 7 Schritten zu einem gesunden langen Leben“.