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Experte klärt auf

Ist Leitungswasser oder Mineralwasser gesünder?

leitungswasser
FITBOOK erklärt Ihnen, ob Leitungswasser oder Mineralwasser besser ist Foto: Getty Images/Oscar Wong
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Jörn Utermann, Ernährungswissenschaftler

8. Mai 2026, 10:07 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Lohnt sich der Kauf von Mineralwasser oder ist Leitungswasser qualitativ genauso gut bzw. gar gesünder? Sind manche Wassermarken tatsächlich besser als andere oder ist es egal, welche Sorte im Einkaufswagen landet? FITBOOK ist diesen Fragen auf den Grund gegangen und erklärt, worauf Sie beim Wasserkauf achten sollten.

Was macht ein gutes Mineralwasser überhaupt aus?

Leitungswasser oder Mineralwasser? Für viele ist es eine Frage des Geschmacks. Andere wiederum sind überzeugt, dass das eine gesünder ist als das andere. Um diese Frage zu beantworten, müssen einige wichtige Aspekte berücksichtigt werden.

Grundsätzlich lassen sich drei Kriterien unterscheiden: der Geschmack, der Gehalt an Mineralstoffen und die mögliche Belastung durch Schadstoffe beziehungsweise Schwermetalle. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. FITBOOK beschränkt sich daher auf die allgemeine Information, dass ein höherer Mineralstoffgehalt in der Regel auch zu einem kräftigeren Geschmack führt.

Man könnte annehmen, dass der Mineralstoffgehalt bei allen Wassersorten hoch sein sollte. Schließlich steckt das Wort „Mineral“ im Namen. Das ist jedoch nicht zwingend der Fall. Seit einer EU-Reform im Jahr 1980 muss Mineralwasser keinen Mindestgehalt an Mineralstoffen mehr aufweisen. Entsprechend groß sind die Unterschiede beim Nährstoffgehalt zwischen den einzelnen Produkten.

Auf diese Nährstoffe sollten Sie achten

Nur wenige werfen einen Blick auf die Nährwerttabelle von Wasserflaschen. Und wer es doch tut, findet dort oft kompliziert klingende chemische Stoffe, deren Bedeutung und Konzentration viele nicht einordnen können. Dabei ist das Thema gar nicht so kompliziert, wenn man weiß, worauf man achten muss. Denn nicht alle Inhaltsstoffe sind gleich wichtig.

Insgesamt sollte die Mineralstoffkonzentration eines guten Wassers bei mindestens 500 Milligramm pro Liter liegen. Außerdem lohnt sich ein genauer Blick auf den Kalzium- und Magnesiumgehalt. Diese Mineralstoffe können über Wasser gut aufgenommen werden. Allerdings unterscheiden sich die enthaltenen Mengen je nach Marke zum Teil deutlich.

Magnesium

Magnesium erfüllt im Körper zahlreiche wichtige Funktionen und ist an mehr als 300 Prozessen beteiligt. Entsprechend wichtig ist eine ausreichende Zufuhr. Je nach Alter und Geschlecht liegt der tägliche Bedarf zwischen 300 und 400 Milligramm. Die richtige Auswahl des Wassers kann dabei helfen, einen Teil dieser Menge zu decken. Ab 50 Milligramm pro Liter gilt ein Wasser als magnesiumreich.

Wassermarken aus dem Discounter schneiden in diesem Punkt häufig schlechter ab und enthalten meist weniger als zehn Milligramm Magnesium pro Liter. Teurere Mineralwässer aus Traditionsbrunnen weisen oft höhere Werte auf.

Kalzium

Kalzium ist vor allem für seine Bedeutung für die Knochengesundheit bekannt, spielt aber auch eine wichtige Rolle bei der Muskel- und Nervenfunktion sowie bei der Blutgerinnung. In Deutschland liegt die empfohlene Tageszufuhr bei 1000 Milligramm für Erwachsene und etwa 1200 Milligramm für Jugendliche im Wachstum. Die wichtigste Kalziumquelle sind in der Regel Milchprodukte wie Milch, Käse oder Joghurt. Für Menschen, die darauf verzichten, sei es aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen, kann kalziumreiches Mineralwasser eine gute Alternative sein.

Leitungswasser enthält im Übrigen oft ähnlich viel Magnesium und Kalzium wie viele Mineralwässer aus dem Discounter.

Natrium

Natrium ist ein Bestandteil von Kochsalz und kann den Blutdruck beeinflussen. Deshalb wird Menschen mit Bluthochdruck häufig ein Wasser mit niedrigem Natriumgehalt empfohlen. In diesem Fall sollte auf eine Konzentration von unter 200 Milligramm pro Liter geachtet werden. Das ist bei den meisten herkömmlichen Marken der Fall.

Andere Inhaltsstoffe wie Chlorid, Hydrogencarbonat oder Sulfat sind hingegen weniger wichtig, da sie in der Regel in ausreichender Menge über die Ernährung aufgenommen werden.

Auch interessant: Warum man warmes Wasser aus der Leitung besser nicht trinken oder fürs Kochen verwenden sollte

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Ist Leitungswasser eine gesündere Alternative zu Mineralwasser?

In kaum einem anderen Land sind die Qualitätskontrollen für Trinkwasser so streng wie in Deutschland. Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betont, dass Leitungswasser in Deutschland strengen Kontrollen unterliegt und in der Regel bedenkenlos getrunken werden kann.1 Für mehr als 40 verschiedene Stoffe gelten klare Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen. Dazu zählen unter anderem Nitrat sowie Schwermetalle wie Arsen oder Blei. Auch bestimmte Bakterienarten werden regelmäßig überprüft. Auf Medikamentenrückstände, Hormone und Viren wird Leitungswasser hingegen nicht standardmäßig untersucht. Dennoch gilt es als gesundheitlich unbedenklich, da diese Stoffe, wenn überhaupt vorhanden, nur in sehr geringen Konzentrationen auftreten.

Trotzdem sollte Leitungswasser nicht überall bedenkenlos in großen Mengen getrunken werden. Die Qualitätssicherung reicht nämlich nur bis zum Hausanschluss und nicht bis zum Wasserhahn in der Wohnung. Genau dort kann ein Risiko bestehen. Vor allem in sehr alten Gebäuden können die Wasserleitungen noch aus Blei oder Kupfer bestehen. Diese Metalle können ins Wasser übergehen und so vom Körper aufgenommen werden. Das kann insbesondere für ungeborene Kinder sowie für Babys und Kleinkinder problematisch sein.

Abhilfe können zum Beispiel geeignete Trinkwasserfilter schaffen. Wer ganz sicher gehen möchte, kann zudem eine Wasserprobe zu Hause entnehmen und in einem Labor professionell untersuchen lassen.

Leitungswasser oder Mineralwasser – was ist gesünder?

Das anstrengende Schleppen von Wasserkisten lohnt sich nicht wirklich, zumindest dann nicht, wenn die Mineralstoffkonzentration das wichtigste Auswahlkriterium ist. Zwar gibt es Mineralwässer, die besonders reich an Kalzium oder Magnesium sind, doch diese sind im Discounter eher selten zu finden. Das bedeutet jedoch nicht, dass abgefülltes Mineralwasser grundsätzlich schlechter ist. Es ist nur in vielen Fällen nicht gesünder als Leitungswasser.

Dieses Fazit gilt zumindest dann, wenn man durchschnittliches Mineralwasser aus dem Discounter mit Leitungswasser vergleicht und Letzteres keine erhöhte Schwermetallbelastung aufweist. In Bezug auf den Umweltschutz gibt es allerdings einen klaren Gewinner. Das Umweltbundesamt schreibt2, dass das Trinken von Leitungswasser weniger als ein Prozent der Umweltbelastungen von Mineralwasser verursacht.

Quellen

  1. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Wasser – Ein besonders streng kontrolliertes Lebensmittel. (zuletzt aufgerufen am 07.05.2026) ↩︎
  2. Umweltbundesamt. Trinkwasser aus der Leitung: nachhaltig, gesund, günstig. (zuletzt aufgerufen am 07.05.2026) ↩︎

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