14. November 2025, 11:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein schneller Schluck Wasser aus dem Hahn – gern auch lauwarm – ist für viele selbstverständlich. Doch das Umweltbundesamt warnt eindringlich davor, warmes Leitungswasser zum Trinken oder Kochen zu verwenden. Die Gründe sind vielfältig – und besonders für sensible Gruppen wie Babys oder Kleinkinder kann es gesundheitlich riskant werden.
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Umweltbehörde mahnt zu kaltem Leitungswasser
Wie das Umweltbundesamt auf seiner Website schreibt, ist warmes Wasser aus der Leitung zum Trinken ungeeignet – und ebenso z. B. zum Waschen von Lebensmitteln! „Denn es hat sich durch die Zirkulation im Warmwassersystem länger in den Rohren aufgehalten“, heißt es zur Begründung. Diese Zirkulation sei nicht bloß notwendig, damit das Wasser in einer entsprechenden Temperatur aus dem Hahn fließen kann, sondern vor allem zur Vermeidung einer Legionellenbildung. Legionellen sind Bakterien, die speziell in Süßwasser bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad vorkommen. Sie sammeln sich etwa in Rohleitungen an, die über längere Zeiträume nicht genutzt wurden und/oder durch die nicht ausreichend erhitztes Wasser fließt.
Warmes Wasser aus der Leitung womöglich schadstoffbelastet
Konkret warnt die Behörde also vor einer Schwermetallbelastung des Trink- bzw. Kochwassers. Denn es sei möglich, dass sich im Zuge des längeren Aufenthalts im Leitungswassersystem bedenkliche Stoffe aus den Rohren gelöst haben. „Auch wenn die Mengen gering sind, sollten Sie für die Zubereitung von Lebensmitteln stets frisches Wasser aus dem Kaltwasserhahn verwenden.“
Dass man diese Mahnung ernst nehmen sollte, bestätigt Ernährungswissenschaftler Uwe Knop auf FITBOOK-Nachfrage. Sollten entsprechende Schadstoffe z. B. ins Kochwasser gelangt sein, würde auch ein starkes Erhitzen nichts gegen sie ausrichten. Denn anders als etwa die meisten Krankheitserreger lassen sich Schwermetalle durch Abkochen nicht entfernen. Bei z. B. Blei und Arsen geht man davon aus, dass sie schwere allergische Reaktionen auslösen sowie das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können, wenn man sie in hohem Maße aufnimmt.
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Kaltwasser ist Pflicht bei Zubereitung von Speisen und Getränken
Es wird empfohlen, grundsätzlich nur frisches, kaltes Trinkwasser für Getränke und Speisen zu verwenden – insbesondere bei empfindlichen Personengruppen wie Säuglingen oder Kleinkindern.
Auch die Temperatur spielt eine Rolle: Kaltes Trinkwasser sollte unter 20 °C liegen, während warmes Wasser mindestens 55 °C erreichen muss, um das Wachstum von Mikroorganismen wie Legionellen zu hemmen.1
Gesundheitsgefahr durch Stagnationswasser
Ein weiteres Risiko stellt sogenanntes Stagnationswasser dar – also Wasser, das mehrere Stunden ungenutzt in den Leitungen steht. Durch die verlängerte Kontaktzeit mit Materialien in der Hausinstallation können sich gesundheitlich bedenkliche Stoffe im Wasser anreichern.2
Bisphenol A aus Rohrbeschichtungen im Warmwasser
Neben Schwermetallen kann sich auch der hormonell wirksame Stoff Bisphenol A (BPA) im Wasser lösen – insbesondere in Warmwasserleitungen mit bestimmten Epoxidharz-Beschichtungen. Solche Materialien wurden häufig zwischen 2000 und 2015 zur Sanierung älterer Leitungen verwendet. Zudem steht BPA im Verdacht auch Leber, Nieren und die Fortpflanzung zu beeinträchtigen. In der überarbeiteten Trinkwasserverordnung wurde daher ein Grenzwert festgelegt, der seit dem 12. Januar 2024 gilt.3
Untersuchungen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart zeigen, dass BPA bei hohen Temperaturen in relevanten Mengen ins Wasser übergehen kann.
Filter meist überflüssig – bei falscher Nutzung sogar riskant
Auch die Verwendung von Wasserfiltern wird meist nicht empfohlen – vor allem dort, wo die Trinkwasserqualität hoch ist.
Rohrleitungen prüfen und ggf. sanieren lassen
Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, ob die Leitungssysteme in Ihrem Zuhause in puncto Bau und Betrieb den gängigen Standards entsprechen, mahnt das Umweltbundesamt zur Kontaktaufnahme mit Ihrer Hausverwaltung bzw. dem Vermieter. Derartige Sorgen wären demnach etwa dann begründet, wenn im Haus noch Bleirohre vorhanden sind.
Ab wann Energiesparen gefährlich für die Gesundheit wird
Wie bemerkt man eine Infektion mit Legionellen und wie gefährlich ist sie?
Vor dem Trinken von Leitungswasser Menge eines Glases ablaufen lassen
Nun kann es natürlich sein, dass einige Wochen vergehen, bis die von Ihnen monierten Bleirohre ausgetauscht werden. Bis dahin sei es wichtig, Leitungswasser vorsorglich ablaufen zu lassen, erklären Experten von „Stiftung Warentest“: „In Mehrfamilienhäusern können das etliche Liter sein.“ Wenn die Temperaturen spürbar sinken, können Sie das – „sofern die Hausanschlussleitung unbelastet ist“ – als Hinweis deuten, dass wahrscheinlich genügend Wasser abgelaufen ist. Es sei übrigens nie ganz ausgeschlossen, dass sich Schwermetalle z. B. aus den Messingteilen der Armaturen lösen. Deshalb wird empfohlen, vor dem Trinken von Leitungswasser stets etwa die Menge eines Glases ablaufen zu lassen.
Übrigens: Bei unseren Freunden von myHOMEBOOK lesen Sie: Sollte man Leitungswasser filtern, bevor man es trinkt? Experten haben klare Meinung
Bakteriengefahr trotzdem nicht gebannt
Auch wenn Legionellen über die Nahrung keine akute Gesundheitsgefahr darstellen, können sie beim Einatmen über feinste Wassertröpfchen – etwa beim Duschen – eine ernsthafte Lungenentzündung auslösen. Die sogenannte Legionärskrankheit betrifft vor allem ältere oder immungeschwächte Menschen.
Wie das Umweltbundesamt in einer anderen Veröffentlichung schreibt, in der es um einen umweltschonenden und kostensparenden Umgang mit Warmwasser geht, können Legionellen prinzipiell auch in Kaltwasserleitungen wachsen. „Warm- und Kaltwasserleitungen sollten daher gut wärmeisoliert sein und regelmäßig genutzt werden.“ Dass Fachleute das gesamte Warmwassersystem ordnungsgemäß auf Legionellen untersucht haben, sei von grundlegender Bedeutung.
Was tun bei Geruchsbelästigung durch warmes Leitungswasser?
Manchmal riecht warmes Leitungswasser ungewöhnlich – etwa metallisch oder nach Chlor. Dies kann an den eingesetzten Materialien der Rohrleitungen liegen oder auf Desinfektionsmaßnahmen durch den Wasserversorger hinweisen. Chlor darf in geringen Konzentrationen zugesetzt werden, um Keime zu beseitigen. Diese Werte sind gesetzlich geregelt und gesundheitlich unbedenklich. Wer unsicher ist, sollte beim lokalen Versorger nachfragen, wie lange der Geruch anhält und ob Maßnahmen geplant sind.