8. Juni 2026, 10:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Zu viel Salz ist ungesund. Es kann den Blutdruck erhöhen und damit auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Meersalz genießt trotzdem ein positives Image. Es sei natürlicher und reich an Mineralstoffen. Ob es seinem Ruf wirklich gerecht wird?
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Warum Meersalz beliebter ist als normales Speisesalz
Die Kristalle von Meersalz sind meist gröber, doch der Geschmack umso feiner. Auch deshalb liegt Meersalz wohl im Trend. Profiköche schätzen es, weil es sich recht schnell auflöst. Das ist praktisch beim Abschmecken von Suppen, Nudeln, Reis oder Kartoffeln.
Auch aus Ernährungssicht genießt Meersalz einen guten Ruf: Es soll mehr Mineralstoffe, insbesondere Jod, enthalten.
Speisesalz ist häufig Steinsalz
Woher kommt unser bekanntes Salz eigentlich? Etwa 70 Prozent des weltweit produzierten Salzes sind sogenanntes Steinsalz, welches aus Ablagerungen urzeitlicher Meere stammt und tief unter der Erde abgebaut wird. Meersalz hingegen entsteht durch die Verdunstung von Meerwasser in flachen Becken. Der Unterschied liegt also hauptsächlich in der Art der Gewinnung.
Meersalz enthält nicht mehr Jod als Speisesalz
Sowohl Meer- als auch Steinsalz bestehen hauptsächlich aus Natriumchlorid. Bei Meersalz wird gerne damit geworben, dass es mehr Mineralstoffe wie Magnesium oder Calcium enthalte. Doch der Unterschied im Mineralgehalt zu Speisesalz ist so klein, dass er für die Nährstoffversorgung nicht ins Gewicht fällt. Wenn man sich dann noch vor Augen führt, in welch geringen Mengen man Salz verwendet, dürfte klar sein, dass Salz keine geeignete Calciumquelle ist – man benötigt täglich immerhin 1000 Milligramm des Mineralstoffs.1
Darüber hinaus steckt von Natur aus nicht besonders viel Jod in Meersalz. Beim Einkaufen sollte man auf den Hinweis „jodiertes Speisesalz“ achten, der kann sowohl auf Meer- als auch auf Steinsalz stehen. In dem Fall wurde das Salz mit Jod angereichert.
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„Ökotest“ gibt gute Noten für Speisesalze, hat aber einen Kritikpunkt
Symptome, die auf Jodmangel hindeuten
Jodmangel ist weit verbreitet
Die Jodversorgung in Deutschland ist rückläufig: 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung.2 Daher sollte man beim Salzen grundsätzlich jodiertes Salz verwenden. Selbst bei einer ausgewogenen Ernährung lässt sich ohne jodiertes Salz oft nur etwa die Hälfte der täglich empfohlenen Jodzufuhr erreichen.
Wenn Salz, dann Jodsalz – aber nicht zu viel!
„Die rückläufige Jodversorgung ist ein ernst zu nehmendes Problem. Denn Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Ohne Jod würde etwa unsere Schilddrüse nicht funktionieren – und die Schilddrüsenhormone sind an zahlreichen Stoffwechselprozessen sowie unserem Wärmehaushalt beteiligt. Bei Kindern spielt Jod eine wichtige Rolle für das Wachstum, die Knochenreifung und die Gehirnentwicklung.
Deshalb ist mein Credo: Wenn Salz, dann Jodsalz! Allerdings essen wir hierzulande ohnehin übermäßig viel Salz. Frauen nehmen täglich im Schnitt 8,4 Gramm, Männer 10 Gramm Salz zu sich. Dabei sollten es laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung eigentlich nicht mehr als sechs Gramm am Tag sein, um Bluthochdruck vorzubeugen. Wer dennoch auf seine Jodzufuhr achten möchte, ist mit zusätzlichen Jodquellen wie Algen und Seefisch, etwa Hering oder Kabeljau, gut beraten.
Wichtig: Bei vereinzelten Vorbelastungen ist eine übermäßige Jodzufuhr, und so womöglich die Verwendung von Jodsalz, nicht empfohlen. Dies betrifft etwa Betroffene der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoditis. Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Arzt.“
Achtung, Mikroplastik und Rieselhilfen!
Anfang 2026 hat Ökotest 20 jodierte Speisesalze aus Supermärkten, Discountern, Drogerien und Bioläden getestet. Dabei enthielten 15 Stück die Rieselhilfe Natriumferrocyanid (E 535). Der Zusatzstoff verhindert, dass die Salzkörner verklumpen. Ökotest weist darauf hin, dass Natriumferrocyanid zwar zugelassen ist, in größeren Mengen in Tierversuchen jedoch zu Nierenschäden geführt hat. In üblichen Mengen gilt der Zusatzstoff jedoch für Menschen als unbedenklich. Auch bei den Rieselhilfen Calcium- und Magnesiumcarbonat sieht Ökotest keine Gefahr.3
Auch Mikroplastik in Salz ist ein Thema: In einem Foodwatch-Test aus dem Jahr 2023 wurde in sieben von zehn untersuchten Salzproben Mikroplastik nachgewiesen – darunter in allen fünf getesteten Meersalzen. Als wahrscheinliche Ursache nennt Foodwatch die Mikroplastikbelastung des Meerwassers. Insbesondere bei Fleur de Sel, welches von der Wasseroberfläche abgeschöpft und nicht weiterverarbeitet wird, kann das der Fall sein. Besonders auffällig war außerdem ein Meersalz aus einer Einwegmühle mit Plastikmahlwerk: Beim Mahlen gelangte offenbar zusätzlich Mikroplastik ins Salz. Besser ist es, Salz in eine wiederverwendbare Mühle mit Edelstahl- oder Keramikmahlwerk umzufüllen.4