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Bewirkt Kaffee vor dem Sport eine Leistungssteigerung?

Bei Experten nachgefragt

Bewirkt Kaffee vor dem Sport eine Leistungssteigerung?

Frau trinkt Kaffee vor dem Sport
Kaffee vor dem Sport soll sich leistungsfördernd auswirken. Stimmt das?Foto: Getty Images

Wer morgens in die Gänge kommen oder ein Nachmittagstief überwinden will, greift überzeugt zur Tasse. Aber auch viele Sportler schwören auf Kaffee, genauer gesagt auf Koffein, um besonders leistungsfähig zu sein. Wie und wann genau man Kaffee demnach trinken sollte – und ob die Routine wirklich etwas taugt? FITBOOK hat mit Experten gesprochen.

Kaffee hat seinen schlechten Ruf von früher schon lange hinter sich gelassen. Sofern man ihn nicht im Übermaß trinkt, soll er sogar verschiedenen Krankheiten (zum Beispiel der Leber) entgegenwirken können und die Herzfunktion unterstützen (FITBOOK berichtete). Kurzfristig attestieren ihm viele Fans, Reaktionszeit, Aufmerksamkeit und das logische Denken zu verbessern. Das macht Kaffee bzw. das darin enthaltene Koffein auch in Sportlerkreisen zu einem großen Thema.

Bessere sportliche Leistung durch Kaffee?

FITBOOK hat sich bei Experten umgehört. Und Medizinjournalist Sven-David Müller bestätigt zumindest gewisse Vorteile durch Kaffee für den Sport – generell für den Körper. Denn Kaffee erhöhe die Körpertemperatur geringfügig, was die Fettverbrennung verbessern soll. Das sei auch für viele Menschen ein Argument, ihn in Diäten zu integrieren. Weiterhin enthält Kaffee auch Polyphenole, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken sollen.

Auch interessant: Kaffee könnte das Herz schützen und das Todesrisiko senken

Mehr Kraft und Fokus

Geht es nun um den Sport, soll Koffein konkret die Muskelkraft steigern und die Konzentrationsfähigkeit erhöhen. Denn durch die Aufnahme von Koffein werden laut Müller das zentrale Nervensystem und somit die Produktion von Neurotransmittern stimuliert. Das könne eine Leistungssteigerung sowohl bei Ausdauersportarten als auch beim Gewichtheben und gar bei Denksportarten bewirken, beispielsweise beim Schach oder Schießen. Klingt ja ein wenig nach Doping – ist es jedoch (noch) nicht. „Koffein wird aber von der WADA überwacht“, räumt Müller ein, also von der Welt-Anti-Doping-Agentur. Denn im Leistungs- und Hochleistungssport könne ein Missbrauch nicht ausgeschlossen werden.

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Der richtige Zeitpunkt vor dem Sport

Bis der Wirkstoff sich voll entfalten kann, dauert es etwa 30 bis 45 Minuten. Der Experte empfiehlt daher, etwa eine halbe Stunde vor der geforderten Leistung Kaffee zu trinken. Ob man ihn nun gerne schwarz oder mit (veganer) Milch mag, sei für die körperliche Reaktion relativ unerheblich. Ein großer, schaumiger Latte Macchiato könnte jedoch etwas schwerer im Bauch liegen als ein kurzer Espresso.

FITBOOK Workout

Wirkung von Kaffee vor dem Sport in Studie bestätigt

Eine Gruppe brasilianischer und britischer Forscher hat untersucht, ob – und gegebenenfalls wie ­– sich Koffein, unmittelbar vor dem Workout eingenommen, auf die Leistung von Ausdauersportlern auswirkt. 40 männliche Profi-Radrennfahrer hatten an der Studie teilgenommen1. Sie unterteilten sich in eine Gruppe, die durchschnittlich weniger als einen Kaffee pro Tag trank, eine zweite, die zweimal, und eine dritte Gruppe, die häufiger als dreimal täglich zur Tasse griff.

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Alle Probanden wurden bei Trainingseinheiten auf dem Ergometer von den Wissenschaftlern überwacht. In einzelnen Untersuchungsphasen wurden ihnen grüppchenweise Koffeintabletten mit der Stärke von vier Tassen Kaffee verabreicht, in einer anderen Phase bekamen sie ein Placebo und in einer weiteren gar nichts zum Einnehmen. Das Ergebnis: Die Männer unter Koffeineinfluss waren im Schnitt um 3,3 Prozent und die Placebo-Fraktion noch etwa 2,2 Prozent schneller als diejenigen, die ganz ohne Energiebooster unterwegs waren.

»Die Wirkung von Kaffee vor dem Sport nicht überbewerten

Felix Klemme ist Diplom-Sportwissenschaftler und Personal Coach. Er weiß genau, welchen Einfluss Kaffee auf die Körperfunktionen hat: Er erhöht die Herz- und Atemfrequenz, den Energieumsatz und so auch, angeblich, die Fettverbrennung. „Das liegt daran, dass Koffein sich auf die Nebennierenrinde auswirkt und Stresshormone triggert“, erklärte der Experte in einem früheren Gespräch mit FITBOOK. Das sei aber eigentlich kein erstrebenswerter Effekt.

Klemme erinnerte uns daran, dass bereits Sport alleine den Körper in eine Art Stresszustand versetzt. „Und ohnehin haben die meisten Menschen zu viel Stress. Und trinken zu viel Kaffee!“ Er selbst trinke ihn auch sehr gerne – des Geschmacks wegen. Nicht etwa, weil er sich dadurch eine verbesserte Leistung erhofft. Ob man sich daran ein Beispiel nehmen oder doch auf die (geringfügige) Koffeinwirkung bauen will, bleibt am Ende jedem selbst überlassen.

Quellen

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