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Fitnessprof erklärt's

Was bringt ein Gewichthebergürtel fürs Krafttraining?

Ein durchtrainierter Mann mit freiem Oberkörper legt einen Gewichtheber-Gürtel an
Gewichthebergürtel kommen auch im Hobby-Kraftsport immer öfter im EinsatzFoto: Getty Images/iStockphoto

Spätestens seit B.A. Baracus, der goldbehangene Irokesenträger vom A-Team der 80er-Jahre (alias Mr. T), einen Gewichtheber-Gürtel getragen hat, bin ich Fan von dieser Mode. Zugegeben, es sieht etwas merkwürdig aus, wenn man einen solchen Gürtel im Alltag trägt, aber zumindest im Fitnessclub ist er mittlerweile salonfähig geworden. Doch was bringt solch ein Gürtel? Stimmen die Mythen, dass er die Muskulatur eher schwächt und gar nichts bringt? Gehen wir diesen Gerüchten doch mal auf den Grund…

Gewichthebergürtel (oder auch einfach Hebergürtel) werden seit vielen Jahren beim Krafttraining bzw. in unterschiedlichen Kraftsportarten angewendet. Einige Athleten schwören auf sie, andere verteufeln sie. Wie kommt das? Was wird Ihnen nachgesagt und was stimmt davon überhaupt? 

Mehr Rücken-Stabilität durch Gewichthebergürtel

Hebergürtel sollen den sogenannten intra-abdominalen Druck (kurz: IAP) erhöhen und damit für mehr Stabilität sorgen. Allerdings wird auch proklamiert, dass die Muskulatur dadurch weniger eingesetzt wird und daher die Autostabilisation des Rumpfes durch die eigene Muskulatur geringer ausfiele. Diesem Thema haben sich seit den Neunziger Jahren diverse Studien angenommen. 

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Bereits im Jahre 1990 hat der amerikanische „Rückenpapst“ Stuart McGill eine Studie veröffentlicht, in der er Industriearbeiter mit entsprechenden Gürteln beim Heben untersuchte.1 Hier konnte er erstmalig nachweisen, dass zum einen der IAP wächst, aber auch zum anderen die Muskelaktivität leicht zurückging. Allerdings konnte er ein ähnliches Phänomen auch beim einfachen „Luftanhalten“ nachweisen. Diese Technik, welche in der Branche auch als „Abdominal Bracing“ bekannt ist, kann man sich in diesem Video näher anschauen:

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Schwächt das Tragen eines Gewichthebergürtels auf Dauer die Muskulatur?

Ob eine solche Abschwächung der Muskelaktivität auch auf Dauer für eine Abschwächung der Muskulatur führt, hat ein Review aus dem Jahre 2017 untersucht.2 Hier wurden zwar auch „nur“ orthopädische Hilfsgürtel untersucht, aber eine dauerhafte Abschwächung der Muskulatur konnte nicht nachgewiesen werden. Da man Gewichthebergürtel in der Regel noch viel seltener trägt, kann man diesen Mythos also schon mal entkräften. 

Bleibt die Frage, wie genau die Gürtel funktionieren. Hier hat eine biomechanische Studie die Funktion von steifen Hebergürteln untersucht.3 Dazu wurden mit erfahrenen Gewichthebern unterschiedliche Untersuchungen wie Elektromyografie (Messung der Muskelaktivität), Bodenreaktionskräfte (mit einer Kraftmessplatte) und diverse Berechnungsmodelle angewendet. In dieser Studie konnte erstmalig nachgewiesen werden, dass die Unterstützung beim Krafttraining durch den Gewichthebergürtel nicht alleine über den gestiegenen IAP, sondern vor allem durch die mechanische Unterstützung des eng sitzenden, steifen Gürtels funktionierte.

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Was sollte man beim Tragen eines Gewichthebergürtels beachten?

Es scheint also ebenso wichtig zu sein, dass der Gürtel individuell angepasst ist. Er sollte demnach perfekt zwischen Becken und untere Rippen passen. Probieren die den Hebergürtel also lieber vorher an, bevor Sie ihn blind im Internet bestellen. Gürtel scheint nicht gleich Gürtel zu sein. 

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Mein Fazit hierzu: 

  • Tragen Sie nur Hebergürtel, wenn Sie sich wohl damit fühlen, und er Ihnen genau passt 
  • Tragen Sie nur Hebergürtel, wenn Sie sehr schwere Sätze machen und nicht bei jedem „normalen“ Training 
  • Sie können den Hebergürtel ruhig auch in Ihrer Freizeit tragen und sich dabei viel Gold um den Hals hängen – zu Ehren von Mr. T (kleiner Scherz des Autors) 

Aber im Ernst: Probieren geht über Studieren! Vielleicht können Sie Ihre maximale Last beim Krafttraining durch das Tragen eines Gewichthebergürtels ja sogar etwas steigern. 

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