22. Oktober 2026, 20:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Essen Sie auch gerne Haferflocken zum Frühstück? Ob als Porridge oder im Müsli – das Getreide gilt vor allem wegen seiner Ballaststoffe als gesund. Doch können Haferflocken auch dabei helfen, erhöhte Cholesterinwerte zu senken? Eine neue Studie hat untersucht, wie sich der regelmäßige Verzehr von Hafer- und Gerstenprodukten auf die Blutfettwerte auswirkt. Dabei machten die Wissenschaftler eine interessante Entdeckung.
Hafer könnte mehr bewirken als bisher angenommen
Amerikanische Wissenschaftler haben untersucht, wie sich der regelmäßige Verzehr von Vollkornhafer und Vollkorngerste auf die Cholesterinwerte auswirkt. Dabei interessierten sie sich nicht nur für den Cholesterinspiegel, sondern auch für die Anzahl und Größe der Teilchen, die Cholesterin durch das Blut transportieren. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.1
So lief die sechswöchige Untersuchung ab
An der Studie nahmen 68 Erwachsene zwischen 26 und 69 Jahren teil. Sie wurden zufällig in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt Lebensmittel aus Vollkornhafer, eine zweite aus Vollkorngerste und die dritte eine Vergleichsernährung ohne Hafer und Gerste.
Die Teilnehmer der beiden Vollkorngruppen verzehrten täglich jeweils vier Portionen des entsprechenden Getreides pro 2000 Kilokalorien. Dazu gehörten unter anderem Frühstückscerealien, Getreideriegel und Cracker. Die gesamte Ernährung wurde von den Wissenschaftlern vorgegeben.
Vor und nach den sechs Wochen untersuchten die Forscher die Cholesterinwerte sowie die Anzahl und Größe der LDL-Partikel im Blut. Außerdem maßen sie den Blutdruck und bestimmte Entzündungswerte.
Hafer senkte die Cholesterinwerte – doch es gibt einen Haken
Nach sechs Wochen lag das „schlechte“ LDL-Cholesterin in der Hafergruppe durchschnittlich um 11,2 mg/dL niedriger als in der Kontrollgruppe. Bei Gerste betrug der Unterschied 8,9 mg/dL. Allerdings waren die Unterschiede nicht eindeutig genug, um einen Zufall auszuschließen.
Bei den Cholesterinpartikeln zeigte sich ein anderes Bild
In der Hafergruppe fanden die Wissenschaftler deutlich weniger LDL-Partikel im Blut. Diese Teilchen transportieren Cholesterin durch den Körper und können Ablagerungen in den Blutgefäßen begünstigen. Besonders die Anzahl der kleinen LDL-Partikel war niedriger. Gleichzeitig waren die Partikel im Durchschnitt größer. Die Ergebnisse lieferten deutliche Hinweise auf eine Wirkung des Hafers.
Auch Gerste zeigte positive Effekte: Der untere Blutdruckwert lag um 3,0 mmHg niedriger als in der Kontrollgruppe. Zudem verringerte sich ein Blutwert, der mit Entzündungsprozessen in den Gefäßen zusammenhängt.
Warum weniger LDL-Partikel gut für die Gefäße sein könnten
Bei einer normalen Blutuntersuchung wird gemessen, wie viel LDL-Cholesterin im Blut vorhanden ist. Wie viele Teilchen dieses Cholesterin transportieren, wird dabei nicht direkt erfasst. Das ist jedoch ein wichtiger Unterschied: Die gleiche Menge Cholesterin kann auf viele kleine oder weniger große Teilchen verteilt sein. Besonders viele kleine LDL-Partikel gelten als ungünstig, weil sie zur Entstehung von Ablagerungen in den Blutgefäßen beitragen können.
Dass die Hafergruppe weniger dieser Partikel im Blut hatte, könnte deshalb ein gesundheitlicher Vorteil sein. Ob der regelmäßige Verzehr von Hafer dadurch auch das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle senkt, wurde in der Studie allerdings nicht untersucht.
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Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?
Eine Stärke der Studie ist, dass die Wissenschaftler die gesamte Ernährung der Teilnehmer kontrollierten. Außerdem wurden die Teilnehmer zufällig auf die drei Gruppen verteilt. Die Getreideprodukte sahen äußerlich gleich aus, sodass weder die Teilnehmer noch die Wissenschaftler während der Untersuchung wussten, wer welches Getreide erhielt.
Allerdings nahmen nur 68 Erwachsene teil. Bei einer so kleinen Gruppe ist es schwieriger, geringere Veränderungen der Cholesterinwerte zuverlässig nachzuweisen.
Hinzu kommt, dass die Forscher zahlreiche Blutwerte untersuchten. Je mehr Werte verglichen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Ergebnisse zufällig auffällig ausfallen. Auch die Dauer ist eine Einschränkung. Die Untersuchung erstreckte sich lediglich über sechs Wochen. Ob die Veränderungen bei längerem Haferverzehr bestehen bleiben, ist deshalb unklar.
Die Studie wurde außerdem teilweise vom Lebensmittelhersteller Kellogg finanziert, der auch die untersuchten Getreideprodukte bereitstellte. Nach Angaben der Wissenschaftler hatte das Unternehmen keinen Einfluss auf die Durchführung, Auswertung oder Veröffentlichung der Ergebnisse.
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Die Wirkung von einer Avocado pro Tag auf das Cholesterin
Fermentierter Hafer: Bringt die Verarbeitung zusätzliche Vorteile?
Eine weitere Studie untersuchte, ob fermentierter Hafer den Cholesterinspiegel stärker senken kann als gewöhnlicher Haferbrei. Bei der Fermentation verändern Mikroorganismen bestimmte Bestandteile eines Lebensmittels.2
An der Untersuchung nahmen 56 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas und mindestens einem weiteren Stoffwechselrisikofaktor teil. Sie verzehrten jeweils drei Wochen lang ein fermentiertes, joghurtähnliches Haferprodukt und einen nicht fermentierten Haferbrei. Beide Produkte enthielten neben Hafer auch Eiweiß aus Ackerbohnen. Zwischen den beiden Ernährungsphasen lag eine dreiwöchige Pause.
Während des Verzehrs des fermentierten Produkts sank das LDL-Cholesterin durchschnittlich um 0,12 mmol/L. Auch das sogenannte Non-HDL-Cholesterin, das mehrere ungünstige Cholesterinanteile umfasst, verringerte sich um 0,15 mmol/L. Die Forscher konnten beide Veränderungen nachweisen.
Der entscheidende Unterschied blieb aus
Allerdings zeigte sich kein eindeutiger Vorteil gegenüber dem nicht fermentierten Haferbrei. Nachdem die Wissenschaftler berücksichtigt hatten, wie viele Ballaststoffe die Teilnehmer zu sich nahmen, ließ sich auch die Senkung des LDL-Cholesterins nicht mehr zuverlässig nachweisen.
Die Forscher vermuten deshalb, dass vor allem die höhere Ballaststoffaufnahme zu den beobachteten Verbesserungen beigetragen haben könnte. Einen zusätzlichen Nutzen durch die Fermentation konnten sie nicht eindeutig feststellen.
Bereits zwei Tage Haferkur senkten die Cholesterinwerte deutlich
Auch eine Untersuchung der Universität Bonn lieferte interessante Ergebnisse. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob eine zweitägige Haferkur die Cholesterinwerte verbessern kann. An der Studie nahmen 34 Menschen mit metabolischem Syndrom teil. Das bedeutet, dass sie mehrere gesundheitliche Probleme gleichzeitig hatten, etwa Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte.3
Die Teilnehmer der Hafergruppe aßen zwei Tage lang jeweils 300 Gramm Haferflocken, verteilt auf drei Mahlzeiten. Die Vergleichsgruppe erhielt ebenfalls eine kalorienreduzierte Ernährung, allerdings ohne Hafer.
Bereits nach zwei Tagen zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In der Hafergruppe lag das „schlechte“ LDL-Cholesterin um 16,26 mg/dL niedriger als in der Vergleichsgruppe. Auch das Gesamtcholesterin war um 15,61 mg/dL niedriger. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Haferkur tatsächlich zu den besseren Cholesterinwerten beigetragen hat.
Hafermenge und Darmbakterien beeinflussen die Wirkung möglicherweise unterschiedlich
In einer zweiten Untersuchung mit 34 Teilnehmern führte der tägliche Verzehr von 80 Gramm Haferflocken über sechs Wochen dagegen zu keiner eindeutig nachweisbaren Cholesterinsenkung.
Bei der zweitägigen Haferkur fanden die Forscher außerdem Hinweise darauf, dass Darmbakterien an der Wirkung von Hafer beteiligt sein könnten. Sie entdeckten einen Zusammenhang zwischen niedrigeren Cholesterinwerten und bestimmten Stoffen, die beim Abbau von Haferbestandteilen durch Darmbakterien entstehen. Ob diese Stoffe tatsächlich für die Cholesterinsenkung verantwortlich sind, muss noch genauer untersucht werden.