3. November 2026, 19:44 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ein ausgiebiges Frühstück könnte dabei helfen, über den Tag weniger Hunger zu verspüren – doch führt es auch dazu, dass man schneller abnehmen kann? Diese Frage treibt auch die Forschung um. So haben etwa Wissenschaftler der schottischen University of Aberdeen vor einigen Jahren untersucht, welchen Unterschied es macht, ob wir den größten Teil unserer täglichen Kalorien morgens oder abends essen.
In einer 2022 veröffentlichten Studie verglich ein Forschungsteam um Professor Alexandra Johnstone die Auswirkungen eines großen Frühstücks mit denen eines großen Abendessens. An der Untersuchung nahmen 30 Menschen mit Übergewicht oder Adipositas teil. Sie erhielten eine kalorienreduzierte Ernährung, bei der entweder morgens oder abends der größte Teil der täglichen Kalorien aufgenommen wurde.1
Das Ergebnis war, dass die Teilnehmer weniger Hunger und Appetit verspürten, wenn sie morgens mehr aßen. Beim Gewichtsverlust zeigte sich dagegen kein signifikanter Unterschied. Wer den größten Teil seiner Kalorien zum Frühstück aufnahm, verlor nicht nachweisbar mehr Gewicht als jemand, der abends mehr aß. Ein großes Frühstück kann demnach helfen, das Hungergefühl im Tagesverlauf zu verringern. Allein dadurch nimmt man aber nicht unbedingt schneller ab.
Warum die Uhrzeit beim Essen trotzdem wichtig ist
Auch wenn ein großes Frühstück nicht automatisch zu mehr Gewichtsverlust führt, macht es für unseren Stoffwechsel offenbar einen Unterschied, wann wir essen.
Dr. Sarah Chellappa, Chronobiologin an der britischen University of Southampton, erklärt gegenüber BBC Science Focus, dass der menschliche Stoffwechsel darauf ausgerichtet sei, Nährstoffe während der Tageslichtstunden effizient zu verarbeiten und nachts Energie zu sparen.2
Dahinter steckt unter anderem unsere innere Uhr. Sie folgt einem Rhythmus von ungefähr 24 Stunden und beeinflusst neben dem Schlaf auch Hormone und Stoffwechsel. Tageslicht spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung dieses Rhythmus. Wie stark die Tageszeit die Verarbeitung von Nahrung beeinflussen kann, zeigt sich unter anderem beim Blutzucker.
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Abends kann der Blutzucker stärker steigen
Laut Chellappa kann dieselbe Mahlzeit am Abend einen um 18 bis 46 Prozent höheren Blutzuckeranstieg verursachen als am Morgen. Eine Rolle spielt dabei das Hormon Insulin. Es hilft dem Körper, Zucker aus dem Blut in die Zellen aufzunehmen. Allerdings nimmt die Insulinempfindlichkeit im Tagesverlauf ab. Dadurch kann nach einer Mahlzeit am Abend mehr Zucker im Blut bleiben.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen solche Unterschiede. In einer 2015 veröffentlichten Studie lag der Blutzucker nach einer Mahlzeit am biologischen Abend um etwa 17 Prozent höher als am biologischen Morgen.3
Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2019 zeigte ebenfalls, dass die Blutzuckerreaktion auf eine Mahlzeit von der Tageszeit abhängen kann.4
Doch nicht nur der Blutzucker verändert sich. Laut Chellappa sinkt die Fähigkeit des Körpers, Fett abzubauen und zu verbrennen, über Nacht um zehn bis 20 Prozent.
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Wann sollte man die größte Mahlzeit essen?
Aus den Erkenntnissen zur inneren Uhr leitet Chellappa eine Empfehlung ab: Die größte Mahlzeit des Tages sollte möglichst früh stattfinden, also zum Frühstück oder Mittagessen. Das Abendessen sollte dagegen kleiner ausfallen.
Eine feste Uhrzeit, ab der Essen grundsätzlich ungesund wird, gibt es allerdings nicht. Entscheidend ist auch, wann jemand schlafen geht. Chellappa verweist auf die Empfehlung von Chronobiologen, mindestens drei Stunden vor dem Schlafengehen keine weiteren Kalorien mehr aufzunehmen.
Dabei muss nicht jeder Mensch denselben Essensrhythmus einhalten. Arbeitszeiten, Schlafgewohnheiten und der persönliche Tagesablauf können beeinflussen, wann Mahlzeiten sinnvoll eingeplant werden. Die Forschung zeigt damit zwei unterschiedliche Aspekte: Der Körper verarbeitet Nahrung je nach Tageszeit unterschiedlich. Gleichzeitig kann ein größeres Frühstück helfen, später weniger Hunger zu verspüren.
Dass man allein durch die Verlagerung der Kalorien auf den Morgen mehr Gewicht verliert, konnte die Studie der University of Aberdeen jedoch nicht zeigen.